Ausgezeichnet! - Willson-Eufonium 2960TA »Celebration«

Musikalisch käme man wahrscheinlich nicht auf einen Nenner, doch trotzdem haben die Firma Willson und DJ Bobo etwas gemeinsam. Zum einen sind sowohl die Instrumentenbauer als auch der als Peter René Baumann geborene Popmusiker in der Schweiz beheimatet. Und zum anderen haben beide einen Hit gelandet, der den vielversprechenden Kosenamen »Celebration« trägt. DJ Bobo beschallte mit der Show »Celebration« die großen Hallen, die Firma Willson gibt Musikern mit dem Eufonium 2960TA ein Instrument an die Hand, es ihm gleich zu tun.

Die Namensgebung ist wohl auch dem Jubiläumsjahr der Firma Willson geschuldet. Seit nunmehr 60 Jahren werden im Dorf Flums im Kanton St. Gallen hochklassige Musikinstrumente gefertigt – von Tuben über Posaunen bis hin zum Kornett. Die Philosophie der Firma ist auch in der jetzigen Generation Willi Kurath jun. die gleiche geblieben: klein, überschaubar und exklusiv. Die Gemeinde Flums ist im Winter und Sommer eine beliebte Touristenattraktion wegen großartiger Wandertouren und einem großen Netz an Sesselliften und Gondelbahnen. Eine Sehenswürdigkeit ist die stattliche Ruine der Burg Gräpplang. Doch die Musiker aus der Riege der internationalen Solisten, der Orchester- und der Brassband-Szene dürfte vor allem die Arbeit der 25 ausgewiesenen Blechspezialisten am Ort interessieren. Den Testern lag ein Willson-Eufonium 2960TA »Celebration« mit Klarlack-Oberflächenfinish vor.

Der handwerkliche Test

Der handwerkliche Tester Dominikus Schmelzer, Metallblasinstrumentenbaumeister aus Marktoberdorf, empfindet das Instrument beim ersten Eindruck als »sehr massiv, wuchtig und vielleicht im ersten Moment auch etwas schwer«. Der Schallbecherdurchmesser beträgt 310 mm – »dies ist schon ein sehr weiter Becher für Eufonium«, findet Schmelzer.

Den Abschluss des Schallbechers bildet ein sehr massiver und dicker eingebördelter Rand mit einem Runddraht im Inneren. Die Gesamthöhe des Instruments beträgt 66,5 cm, der Korpus ist sehr gedrungen konzipiert, Hauptbügel und 1. Anstoß sind sehr schmal abgebogen, sodass der Korpus insgesamt schlank und handlich ist.Beide angesprochenen Korpusteile sind mit einer Schutzkappe und einem zusätzlichen Kappendraht aus Neusilber verstärkt. Die Entwicklung ist grundsätzlich sehr stabil, nur sollte bei der Verarbeitung darauf geachtet werden, dass die Kappe über die ganze Breite am Korpus anliegt und den gleichen Radius beschreibt wie Hauptbügel oder auch Anstoß. »Liegt die Kappe so wie in unserem Falle hohl auf dem Korpus, bekomme ich sehr leicht Beulen in das ›Schutzblech‹, da der Effekt der doppelten Wandstärke nicht umgesetzt ist«, beschreibt der handwerkliche Tester die Problematik.

Die Position des stabilen Haltebügels für die rechte Hand ist »sehr gut gewählt«, sodass das Instrument angenehm in der Hand liegt. Die Positionierung des dreiteiligen Büchsenstocks gewährleistet eine sehr ausgewogene Gewichtsverteilung für das Gesamtkonzept. »Bei der Maschine sprechen wir hier von 3+1«, führt Schmelzer aus, »was bedeutet, dass wir drei Hauptventile haben – mit 1. Ventil Ganzton, 2. Ventil Halbton und 3. Ventil Eineinhalbton. Das 4. Ventil (Quartverlängerung) wird bei dieser Bauweise als Nachsatzventil eingesetzt, und steht separat etwa 13 Zentimeter im weiteren Korpusverlauf nach dem 3. Ventil. Dieses 4. Ventil hat hier die Aufgabe, das Kompensationssystem zu aktivieren.« Das bedeutet für Ventilkombinationen von 4. Ventil plus weitere Ventile, dass die Kompensationszüge (Ausgleichszüge) an den entsprechenden Ventilen zugeschaltet werden. Diese befinden sich auf der gegenüberliegenden bzw. hinteren Seite der Ventile. Die Kompensation bewirkt ganz allgemein gesprochen eine Verbesserung der Intonation gerade in den tiefen Registern des Instruments. (An dieser Stelle möchten wir von einer expliziten Erklärung »Kompensation« Abstand nehmen, dies aber in einem eigenständigen Artikel in der kommenden Ausgabe erklären; d. Red.)

Die bei unserem Instrument eingebauten Ventile verfügen über ein Innenleben mit Edelstahlwechsel nebst untenliegender Ventilfeder. Diese Feder wird von zwei Gummiringen vorne und hinten gedämpft, sodass kein Federgeräusch beim Ventildrücken entsteht. Die Wechsel sind extrem präzise in die Ventilhülse eingepasst und laufen einwandfrei. Die Ventilführung wird mit einer Plastiknase am Wechsel gelöst, die in einer Nut im Büchseninneren läuft. Heavy Caps und ein Tropffänger runden die technische Seite der Maschine perfekt ab. Büchsenstock, Züge und Korpus sind über massive Stützen fest und stabil miteinander verbunden. Das Mundrohr ist hier aus Goldmessing gearbeitet und ist nur durch eine stabile Mundrohrstütze mit dem Schallbecher verbunden. Der halbrunde Stützendraht wurde an Mundrohrzwinge und Schallstück mit einer runden Stützenplatte versehen, und hat so mehr Angriffsfläche für die Verlötung und somit mehr Stabilität.Alle Züge sind aus Neusilber gearbeitet und laufen perfekt parallel und leichtgängig. Am ersten, dritten und dem Hauptstimmzug befinden sich Wasserklappen, die in Spielhaltung am tiefsten Punkt des Zuges und somit am effektivsten positioniert sind. Alle Wasserklappen sind mit einem Gummistopfen ausgestattet, der mit einer Nase in das Wasserloch bis zur Innenkante des Zugbogens reicht. Hintergrund ist hier, eine Störstelle für Luftverwirbelungen im Inneren des Korpus zu vermeiden

.Optisch ist es ein harmonisches, in sich stimmiges Instrument, das fast überall sauber verarbeitet wurde. Einzig die Drehteile der Fassstützen sind porös und nicht glatt poliert. Außerdem sind einzelne Stützen nicht hundertprozentig verlötet. Im Handling gibt es nur für die linke Hand leichte Mängel zu beanstanden: Hier ist die Spanne für das Halten des Instruments und die Betätigung des 4. Ventils sehr weit und für kleinere Hände durchaus schwierig.Der Hersteller bietet das Instrument mit klarlackierter oder versilberter Oberfläche an. Die Mundstückaufnahme ist für einen L-Schaft konzipiert. Die Maschinenbohrung verläuft von 15,0 auf 16,8 mm. Die Grundstimmung ist B und das Gesamtgewicht beträgt 4,5 kg. Optional kann ein Hauptstimmzugtrimmer bestellt werden. Für den Transport wird das 4. Ventil mit einem Haltebügel fixiert, sodass die Drückerarmatur nicht über den Korpus hinaussteht.Und das Fazit des Instrumentenbaumeisters: »Das Instrument ist ein absolutes Oberklasse-Instrument.«

Der praktische Test

Das getestete 2960TA ist Willsons jüngster Vertreter in der Topliga der Eufonien. Die bereits etablierten Vorgänger 2900 und 2950 TA, die für ihren charakteristisch hellen Klang bekannt sind, werden als solide und gut spielbare Instrumente gerade in der Brassband-Szene geschätzt. Bei der Entwicklung des neuen Modells versuchte Willson, dem Klangcharakter eine dunklere, weichere Komponente beizumischen. Alfred Menzinger meint: »Das Resultat ist ein – wie ich finde – sehr gelungenes Instrument, das die Klangtradition der Firma Willson fortführt und dieser einen neuen Aspekt hinzufügt.«

»Nicht immer geht es gut, wenn sich Instrumentenhersteller von ihren jahrzehntelang gepflegten Charakteristika und Klangvorstellungen verabschieden, um sich in Richtung Mainstream zu bewegen«, meint Menzinger. Doch die Entwickler bei Willson haben diesen Schritt offensichtlich sehr behutsam und mit gutem Gespür vollzogen und damit die bekannten Qualitäten weitestgehend erhalten. Das 2960TA spricht sehr gut an und klingt vor allem in der mittleren und hohen Lage angenehm ausgewogen und rund, lässt dabei immer noch die Willson-typische Helligkeit und Brillanz erkennen. »Lediglich im tiefen Register hätte ich mir ein bisschen mehr Fülle gewünscht, vor allem in der großen Oktave. Dieses kleine Manko verschwindet aber beinahe angesichts des ansonsten hervorragenden klanglichen Gesamteindrucks.«

Überhaupt keine Schwächen zeigt die Maschine, ganz im Gegenteil. Die Ventile arbeiten äußerst exakt und stören den Luftstrom so gut wie gar nicht. Schnelle gebundene Passagen sind auf Anhieb klar und verständlich, hier profitiert das 2960TA deutlich von seiner hellen Obertonstruktur. Intonationsmäßig gibt sich das Testinstrument ebenfalls keine Blöße. Ausreißer in der Naturtonreihe konnten keine festgestellt werden, und die Ventil- und Kompensationslängen sind in Ordnung. »Trotzdem bin ich der Auffassung, dass ein Instrument dieser Kategorie standardmäßig mit einem Trigger am Hauptstimmzug ausgerüstet sein sollte«, meint der Tester. Damit sei man einfach flexibler und kann die auch bei einem noch so gut stimmenden Instrument nötigen Korrekturen ohne klangliche Einbußen bewerkstelligen.Nach längerem Spielen drückt es am rechten Daumen, der etwas eng zwischen Daumenhalter und den Ventilzügen sitzt. Hier wäre noch Raum für Verbesserungen, ansonsten liegt das Instrument gut in der Hand und lässt sich auch länger bequem spielen.

Fazit

Das 2960TA »Celebration« ist ein ausgezeichnetes Instrument, prädestiniert für den Einsatz im Ensemble, der Brassband und vor allem für solistische und kammermusikalische Anwendungen. Das Eufonium begeistert mit Individualität und Brillanz im Klang.Wer, wie die Schweizer Firma Willson, sein Instrument »Celebration« tauft, muss sich seiner Sache also sehr sicher sein und sein Handwerk verstehen. Solch ein Name könnte andernfalls auch negativ auf die Entwickler zurück fallen. Doch die Schweizer haben ganze Arbeit geleistet. Das Eufonium 2960TA »Celebration« ist schlicht und ergreifend, wie es heißt – ein Freudenfest.

Infos: www.willson.ch

Die Tester

Alfred Menzinger startete seine musikalische Laufbahn mit sechs Jahren und dem Klavier. Mit 16 Jahren erhielt er seinen ersten Posaunenunterricht, vier Jahre später begann er, am Richard-Strauss-Konservatorium in München Posaune und Jazzposaune zu studieren. Seit 2000 ist er Mitglied des Musikkorps der Bayerischen Polizei und daneben gefragter Allroundman für Klassik, Musical und Jazz.

Dominikus Schmelzer machte seine Berufsausbildung zum Metallblasinstrumentenmacher bei Wenzel Meinl in Geretsried, wo er auch ein weiteres Gesellenjahr im Tuben-Cimbasso- und Basstrompetenbau ablegte. Er erlangte 2004 den Meisterbrief zum Metallblasinstrumentenmacher und ist heute Geschäftsführer des Musikhauses Frei in Marktoberdorf.

  • 21.09.2011
  • clarino.test
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 10/2010
  • Seite 20-22

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