Ausgezeichnet - Rainer Bartesch komponiert Film- und auch Blasmusik

  • 21.09.2011
  • Aktuell
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 2/2011
  • Seite 38-39

Bei Filmpreisverleihungen denkt man oft an Glamour, Glitter, Hollywood. Auch Baden-Baden als internationale Festspielstadt ist des Understatement erst einmal unverdächtig. Und doch war die Preisverleihung im dortigen Kurhaus – der Fernsehfilmpreis 2010 wurde vergeben – angenehm uneitel, wie einer der Preisträger anmerkt. »Die Bussi-Gesellschaft ist nämlich nicht so meins«, lacht Rainer Bartesch. Der 46-Jährige gewann den Rolf-Hans- Müller-Preis für seine Musik zum Film »Erntedank«.Er sei recht müde, räumt er am Tag des Interviews ein. Geschlafen habe er wenig, weil noch eine weitere Filmmusik fertig werden musste. Also ein Espresso. Das ist dann die Kehrseite der Medaille: Wenn man gut und im wahrsten Sinne des Wortes ausgezeichnet ist, dann wollen viele Leute was von einem. Doch das ist natürlich nichts, worüber sich ein Komponist beschwert. Der Espresso scheint Wunder zu wirken. Rainer Bartesch spricht gerne und viel über seine Arbeit. Wenn er über die Musik spricht, ist er in seinem Element. Von Müdigkeit überhaupt keine Spur. Und er ist schon ein bisschen stolz darauf, dass das Fernsehfilm-Festival Baden-Baden seine Arbeit auch honoriert.Rainer Bartesch wurde für die Musik zum Film »Erntedank« ausgezeichnet. Der Film von Rainer Kaufmann nach dem gleichnamigen Roman von Volker Klüpfel und Michael Kobr lief im Herbst des vergangenen Jahres im Fernsehen. Und die Allgäu-Krimis (so der Untertitel der Kommissar-Kluftinger-Reihe) sind längst über Bayern hinaus populär geworden. Die siebenköpfige Jury, die beim SWR in Baden-Baden tagte, wählte Barteschs Musik unter 56 Einreichungen aus. Ihre Entscheidung begründete die Jury folgendermaßen: »Für die Vertonung von ›Erntedank‹ komponierte Bartesch eine sehr außergewöhnliche und sehr wandlungsfähige Musik, die auf der Basis von bayerischer Blas- und Stubenmusik kriminalistische, komödiantische und alpenländische Züge vereint und zugleich auf sensible Weise die Unsicherheit und die Zweifel des Hauptdarstellers Kluftinger widerspiegelt.« Die Jury lobte die Geschlossenheit von Musik und Bild und die durchgehende Stringenz der musikalischen Farbe in der vom Bayerischen Rundfunk in Auftrag gegebenen Verfilmung des Allgäu-Krimis »Erntedank«.

Rainer Bartesch

begann als Musiker mit der Trompete, und wechselte zum Waldhorn. Er studierte – nach einer Zeit der intensiven Beschäftigung mit dem Jazz – das Instrumentalfach Horn bei Prof. Otto Schmitz in München. Im Anschluss war Rainer Bartesch als Hornist im Hessischen Staatsorchester Wiesbaden, im Niedersächsischen Staatsorchester Braunschweig und an der Semperoper in Dresden, bevor er sich schließlich für die Komponisten-, Dirigenten- und Dozentenlaufbahn entschied. Dazu kehrte er 1995 an die Münchner Musikhochschule zurück und studierte »Lehramt an Gymnasien« und »Komposition für Film und Fernsehen« (bei Enjott Schneider). Anschließend arbeitete er als freischaffender Komponist und Dirigent sowie als Dozent an der Musikhochschule.

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