August Zirner - Grimme oder Grammy?

  • 21.09.2011
  • Porträt
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 4/2011
  • Seite 50-52

August Zirner ist Schauspieler. Hauptberuflich. Deshalb ist er kein Musiker. Zumindest nicht hauptberuflich. Und er kann sie schon sehen, die Skeptiker, die die Stirn runzeln ob des Schauspielers, der daherkommt, um sich mit Musik selbst zu verwirklichen. August Zirner kann die Skepsis sogar nachvollziehen, denn skeptisch sei er ja auch, wenn »ich wieder lese, der und der macht dies und jenes...«. Er ist ja auch nicht der erste Schauspieler, der musikalische Pfade beschreitet. »Die anderen singen aber!«, wehrt er sich lachend. August Zirner spielt Flöte.Gemeinsam mit dem Spardosen-Terzett –bestehend aus Rainer Lipski (Gitarre, Saxofon, Piano), Kai Struwe (Kontrabass, Mundharmonika) und Mickey Neher (Schlaginstrumente) – hat August Zirner ein musikalisch-literarisches Bühnenprogramm entwickelt, in dem die Musiker den Jazz-Legenden Thelonious Monk, Charles Mingus und Rahsaan Roland Kirk nachspüren. Die Arbeitsteilung bei der »Geschichte in Wort und Musik« – so der Untertitel des Tonträgers »Diagnose: Jazz« – war nicht, dass der Schauspieler den erzählenden und die Musiker den tönenden Teil übernommen hätten. Zirner spielt die Querflöte – und er spielt sie richtig gut. »Vermutlich sind viele Leute irritiert, dass ein Schauspieler sowas macht. Die wissen nicht – und woher sollen sie es wissen? –, dass ich eine musikalische Ausbildung habe.« Seit dem vergangenen Monat nun liegt dieses Bühnenprogramm auch als CD in den Regalen. Zwar auf 90 Minuten reduziert, doch deshalb nicht minder bewegend, mitreißend, ausdrucksvoll, lehrreich.

August Zirner

Jahrgang 1956, wuchs in Urbana, Illinois/USA, als Sohn österreichischer Emigranten auf. In Wien absolvierte er zunächst das renommierte Max-Reinhardt-Seminar, danach erhielt er sein erstes Engagement am Volkstheater in Wien. Es folgten weitere Engagements bei den Münchner Kammerspielen, beim Theater in der Josephstadt, beim Burgtheater Wien, dem Schauspielhaus Zürich und den Salzburger Festspielen sowie zahlreiche hochkarätige TV- und Kinofilme. Im Jahr 2007 erhielt Zirner den Adolf-Grimme-Preis für das interkulturelle TV-Drama »Wut« (ARD). Im darauffolgenden Jahr wurde der deutsch-österreichische Kinofilm »Die Fälscher«, in dem Zirner den jüdischen Arzt Dr. Klinger darstellt, mit dem Oscar für den besten fremdsprachigen Film ausgezeichnet.

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