Augenblicke für die Ewigkeit - Große Bläsersoli im Jazz

Louis Armstrong, Charlie Parker, John Coltrane: Jazzbläser haben die Geschichte der Musik im 20. Jahrhundert verändert. Entscheidend dafür war die Art, wie sie ihr Instrument spielten, wie sie ihre Improvisationen ­entwickelten, wie sie ihre Soli bauten. Die Geschichte des Jazz ist eine Geschichte seiner Solisten.

Was ist das Wichtigste im Jazz? Rhythmus? Tongebung? Temperament? Nein, das Wichtigste ist die Improvisation: das, was ein Musiker oder eine Musikerin aus dem Stegreif aus einem Stück zu machen versteht. Mag die Vorlage, das Thema, noch so banal und unbedeutend sein: sie kann doch – unter den Händen eines klugen Improvisators – als Startschuss für ein großes Solo dienen. Jazzmusiker waren in der Wahl ihres Ausgangsmaterials nie zimperlich. Eine Spiritual-Melodie, ein Broadway-Schlager, eine Hollywood-Schmonzette, ein Thema der klassischen Musik, ein zwölftaktiger Blues, ein moderner Popsong oder auch nur irgendein Motivkürzel: Alles Mögliche eignet sich als Sprungbrett in eine Jazz-Improvisation. Warum ein Jazzmusiker ein bestimmte Stück wählt, bleibt dabei oft sein Geheimnis. Bewegt ihn eine besondere Melodiephrase? Beschäftigt ihn das Harmoniegerüst? Oder hat der Songtext es ihm angetan? Egal! Entscheidend ist, was er daraus macht. Manchmal: große Kunst.

  • 17.05.2013
  • Szene
  • Ausgabe: 6/2013
  • Seite 42-44

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