Auf Augenhöhe - Der ARD-Musikwettbewerb 2012 im Fach Klarinette

  • 17.10.2012
  • Szene
  • Klaus Härtel/Anneliese Schürer
  • Ausgabe: 11/2012
  • Seite 42-45

Unruhe im Münchner Herkulessaal. Das Publikum wartet nach dem Finale des ARD-Musikwettbewerbs 2012 im Fach Klarinette nun schon über eine Stunde auf Jury und Ergebnisse. Die Beratung dauert und dauert. Und dauert. Warum denn nur so lange? Auch das ungeduldige Klatschen lässt die Wartezeit nicht schneller vergehen. Endlich erscheinen die Jury mit dem Vorsitzenden Milan Turkovic und die drei Finalisten Annelien van Wauwe aus Belgien, Sergey Eletskiy aus Russland sowie Stojan Krkuleski aus Serbien auf der leeren Bühne. Turkovic macht es schnell. »Es gibt keinen ersten Preis.« Zustimmendes Klatschen aus den Publikumsreihen. »Es gibt auch keinen dritten Preis. Wir vergeben in diesem Jahr drei zweite ­Preise.« Ungläubigkeit, vereinzelte Buh-Rufe. Das ist nun das lang erwartete Ergebnis des Ard-Musikwettbewerbs 2012 bei den Klarinettisten. Das gab es noch nie!

Schon die Pressekonferenz im Vorfeld verdeutlicht den hohen Stellenwert des ARD-Musikwettbewerbs. Ein solch großes journalistisches Aufgebot aus Presse, Hörfunk und Fernsehen sieht man bei Vorankündigungen selten. Zumal man vor einem Wettbewerb­ auch nicht viel erzählen kann. Es ist ja noch nichts passiert. Und eigentlich muss man über die Bedeutung des musika­lischen Wettstreits, der vor genau 60 Jahren erstmals in München stattfand, nicht viele Worte verlieren. Pawel Zalejski, vor vier Jahren mit dem Apollon Musagète Quartett 1. Preisträger in der Kategorie Streichquartett, bringt es deshalb auch ohne Umschweife auf den Punkt: »Der ARD-Musikwettbewerb ist eine Art Stiftung Warentest für Musiker.« Wer sich hier durchsetzt, der kann was. Ein Preisträger – egal ob 1., 2 .oder 3. – kann sich für höhere Aufgaben schmücken, muss aber in der Folge der Auszeichnung sein Können auch immer wieder bestätigen. Allerdings: Schon für den Mut, sich per Tonträger einer »blinden« Jury zu stellen und für den ersten Durchgang zu bewerben, gebührt den Bewerbern Respekt. Und wer es in die erste Runde schafft, darf sich darauf durchaus etwas einbilden. Das belegen die Bewerberzahlen.

« zurück