arto tunçboyaciyan - »armenian navy band« segelt auf den wassern der seelen

  • 21.09.2011
  • Sinfonisch
  • Uschi Mohr
  • Ausgabe: 4/2004
  • Seite 22-23

Gleich um die Ecke ist Noah an Land gegangen. Damals, als sich das apokalyptische Meer noch über die Welt erstreckte und nur die Spitze des Berges Ararat Gelegenheit bot, den Anker zu werfen. Heute ist der umwölkte Ararat-Gipfel gleich um die Ecke von Armeniens Hauptstadt Eriwan aus gut zu erkennen. Doch das Meer, und zwar nicht nur das apokalyptische, ist fern. Oder etwa doch nicht? Immerhin stellt hier die »Armenian Navy Band« um Arto Tunçboyaciyan ihre neue CD vor. Keine Navy ohne Meer – oder ist das ehedem berühmt-berüchtigte »Radio Eriwan« urplötzlich wieder auferstanden, um das Unerklärliche zu erklären? Arto winkt ab. Er hatte durchaus ein konkretes, wenn auch imaginäres Meer im Sinn, als der Bandname gefunden wurde: »Wenn deine Lebenseinstellung mit Liebe, Respekt und Aufrichtigkeit zu tun hat, kannst du Boote auch ohne Meer zu Wasser lassen. Wenn die Menschen uns so, wie wir sind, willkommen heißen, werden sie zu unserem Wasser.«

Aha. Der Einstand ist gelungen. Wen haben wir denn da? Einen kleinen Philosophen? Einen kleinen Spiritualisten? Weit gefehlt. Er ist ein Großer, und zwar in jeder Hinsicht. Rein körperlich gesehen soll es zwar imposantere Gestalten geben. Aber was die Dimension von Herz, Geist und vor allem Musikalität anbelangt, ist der 48-Jährige nicht leicht einzuholen. Denn Arto mit dem Nachnamen, der sich nur durch mehrfaches Aufsagen dem europäischen Hirn einprägen will, ist Multikulti aus tiefster Seele und beweist dies mit jeder neuen Scheibe, die unter seiner Mitwirkung auf den CD-Markt kommt. Ob der Multiinstrumentalist gerade in Amerika lebt, mit Al di Meola oder Joe Zawinul arbeitet, ob er zusammen mit dem armenischen Oud-Spieler Ara Dinkjian den »Klang meines Lebens« aufnimmt, ob er bei »Walking Fisch« mitspielt oder mit dem »Systems of a Down«-Sänger Serj Tankian das Projekt »Serart« in den (Platten-)Himmel schießt – Arto kennt keine Genregrenzen, war nie von Kategorien beeindruckt: »Es ist völlig überflüssig, Musik in mehr einzuteilen als in gute und schlechte.«

 

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