Artikulation und Intonation - Eine Frage der Atemtechnik

  • 22.01.2014
  • Praxis
  • Robert Kreutzer
  • Ausgabe: 2/2014
  • Seite 21-23

Wie schon der Fachbereich der »Atemtechnik« ist auch die »Artikulation« bei den Bläsern ein fachliches Kapitel, das erfahrungsgemäß in unserem heutigen Ausbildungssystem nicht nur viel zu wenig Berücksichtigung findet, sondern bis dato – zumindest was die Wechselwirkung mit der Atemtechnik, aber auch was generell den »Ton-Anfang« und das »Ton-Ende« betrifft – nicht konkret und viel zu ungenau beschrieben wurde.

Das liegt naturgemäß daran, dass die ­Artikulation und auch die Intonation unmittelbar mit der Atemtechnik zusammenhängen; gibt es also im Bereich der Atemtechnik des jeweiligen Bläsers Defizite, so leiden klarerweise auch Artikulation und Intonation darunter. 

Die Bläser (Blech- und Holzbläser) entfernen sich dabei im klassischen Bereich bezüglich der Artikulation oft unter dem Vorwand der Interpretationsfreiheit und Phrasierung allzu weit von den in der Notation vom jeweiligen Komponisten vorgegebenen und verlangten Angaben. Man hört hier immer wieder Hinweise, man ­müsse phrasieren wie ein (hoffentlich professioneller) Sänger, eine Phrase müsse möglichst »breit« gespielt/gezogen werden, man müsse »butterweich« spielen usw. ­Dabei verfällt man aber allzu häufig der ­Unart, anstatt eines sauberen »non ­legato« ein jeweils breit gehaltenes »tenuto« oder »portato« zu spielen, auch wenn dies nicht notiert ist und somit auch nicht vom Komponisten ausdrücklich und ausnahmsweise verlangt/gewünscht wird. 

Der Autor

Robert Kreutzer, Jahrgang 1966, studierte Trom­pete (Klassik/Jazz) sowie Sologesang (Oper/Lied/Oratorium) und lehrte ab 1994 im Kärntner Landes­musikschulwerk. Er hatte Gastspiele als Gesangs­solist am Stadttheater Klagenfurt, zum Beispiel als Schaunard in »La Bohème« von Giacomo Puccini und Dr. Falke in »Die Fledermaus« von Johann Strauss, sowie verschiedene Konzerte und Uraufführungen.

Er beschäftigt sich intensiv mit Atemtechnik sowie der Idee und Entwicklung einer natürlichen Atemtechnik für Bläser und Sänger bzw. Sprechberufe. Kreutzer ist ­Autor des Fachbuchs »Stütze!!? – Atemtechnik für Bläser und Sänger. Theoretische Analyse und praktische Anwendung«. Diese Publikation setzte, was die Beschreibung der atemtechnischen Zusammen­hänge betrifft, neue Maßstäbe in Verständlichkeit, Logik und Praxisbe­zogenheit. Das Buch ist 2010 in der 6. und völlig neu bearbeiteten und erweiterten Auflage erschienen. 

Robert Kreutzer arbeitet heute als Gesangspädagoge und Trompetenlehrer, hat seit 2011 einen Lehrauftrag am Leopold-Mozart-Zentrum der Universität Augsburg und ist Spezialist für Atemtechnik, Blastechnik und Stimmtechnik in sämtlichen Bläser- und Vokalbereichen sowie für Ansatztechnik bei den Blechbläsern. Der Österreicher leitet Workshops zu diesen Themenbereichen im gesamten deutschen Sprachraum, unter anderem an vielen Universitäten bis hin zur Bayerischen Staatsoper in München.

www.robertkreutzer.at

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