Artikulation: Die Aussprache der Musik

Die Artikulation ist die »Aussprache« der Musik. Nicht nur was wir spielen, sondern vor allem wie wir es spielen, ist wichtig für die Wirkung der Musik. Die Erarbeitung einer Artikulationsvielfalt in unseren Amateurorchestern zählt zu den großen Herausforderungen. Als Dirigent sollten wir nicht nur die verschiedenen Artikulationsmöglichkeiten kennen, sondern auch das Wissen besitzen, wie wir diese erarbeiten und verändern können.

Artikulation: Eine Kombination von Zunge, Luft und Tonlänge

Artikulation ist bei Bläsern immer eine Kombination von Zunge, Luft und Tonlänge. Die Frage der Tonlänge kann nicht grundsätzlich beantwortet werden, da unzählige Faktoren Einfluss darauf haben (aus welcher Tradition kommt die Musik, Hintergrundwissen zum Komponisten, Akustik am Aufführungsort und vieles mehr).

Luftführung und Stütze sind ebenso wie Zungentechnik und Sprache der ausführenden Instrumentalisten hochkomplexe Parameter zur Erreichung einer einheitlichen Artikulation. Spannend ist der Zusammenhang von Muttersprache und Dialekt als direkte Auswirkung auf die Artikulation (vergleiche auch »Theinerts Thema« in Clarino 12/2016).

Artikulation für Holz- und Blechbläser

Zu bedenken gilt es auch, dass es spezifische Artikulationen für Holz- und Blechbläser gibt. Ein Staccato auf der Klarinette ist etwas ganz anderes als eines auf der Trompete. Spannend ist es, durch »Mischformen« verschiedenster Artikulationen auf das gewünschte Endergebnis zu kommen.

Zum Beispiel die Kombination von Bassklarinette und Fagott – die Bassklarinette spielt tenuto, das Fagott staccato – als ­Ergebnis bekommt man eine sehr gute Imitation eines Pizzicato am Kontrabass. Das Umsetzen solcher »Mischformen« braucht jedoch sehr viel Erfahrung von Dirigenten und Instrumentalisten und kann sicher nur durch langfristiges Erarbeiten entwickelt werden.

In jeder Artikulation gibt es weitere Abstufungen, das bedeutet, Staccato ist nicht gleich Staccato. Das hängt mit vielen Faktoren wie unter anderem auch mit dem historischen Kontext zusammen.

Über den Autor

Roman Gruber ist Kapellmeister und Stabführer der Trachtenmusikkapelle Zederhaus und der Trachtenkapelle Ebene Reichenau. Beim Verein der Militärmusikfreunde Österreichs ist er stellvertretender Obmann und Kassier. Ferner ist er Bezirkskapellmeister des Lungauer Blasmusikverbandes sowie hauptberuflich Geschäftsführer des Salzburger Blasmusikverbandes.

roman-gruber.com

  • 22.02.2017
  • Praxis
  • Roman Gruber
  • Ausgabe: 3/2017
  • Seite 22-23

« zurück