App-gefahren: Sinnvolle Apps für Musiker

Die Leute reden nicht mehr miteinander. Am deutlichsten wird das in der S-Bahn. Jeder checkt die Mails, spielt Tetris, surft im Internet. Gespräche finden kaum noch statt. Und wo früher mit der Tageszeitung geraschelt wurde, starrt heute jeder auf sein Smartphone. Findet das Leben in einer Parallelwelt statt? 

Immer neue Apps erleichtern uns das Leben, bereichern es und lenken bisweilen auch von der Realität ab. Auch die Welt der Musik findet öfter im Digitalen statt. Das Team von CLARINO greift – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – in die App-Lage und stellt vier Neuzugänge vor. 

Die Nutzung des Smartphones in der Gesellschaft

Kürzlich erreichte das Redaktionsteam eine Anfrage mit leicht verzweifeltem Unterton. Einem Leser war aufgefallen, dass »viele Musiker während der Proben bzw. auch Ausrückungen immer wieder auf ihr Smartphone starren«. Dadurch seien diese unaufmerksam und verpassten Einsätze. 

Mit der Schilderung waren die Fragen verbunden, wie Orchesterleiter und Vorstände mit dieser Sachlage umgehen sollen und ob es dazu schon Studien gebe. Die erste ­Frage könnte man spontan mit »Handyverboten« und »entsprechenden Strafenkatalogen« beantworten. Denn wer (ernsthaft) musizieren möchte, darf sich davon nicht ablenken lassen – schon gar nicht vom Smartphone. 

Da es sich aber bei einem Musi­kverein doch immer auch um einen Mikrokosmos der Gesellschaft handelt, ist das vermehrte Agieren mit dem Smartphone auch nicht verwunderlich. Studien zur Handynutzung im Musikverein gibt es noch keine – wohl aber in Bezug auf die Ge­sellschaft. Allein in Deutschland gibt es 57 Millio­nen Smartphone-Nutzer. Innerhalb eines Jahrzehnts sind Smartphones damit von einem Nischenprodukt zu einem unverzichtbaren Begleiter im Alltag fast ­aller Menschen geworden.

Medienkompetenz erforderlich

Eine von der Bundesregierung geförderte Studie zur Mediennutzung meint, dass Kinder und Jugendliche Medienkompetenz bräuchten. Die unkontrollierte Nutzung von Smartphones und Tablets führt bei Kindern nämlich zu Hyperaktivität, Fett­leibig­keit sowie Störungen von Konzentration und Sprachentwicklung. 

Und eine weitere Gefahr droht. Zu beobachten ist das auf Spielplätzen. Achten Sie mal drauf! Die Kleinen backen Sandkuchen und klettern, die Großen gucken aufs Smartphone. Und auf Dauer könne der Mangel an aktivem Miteinander ungünstige Folgen für die Eltern-Kind-Beziehung haben, warnen Experten. 

Eltern, die viel Zeit mit digitalen Medien oder vorm Fernseher verbringen, statt sich mit ihrem Nachwuchs zu beschäftigen, können einer Studie zufolge Verhaltensauffälligkeiten bei ihren Kindern fördern.

Sinnvolle Musik-Apps

Aber das nur am Rande. Eigentlich geht es ja um die positiven Errungenschaften der schönen, neuen Welt. Zurückzudrehen ist das Rad der Entwicklung ohnehin nicht. Und es gibt sie ja, die Musik-Apps, die durchaus sinnvoll sind. Damit sind nicht einmal die Streaming-Apps gemeint, die das Musikhören immer und überall ermöglichen. 

Es gibt unzählige Metronome, es gibt Stimmgeräte, es gibt Gehörtrainer, es gibt Lernprogramme. Die Idee dahinter ist vermutlich auch: Die App-Nutzer dort abzuholen, wo sie sich aufhalten – in der digitalen Welt.

Im folgenden wollen wir vier solcher Apps vorstellen: Konzertmeister, Music Traveler, Wolfgang-App und Myousic. 

  • 11.01.2019
  • Praxis
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 1/2019
  • Seite 12-15

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