André Waignein: Nachruf auf den Grandseigneur der Blasmusik

Ein lebensfroher Mensch, ein leidenschaftlicher Komponist und Musiker, der Grandseigneur der Blasmusik hat uns am Fest der Heiligen Cäcilia, der Schutzheiligen der Musiker, für immer verlassen. Seine Musik bleibt.

André Waignein – Der »Mann für alle Fälle«

Als ich André Waignein während des Eidgenössischen Musikfestes 1996 in Interlaken (Schweiz) kennengelernt habe, hatte ich gerade erst begonnen, für den De-Haske­Verlag zu arbeiten. Er war während meiner Zeit bei De Haske immer der »Mann für alle Fälle«.

Wenn ich mal wieder mit meinen vielen Ideen für Arrangements und Blasorchester-Ausgaben zu Jan de Haan, dem Verlags-Chef, gekommen bin, sagte dieser immer wieder: »Das kann André machen!« Egal ob es um eine Bearbeitung eines aktuellen Popsongs ging oder darum, kleine Werke in variabler Besetzung für Jugendorchester zu schreiben – André arrangierte und komponierte unsere Wünsche perfekt, schnell und zuverlässig.

Im Zentrum seines Schaffens stehen nicht diese Verlagsaufträge. Zu seinen bedeutenden Werken gehören sicherlich »Alternances«, »Diagram« und »Dunamis«, aber auch seine Messen, die »Missa Solemnis« für Sopran, gemischten Chor und Blasorchester, die 2011 im Dom von Val d’Aosta (Italien) uraufgeführt wurde, oder die »Missa Tornacum« für gemischten Chor und Blasorchester, die er für seine Heimatstadt Tournai (Belgien) schrieb.

Sehr besonders finde ich die »Reminiscencia Gitana«. Es wird Zeit, dass dieses Werk wieder vermehrt in die Konzertprogramme kommt. Es ist ein von den Dirigenten vernachlässigtes Werk, das vermutlich in der Flut der Neuerscheinungen untergegangen ist. »Reminiscencia Gitana« zeigt seine ganze Leidenschaft für die Musik und Andrés eigene Fröhlichkeit und Überschwänglichkeit.

Sein besonderes Talent: Wohlklingende Musik für kleinere Besetzungen

André Waignein hatte die besondere Gabe, dass er wohlklingende, guttuende, unkomplizierte Musik für Blasorchester in kleineren, unvollständigen Besetzungen, die im Unter- und Mittelstufenbereich spielen, zu schreiben. Auf seiner Homepage können wir lesen: »Die Musik von André Waignein ist frisch und lebhaft und glänzt in vielen Farbnuancen.«

So werden landauf, landab und auch weltweit seine Werke »Air for Winds«, »Classical Canon« oder »Cantabile for Winds« (Rob Ares) in den Kirchenkon­zerten gespielt; seine »Dynamic Fantasy«, »Broadway Impressions«, »Tribute to Lionel«, »El Valse del Camino«, »Song and Dance« oder das »Concertino for Flute« in den Jahreskonzerten und seine Arrangements in den Unterhaltungskonzerten.

Fast kein Konzert von Unter- und Mittelstufen-Blasorchestern kommt ohne ein Werk von André Waignein (oder eines seiner »Freunde« Roland Kernen, Rob Ares usw.) aus. Er wusste, was er schrieb, um den Blasorchestern Werke zu bieten, die sie bewältigen können, die Spaß machen und das Publikum begeistern. Handwerklich, instrumentiertechnisch, melodisch: perfekt!

  • 22.12.2015
  • Szene
  • Alexandra Link
  • Ausgabe: 1/2016
  • Seite 50-51

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