AMT - Applied Microphone Technology: Fantastischer Sound beim Trompetenmikrofon P800

  • 20.01.2017
  • Schwerpunktthema
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 2/2017
  • Seite 44-46

Der Trompeter Carl Fischer spielt damit bei den Konzerten von Billy Joel und Blood, Sweat & Tears, die YouTube-Bläserstars »Lucky Chops« nutzen es auf ihrer großen Europatournee, und auch die Techno-Marching-Band »Meute« heizt in Clubs und auf Festivals damit ein. Die Rede ist von Mikrofonen der Firma AMT – Applied Microphone Technology.

Es war einer der Hypes des vergangenen Sommers: die Coverversion des House-Klassikers »Rej«. Gespielt von einer Blaskapelle, der Techno-Marching-Band »Meute«. Fast ein Dutzend Bläser und Schlagzeuger aus Hamburg machen Techno. Mit akustischen Instrumenten. Und damit die Band auf den mehreren Dutzend Festivals mit manchmal fünf Gigs an einem Wochenende auch gehört wird, braucht sie robustes, hochwertiges und benutzerfreundliches Equipment.

Das AMT P800 Trompetenmikrofon im Einsatz

Die Bläser der Band haben dies in den Mikrofonen der Firma AMT gefunden. Doch nicht nur »Meute« nutzt diese. Immer mehr Musiker landauf, landab entdecken AMT. Die Redaktion wollte das etwas genauer hinterfragen und traf sich dazu mit dem Trompeter Felix Jechlinger in München, der für seine Gigs ein AMT P800 Trompetenmikrofon im Einsatz hat.

Aufmerksam geworden ist Felix Jechlinger auf die Produkte von AMT durch seinen Lehrer, den Trompeter Gil Kaupp, der lange in München gewirkt hat und heute in Las Vegas und anderswo mit den allergrößten Stars des Showgeschäfts (Bette Midler, Michael Bublé, Barbra Streisand) auf der Bühne steht. Der US-Amerikaner empfahl Jechlinger die ihm bis dato nicht bekannte US-amerikanische Marke. Er probierte es aus und war fortan überzeugt.

Befestigung und Handhabung

Die Standardversion des Mikrofons ist nicht am Schallbecher befestigt. (Foto: Bayer)Dass die Standardversion des Mikrofons nicht am Schallbecher befestigt ist, mag zuerst einmal befremdlich wirken, hat jedoch einen triftigen akustischen Grund: Der Schallbecher wird durch eine Klemme nicht gedämpft und kann frei schwingen. Die Vorrichtung sieht etwas gewöhnungsbedürftig aus, weil sie die Optik doch deutlich verändert. Mancher Musiker beäugt das ganze kritisch – aber bei Mikrofonen geht es ja primär ums Ohr.

Die Handhabung ist denkbar einfach, um nicht zu sagen »idiotensicher«. Eine Sicherungsmutter wird abgeschraubt, die Verlängerungsstange umgedreht und in die dafür vorgesehene Öffnung gesteckt. Die Sicherungsmutter wird wieder festgezogen – fertig. Diese Vorrichtung wird dann mit einer Klemme am Stimmzug festgeschraubt und das Mikrofon justiert. Wegen seines biegsamen Arms ist das leicht. Auch die Entfernung zum Schallbecher ist ohne weiteres anpassbar.

Die Bell Mounted-Variante (Foto: Hersteller)Wer es optisch etwas dezenter mag, nimmt die geringen Klangeinbußen durch die Dämpfung des Trichters in Kauf und wählt dann wohl doch die Clip-Variante AMT P800BM (= Bell Mounted). Diese ist dann mit einer Becherklemme ausgestattet, wie man sie auch von anderen Herstellern kennt.

Das Mikrofon kann aber seitlich weggeklappt werden, sodass auch Dämpferspiel und das Abstellen des Instruments auf einem Trompetenständer möglich sein dürfte. Die Entfernung vom Mikrofon zum Schallbecher lässt sich auch bei der Chip-Version variieren, da der Schwanenhals in der Klemme verstellbar ist.

Felix Jechlinger allerdings bevorzugt die Schraub-Variante am Stimmzug. »Diese anzubringen, dauert zwar ein wenig länger als ein einfaches ›Bell Mounted‹-Clip-Mikrofon, doch erscheint sie mir auch stabiler.« Dadurch schwingt der Schallbecher frei und das Mikrofon lässt sich weiter entfernt platzieren.

»Das Mikro ist im Gegensatz zur Clip-Variante schon weiter weg vom Schallbecher.« Bei beiden Modellen werden zudem durch die 4-Punkt-Isolation in der auffälligen AMT-ISO-Ring-Kapselaufhängung störende Ventilgeräusche auf das Minimum reduziert.

Für den Einsatz von Dämpfern sieht Jechlinger das Clip-Mikro eher problematisch. Allerdings merkt Jechlinger an, dass im Bigband-Bereich ohnehin eher mit Standmikrofonen gearbeitet werde. Das Clip-Mikro ist allerdings wesentlich besser geeignet, wenn man bei einem Auftritt zwischen Trompete und Flügelhorn hin und her wechseln muss. Um dann trotzdem nicht auf die Off-Bell-Variante verzichten zu müssen, hat sich Jechlinger eine zweite Klammer zugelegt. Dann muss lediglich die Flügelschraube gelöst werden, die die Verlängerungsstange hält.

Gewicht

Ein Aspekt, der zumindest eine gewisse Skepsis hervorruft, ist, dass die gesamte Konstruktion recht schwer wirkt. Und ja, die Mikrofonvorrichtung besteht nicht aus leichterem Kunststoff, sondern aus Metall, aus eloxiertem Aluminium, wie es in der Luftfahrt verwendet wird. Die Teile sind rostfrei und für Metall noch verhältnismäßig leicht. Die Konstruktion wirkt dadurch wesentlich stabiler.

Das Gewicht ist beim ersten Anheben des Instruments aber nicht von ausschlaggebender Bedeutung. Doch Felix Jechlinger gibt zu, dass man das Gewicht »nach sehr langen Galas« durchaus spüre. Zumal ein Trompeter eben nicht die Möglichkeit eines Saxofonisten hat, der das (zusätzliche) Gewicht mit einem Nackengurt auffangen kann. Inklusive Sender (für die Wireless-Variante) bringt das Mikrofon immerhin 184 Gramm auf die Waage (die Becher-Clip-Variante AMT P800BM deutlich weniger).

Kabellose Ausführung für absolute Bewegungsfreiheit

Felix Jechlinger favorisiert die kabellose Ausführung. Vor allem deshalb, »weil ich dann auf der Bühne Bewegungsfreiheit habe. Du stellst dein Instrument weg – und es ist weg!« Es befindet sich kein Kabel am Instrument und kein Kabel am Bodypack. In einer Spielpause ist kein »Entkabeln« notwendig. »Ich stelle die Trompete auf den Ständer und kann mich bewegen.«

Apropos Ständer: Jechlinger macht auf ein kleines Problem aufmerksam: Handelsübliche Trompetenständer halten die Instrumente ziemlich nah am Boden, weshalb das AMT-Mikrofon beim Abstellen auf den Boden knallen würde. Jechlinger hat sich da aus Teilen von K&M- und Hercules-Ständern sowie aus dem Baumarkt einen individuellen Ständer gebaut, bei dem die Trompete weiter über dem Boden hängt und das Mikro diesen noch nicht berührt.

Das AMT Quantum 7 Funksystem (Foto: Hersteller)Die Wireless-Lösung ist via Infrarotschnittstelle am Sender und am »Quantum 7«-Empfänger einfach einzurichten. Über eventuell belegte Frequenzen sollte man sich im Vorfeld eines Auftritts natürlich informieren. Felix Jechlinger hatte »bisher noch nie Probleme« und ist mit den Frequenzen 863 bis 865 MHz immer klargekommen, zudem wird das »AMT Quantum 7«-Funksystem auch im Frequenzbereich 823 bis 832 MHz angeboten, in dem bis zu sieben Funksysteme gleichzeitig betrieben werden können.

Bei den kabelgebundenen Mikrofonvarianten ist man dabei natürlich frequenzunabhängig und muss sich nicht mit störenden Funkverbindungen auseinandersetzen. Der zugehörige »AMT BP45 Beltpack«-Vorverstärker kann über Phantomspeisung oder eine 1,5-Volt-Batterie des Typs AA betrieben werden, alternativ wird hier von AMT auch ein Inline-Phantomspeiseadapter für die von den Mikrofonen benötigte Speisespannung angeboten.

Klang

Einbußen beim Klang, die Skeptiker bei der kabellosen Lösung befürchten, kann der Trompeter nicht erkennen. »Bei Auf­nahmen im Studio würde ich vielleicht auf Kabel umsteigen, um die eventuellen Frequenzprobleme oder Aussetzer in der Übertragung von vornherein auszuschließen.« Hier brauche man aber auch keine große Bewegungsfreiheit.

Überhaupt, der Klang: Das Mikrofon ist ein hochwertiges Kondensatormikrofon für die professionelle Abnahme von Trompeten. Es ist optimiert für die extrem hohen Schalldrücke, die vor dem Trichter einer Trompete entstehen können. Daher ist die Kapsel im Vergleich zu anderen AMT-Mikros auch besonders groß.

Das Mikrofonsystem P800 verhindert, dass selbst die lautesten Trompetenspieler übersteuern. »Der Sound kommt natürlich, rund und wohlgeformt rüber«, findet Jechlinger. »Und man kann richtig gut Gas geben!« Natürlich ist Klang immer eine recht subjektive Sache und jeder Musiker wird anders hören und gehört werden. Was das Genre angeht, da ist das Mikrofon »querbeet« einsetzbar, wie der Münchner Trompeter angibt. »Im Orchester selbst wird es wohl weniger zum Einsatz kommen – aber als Solist, warum nicht?«

Ein Problem aber kann der Nutzer des ­Mikros schon bekommen, wie in einem Internetforum deutlich wurde: »Ich muss mich über das AMT-Mikro beschweren: Das macht falsche Töne noch lauter! Aber der Sound ist fantastisch!«

Die Mikrofone von AMT – Applied Microphone Technology gibt es für nahezu alle Blasinstrumente. In einer der kommenden Ausgaben werden wir uns noch mit der Tonabnahme bei der Klarinette beschäftigen.

Technische Daten

  • Richtcharakteristik: Niere
  • Frequenzbereich: 50 Hz bis 18 kHz
  • Grenzschalldruck: 163 dBspl
  • Empfindlichkeit: -65dB / +4 dB
  • Versorgungsspannung: 12 bis 52 vDC
  • Ausgangsimpedanz: 150 Ohm
  • UVP: P800 bzw. P800BM: ab 808,01 Euro (inkl. Quantum 7 Funksystem: ab 1165, 01 Euro)

www.appliedmicrophone.com

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