Am Pult der Zeit - Was uns Dirigenten ausmachen könnte

Seit Anfang Januar bereichert Hermann Pallhuber, Dozent für Blas­­orchesterleitung und Dirigent, die clarino mit einer Praxisserie für Dirigenten. Hierin widmet er sich mit »Hirn, Herz und Hand« den Aspekten für Dirigenten. Der Dritte Teil heißt »Auf in den Kampf, Torero – Wertungsspiel und Wettbewerb – die Arena eines Dirigenten?«.

Machen wir diesmal zu Beginn ausnahmsweise einen Blick ins Lexikon: Unsere großen Musik-Enzyklopädien bestätigen und belegen den Wettbewerbsgedanken in der Musik als ein ganz ursächliches Element unseres musikalischen Daseins. Die MGG (»Die Musik in Geschichte und Gegenwart«) widmet dem Schlagwort »Wettbewerb« immerhin ganze 17 Spalten und führt die heutigen Wettbewerbe der Musik auch auf die sportlichen Wettkämpfe in der Antike zurück. Das Phänomen Wettbewerb sei auch ebenso eine Folge des aufkommenden Virtuosentums in der Musik des 19. Jahrhunderts, wie es eben auch eine Begleiterscheinung des »Liebhabermusi­zierens« in der Musik, also des »Amateurismus« und des »Dilettantismus« im besten Sinne, sei: also eine Art »Divertimento« in der Musik möglicherweise, unterhaltsam wie eine Sportveranstaltung für das voyeuristische Publikum, allerdings folgenreich für die Akteure, die im »Ring« stehen oder das Geschehen am eigenen Leib miterleben. Eine Chance für die Aktiven, um entdeckt zu werden, ihr Talent unter Beweis zu stellen, einen Preis einzuheimsen, oder auch nur um eine Anregung zu erhalten und vielleicht gar einfach nur um mitzumachen. Viele Gründe also, um selbst in die Arena zu steigen, oder auch um doch lieber außerhalb zu bleiben, um seine Knochen zu schützen.

Hand aufs Herz, liebe Kolleginnen und Kollegen Dirigenten: Wer von uns hat sich nicht schon seine Gedanken über die unendliche Geschichte »Wertungsspiele und Konzertwettbewerbe« in der Blasmusik ­gemacht? Egal, ob wir als Teilnehmer am Wettbewerb, als Zuhörer im Publikum oder gerade auch als Mitglieder des obligaten Jurorenteams einen Wettbewerb miterleben konnten und zu Zeitgenossen dieser oft so köstlich organisierten musikalischen Situation werden, jeder von uns hat sich wohl seine persönliche und nach all den Jahren schlüssige Meinung zu diesen exklusiven Events gebildet. Denn sie sind – wie schon die MGG beschreibt – Bestandteil ­einer Amateur-Blasmusikwelt und deshalb auch nicht wegzudenken oder gar abzuschaffen. 

 

  • 20.03.2012
  • Praxis
  • Hermann Pallhuber
  • Ausgabe: 4/2012
  • Seite 22-23

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