Am Pult der Zeit - Tempo giusto. Die maßvolle Kunst.

  • 20.03.2013
  • Praxis
  • Hermann Pallhuber
  • Ausgabe: 4/2013
  • Seite 14-15

Seit über einem Jahr bereichert Hermann Pallhuber, Dozent für Blas­­orchesterleitung und Dirigent, die Clarino mit einer Praxisserie für Dirigenten. Hierin widmet er sich mit »Hirn, Herz und Hand« den ­Aspekten für Dirigenten. In dieser Ausgabe stellt er die span­nende Frage: Können wir richtig Maß nehmen?

Wann haben Sie sich das letzte Mal von einem echten Fachmann in einem Fach­betrieb einen maßgeschneiderten Anzug, ein Ballkleid oder eine andere Festtagsrobe anfertigen lassen. Vor kurzem? Ist’s lange her? Überhaupt noch nie? Ist auch völlig egal. Die Frage ist, was ist der Unterschied zwischen einem Kleidungsstück, das man in einem Einkaufszentrum »von der Stange« kauft, und jenem, das man sich auf den Leib schneidern lässt. Einfach erklärt: Der Schneider nimmt Maß am Körper genau ­jenes Menschen, der sein Kleidungsstück dann auch tragen und vorher kaufen wird. Gern nimmt der persönlich Betreute dafür auch etwas mehr Geld in die Hand, verspricht er sich damit doch längerfristig Freude und vor allem persönliche Be­treuung, nachdem ein Fachmann seinen Wünschen und Vorstellungen gemäß etwas für ihn persönlich geschaffen hat. Beim Kauf »von der Stange« müssen wir schon eher Kompromisse eingehen und uns durchfragen, wo denn etwas wäre, das für uns passt: »Ach, in Ihrer Größe haben wir dies grad nicht mehr da«, heißt es dann nicht selten, und wenn man sich dann nicht das betreffende Wunschstück eine Nummer größer oder kleiner aufschwatzen lässt (weil’s einen laut Berater eh besser in der anderen Größe kleidet), dann geht man/frau mit leeren Händen nach Hause…

 

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