Am Pult der Zeit - Die ewige Frage "Was ist gute Blasorchesterliteratur und woran erkenne ich sie?"

Seit Anfang Januar bereichert Hermann Pallhuber, Dozent für Blas­­orchesterleitung und Dirigent, die Clarino mit einer Praxisserie für Dirigenten. Hierin widmet er sich mit »Hirn, Herz und Hand« den Aspekten für Dirigenten. Im fünften Teil überlegt er, was am Dirigieren lehr- und lernbar ist und was nicht. 

Unlängst konnte ich eine Aufführung des Deutschen Requiems von Johannes Brahms miterleben. Bekanntermaßen ein Meisterwerk unserer Musikgeschichte, unbestritten in seiner Qualität und seinem Gehalt. Ich dachte mir schmunzelnd, ob und wie wohl ein solches Werk in der Blasmusikwelt bestehen würde – vielleicht gar in einer reinen Bläsertranskription. Ob nicht mancher Laie (sowohl Musiker wie Diri­gent) wegen der vielen subtilen, feinsinnigen und komplexen Passagen dieses Werk wohl bestenfalls als zu schwermütig, schlimmstenfalls als »schlecht« abtun ­würde. Wenig Rezeptionserfahrung und der Mangel an tieferem Interesse an Musikstücken sind in unserer Welt oft Todes­urteile für so manches Stück, für das manchen Musikvereinen und Dirigenten die nötige Auseinandersetzung fehlt. Werke werden oft als gut oder schlecht qualifiziert nach völlig außermusikalischen Kriterien. 

Aber beginnen wir der Reihe nach: In der Flut der Werke für Blasorchester, die alljährlich – ja, fast monatlich – auf uns Dirigenten via Verlagskataloge, World Wide Web und E-Mails einströmt, ist die Gefahr groß, die Orientierung zu verlieren, unterzugehen, nicht mehr zu wissen, was wir eigent­lich wollen, und nicht mehr zu erkennen, worin die Unterschiede zwischen den Kompositionen letztlich liegen.

  • 21.06.2012
  • Praxis
  • Hermann Pallhuber
  • Ausgabe: 7-8/2012
  • Seite 18-19

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