Am Pult der Zeit - Die Angst des Tormanns beim Elfmeter

  • 27.10.2014
  • Praxis
  • Hermann Pallhuber
  • Ausgabe: 11/2014
  • Seite 20-21

Seit über zwei Jahren bereichert Hermann Pallhuber, Professor für Blasorchesterleitung und Dirigent an der MH Stuttgart, die Clarino mit einer Praxisserie für Dirigenten. Hierin widmet er sich mit »Hirn, Herz und Hand« den Aspekten für Dirigenten. In dieser Ausgabe geht es um den Mut des Dirigenten, sich der Natur des Werkes anzuvertrauen.

Ein Elfmeter wurde gegeben. Alle Zuschauer liefen hinter das Tor. »Der Tormann überlegt, in welche Ecke der andere schießen wird«, sagte Bloch. »Wenn er den Schützen kennt, weiß er, welche Ecke er sich in der Regel aussucht. Möglicherweise rechnet aber auch der Elfmeterschütze damit, dass der Tormann sich das überlegt. Also überlegt sich der Tormann weiter, dass der Ball heute einmal in die andere Ecke kommt. Wie aber, wenn der Schütze noch immer mit dem Tormann mitdenkt und nun doch in die übliche Ecke schießen will? Und so weiter, und so weiter.« [...]

Der Schütze lief plötzlich an. Der Tormann, der einen grellgelben Pullover anhatte, blieb völlig unbeweglich stehen, und der Elfmeterschütze schoss ihm den Ball in die Hände. 

Es dreht sich um Kommunikation. Die Erzählung von Peter Handke aus dem Jahr 1970 handelt von Herrn Josef Bloch, der früher einmal ein Fußballtormann war. Durch viele Kommunikations- und Interpretationswirrnisse entwickelt sich eine eigen­willige Krankengeschichte über die schizophrene Diskrepanz zwischen dem Innen­leben des Protagonisten Josef Bloch und der von ihm beobachteten Außenwelt.

Weniger auf die Kommunikation zwischen Musikern und ihrem Dirigenten möchte ich mich hier beziehen, sondern auf die Kommunikation mit dem musikalischen Werk.

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