Am Pult der Zeit: "Am Anfang war das Wort", nicht wahr?

  • 22.01.2014
  • Praxis
  • Hermann Pallhuber
  • Ausgabe: 2/2014
  • Seite 18-19

Seit zwei Jahren bereichert Hermann Pall­huber, Professor für Blasorchesterleitung und Dirigent an der MH Stuttgart, die Cla­rino mit einer Praxisserie für Dirigenten. Hierin widmet er sich mit »Hirn, Herz und Hand« den Aspekten für Dirigenten. In dieser und der nächsten Ausgabe nimmt er die Bedeutungen von »Wort« und »Handlung« eines Dirigenten genauer unter die Lupe.

Ein Sakrileg, dies infrage zu stellen, meinen Sie? Den Mythos der Schöpfung, diese berühmte Bibelstelle in Johannes 1,1 etwa ­anzuzweifeln – und das noch dazu in einem Musikmagazin? Sollen wir jetzt plötzlich wieder mehr reden als musizieren? Übel! Nein, sage ich, es ist kein Sakrileg, es ist keineswegs übel! Denn es ist lediglich die ­Bedeutung des Begriffs »Wort« in diesem Zusammenhang infrage zu stellen: Dies bringt uns von den philosophischen Aspekten mitten in unsere Realität, in unser Dasein als Dirigent. Dazu aber später. 

Zuerst eine sachliche Feststellung: Genau genommen lässt sich das Dirigieren bekanntlich nur zum Teil im üblichen Sinn wirklich erlernen. Ebenso wenig wie die Formulierungen und Maßnahmen, die ein Dirigent während seiner Arbeit findet und setzt. Die meisten Interaktionen zwischen den Musikern und ihrem »Coach« laufen unbewusst zwischen den Zeilen und vor ­allem zwischen den Worten in einer Probe oder auch während des Konzerts ab. Es ist Sache der Persönlichkeiten, die aufein­andertreffen, und ihrer Rollenverteilung, ihrer­ Funktionen und Kompetenzen vor dem Hintergrund ihrer persönlichen Sozialisation. Es sind nur zum Teil Elemente ­ihres fachlichen Werdegangs, ihrer technisch-musikalischen Ausbildung, ihres kognitiven Lernens. 

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