Alte Schätze neu entdeckt - (5) Sepp Tanzers "Tirol 1809"

  • 21.06.2012
  • Praxis
  • Joachim Buch
  • Ausgabe: 7-8/2012
  • Seite 12-13

»Tirol 1809« ist das kompositorische Hauptwerk des Österreichers Sepp Tanzer (1907 bis 1983). Kurz nach seiner Entstehung in den fünfziger Jahren galt es für die damaligen Kapellen als zu »modern« und formal ausufernd. Allein schon die Tatsache, dass ein vollständiger Saxofonsatz vorgesehen war, sorgte für kritische Stimmen – zumindest im alpinen bzw. deutschen Sprachraum. Aber auch von anderer Seite ist immer wieder Kritik zu hören. Gerade die »Freaks« der sinfonischen Blasmusik setzten Tanzers Komposition nicht selten mit »Tsching-Bum«-Blasmusik gleich. Eine ähnlich undifferenzierte Denkweise trifft man bei manchen Klassik-Freunden an, wenn über den Finalsatz aus Tschaikowskys 4. Sinfonie wegen dessen effektreicher Tonsprache ähnlich abwertend geurteilt wird.

Apropos Tschaikowsky: Es dürfte klar sein, dass »Tirol 1809« ohne ein Vorbild wie die »1812«-Ouvertüre Tschaikowskys nie entstanden wäre. Ähnlich wie Tschaikowsky die Zarenhymne der französischen Nationalhymne gegenüberstellte, verwendete Tanzer einige Tiroler Volkslieder aus der Zeit Andreas Hofers.

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