alles effekthascherei? - oder: »allwo dort die schönen trompeten blasen«

  • 21.09.2011
  • Sinfonisch
  • Erich Broy
  • Ausgabe: 12/2006
  • Seite 26-27

Effekthascherei ist kein Phänomen des modernen Medienzeitalters. Schon Beethoven, Händel, Berlioz und Co. setzten Effekte ein, um bestimmte Wirkungen zu erzielen. Natürlich war das nicht alles billige Effekthascherei, sondern durchaus durchdacht. Erich Broy macht sich Gedanken darüber, welche Effekte sich die Komponisten versprachen. Welche Instrumente haschen wo nach Effekt?

»Man hört die Trompete auf dem Turme. Pizarro steht betäubt; ebenso Rocco. Leonore hängt an Florestan’s Halse. Man hört die Trompete stärker. Pause.« Stille im Theater, Tränen in den Augen: beim Abonnenten, weils so rührend, beim Rezensenten, weils so ideal ist. Das Trompetensignal. Ernst Bloch schrieb dazu: »Dieses Signal [. . .] kündet buchstäblich nur die Ankunft des Ministers an [. . .], doch als tuba mirum spargens sonum kündet es bei Beethoven eine Ankunft des Messias an. So tönt es in den Kerker herunter, in die Fackeln und Lichter, die den Herrn Gouverneur hinaufbegleiten. In die namen-, namenlose Freude, worin Beethovens Musik keinen Vorhalt mehr setzt, in das ›Heil sei dem Tag, heil sei der Stunde‹, [. . .]. Es war eine große Eingebung Gustav Mahlers, die dritte Leonorenouvertüre zwischen Kerker und dem Schlussakt der Freiheit spielen zu lassen, die Ouvertüre, die in Wirklichkeit eine utopische Erinnerung ist, eine Legende der erfüllten Hoffnung, konzentrisch um das Trompetensignal.«

 

« zurück