Alles andere als ein Facelift! - Yamaha YTR-4335GII

  • 20.04.2012
  • Test
  • Martin Hommer
  • Ausgabe: 5/2012
  • Seite 58-59

Optisch sind sie kaum zu unterscheiden, die beiden Schülermodelle YTR-4335G und YTR-4335GII. Kein Wunder, möchte man meinen, ist die GII-Variante doch eine Weiterentwicklung der bewährten und beliebten Baureihe aus dem Hause Yamaha. Die Modellpflege vollzog sich in den Yamaha-Ateliers vor allem an den inneren WErten, ganz anders als man das aus der Automobilindustrie kennt.

Vielleicht kennen Sie das: Ein neues Automodell wird angepriesen, schaut auch total super und neu aus, aber beim Blick unter die Haube kommt dann die Ernüchterung: Im Grunde ist das Auto unverändert, das Modell hat lediglich ein sogenanntes ­Facelift erhalten, also eine optische Auf­frischung. Zugegeben: Hin und wieder gibts auch ein paar neue Extras, die man für teures Geld mit dazu ordern könnte, sollte man sich für einen Kauf des Autos entscheiden. Bei der vorliegenden Ya­maha-Trompete YTR-4335GII ging man – um das vorwegzunehmen – den Weg genau anders herum. Die »neue« 4335 ist von der »alten« quasi nicht zu unterscheiden. Dafür hat die »neue« innere Werte, die man nicht vermuten würde, die sich aber deutlich auf das Spielverhalten auswirken. Aber der Reihe nach.

Ein Klassiker neu aufgelegt

Das Modell 4335 ist beinahe ein Klassiker auf dem Markt der Schülertrompeten, die auch schon in die Mittelklasse hineinschnuppern. Sie spielt sich gut, ist robust, zuverlässig, bezahlbar – kurz: Sie hat alles, was man als vernünftiges Schülerinstrument benötigt. Wozu dann noch etwas ­ändern, fragt man sich? Die Antwort liegt ebenso auf der Hand wie die Frage selbst: Stillstand ist Rückschritt, und mit den immer weiter voranschreitenden Fertigungstechniken lassen sich auch immer bessere Ergebnisse in der Herstellung erzielen. Der fernöstliche Musikinstrumentenhersteller Yamaha – seit langem für seine sehr gute und zuverlässige Serienproduktion bekannt – macht sich dies zunutze und hat auch seine erfolgreichsten Modelle auf den Prüfstand gestellt – und konsequent weiterentwickelt.

Es gibt gleich einige Neuerungen, mit denen die YTR-4335G verbessert wurde, so dass sie nun als neues Modell YTR-4335GII auf der Musikmesse vorgestellt wurde. Der Schallbecher etwa wurde durch eine optimierte Materialstärke leichter. Dadurch ­änderte sich das Ansprechverhalten des Instru­ments. Und weil das Instrument leichter anspricht, wächst wiederum beim Spieler die Ausdauer. Nach Angaben des Herstellers ist der neue Schallbecher für die Schülertrompeten schon vergleichsweise nah am Schallbecher für die Profimodelle. 

Ebenfalls nah an den Profimodellen sind nun die Züge, die aus mehreren Teilen hergestellt werden. Bei den früheren Schülermodellen wurden die Züge aus einem ein­zigen Rohr gebogen und dann nur noch Ringe aufgelötet, die einerseits der Optik dienten, andererseits aber auch als Stoßring dienten. Bei den aktuellen Modellen werden die Bögen in den Ringen mit den Zugrohren verlötet. Dieses Verfahren bietet den Vorteil, dass die Wandstärke im ­gesamten Zug gleichmäßig ist. Der Zug bekommt mehr Stabilität und ist im Zweifelsfalle auch einfacher zu reparieren.

Neugestaltete Ventile

Die Ventile sind wie schon beim Vorgängermodell aus Monelmaterial hergestellt, was mehr Beständigkeit und einen besseren Klang bewirken soll. 

An den Ventilen ist auch die einzige wirklich sichtbare Veränderung der »neuen« YTR-4335 im Vergleich zum Vorgänger­modell zu beobachten. Denn die Ventil­deckel sowie die Knöpfe wurden etwas massiver gestaltet. Das bewirkt nicht nur, dass Kinderhände sich leichter tun, wenn sie die Ventildeckel zum Ölen ab- und wieder aufschrauben müssen. Auch diese ­kleine Modifikation wirkt sich positiv auf die Klanggestaltung aus.

Im handwerklichen Testlauf werden der neuen YTR-4335GII durchwegs gute bis sehr gute Noten zugesprochen. Material, Verarbeitung, Etui und Ausstattung finden die uneingeschränkte Zustimmung des In­strumenten­bauers. Auch die Lackierung ist tadellos. »Das ist mit eine der besten auf dem Markt«, weiß der Tester. Die Ventile laufen einwandfrei, und die Maschine weist die erforderliche Dichtigkeit auf. »Man muss da schon sehr lange suchen, bis man ein kleines Fehlerchen entdeckt.« 

Im Praxistest kann die YTR-4335GII ebenfalls auf der ganzen Linie überzeugen. Die Trompete spielt sich genauso, wie man es von einem VW Golf sagt: Reinsetzen und daheim sein. Auf die Trompete übertragen also: Ansetzen und daheim sein. Das In­stru­ment spricht sehr gut an, die Intona­tion lässt bis auf wenige Töne keine Wünsche offen. Und diese wenigen Töne finden sich auf beinahe allen Trompeten. 

Der Klang der YTR-4335GII ist klar, trag­fähig in allen Dynamikbereichen und Lagen. Kurzum: Klanglich ist die 4335GII wirklich ziemlich nah an den professionellen Modellen dran. Was fehlt, ist das Volumen und der fette Kern, den ein schwereres Modell im Klang hat. Aber dafür ist die 4335GII ja auch ein Schüler- bzw. Mittel­klassemodell. 

Interessant: Zum Test stand auch das Vorgängermodell, die YTR-4335G zur Ver­fügung. Und der klangliche Unterschied ist frappant. Nicht nur wenn der Könner spielt. Auch Schüler bemerken den Unterschied sofort, auch wenn sie ihn nicht in Worte fassen können: »Die spielt irgendwie anders!« Stimmt. Die »neue« ist kerniger, strahlender und gleichmäßiger im Klang.

Mit dem Etui ist Yamaha ein sehr guter Wurf gelungen. Das kleine Soft-Köfferchen ist sehr praktisch, angenehm zu tr­agen, bestens mit Taschen, Fächern und Tragemöglichkeiten ausgestattet und lässt deshalb kaum Wünsche offen.

Fazit

Die YTR-4335GII ist ein richtig gutes Schüler- bzw. Mittelklassemodell. Die Trompete eignet sich für beinahe alle Einsatzbereiche, die für Schüler (auch fortgeschrittene!) denkbar sind und bietet auch genügend Potenzial, um jugendliche Trompeten­spieler lange Zeit in ihrer Entwicklung zu begleiten.

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