"Alle Systeme sind gut" - Jacques Ibert und die Bläser

Manche nannten ihn einen Neo-Klassizisten, andere einen Spät-Impressionisten, wieder andere beschrieben ihn als das inoffizielle siebente Mitglied der »Groupe de Six«. Der in Paris geborene Jacques Ibert (1890 bis 1962) ist als Komponist nicht so leicht zu verorten.

Gewiss, er war ein Modernist – aber einer, der nie den Spaß an der Sache aus den Augen verlor. Iberts Musik liebt die Eleganz und die Melodie, den Humor, den Charme, den Zauber brillanter Virtuosität. Sie bedient sich bei Ideen der Alten Musik genauso wie beim Varieté. Eine strenge kompositorische Schule, ein verbindliches System – das war nicht Iberts Sache. »Ich hasse das Wort ›System‹«, sagte er sogar, »und vorgefertigte Regeln sind mir egal. Alle Systeme sind gut – sofern du aus ihnen Musik gewinnen kannst.« Sein geistesverwandter Kollege Francis Poulenc meinte einmal: Wir »schreiben tiefgründige Musik, doch dabei durchsetzen [wir] sie mit dieser geistigen Leichtigkeit, ohne die das Leben unerträglich wäre.«

Ibert studierte am Konservatorium in Paris – und arbeitete gleichzeitig als Kino-Pianist und Songschreiber. Gleich nach dem Ersten Weltkrieg, in dem er als Marinesoldat gedient hatte, gewann er den angesehenen »Prix de Rome« (1919), verbunden mit einem Stipendium in der »Ewigen Stadt«. 1937, auf dem Höhepunkt seines Ruhms, ging er noch einmal nach Rom zurück – nun aber als Direktor eben jener Académie Française, die den Rompreis vergibt. Den Akademie-Posten behielt er bis 1960 – nur unterbrochen vom Zweiten Weltkrieg, in dem Italien 1940 Frankreich den Krieg erklärte. Da Ibert als jüdisch galt und auch das Vichy-Regime seine Musik verbot, emigrierte der Komponist vorübergehend in die Schweiz.

  • 28.01.2015
  • Szene
  • Hans-Jürgen Schaal
  • Ausgabe: 2/2015
  • Seite 57-59

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