Alla Turca: Türkische Militärkapellen und die Folgen

  • 29.06.2016
  • Szene
  • Hans-Jürgen Schaal
  • Ausgabe: 7-8/2016
  • Seite 40-42

Jahrhundertelang befanden sich die Europäer im Krieg mit dem Osmanischen Reich – daran erinnert die europäische Marschmusik. Ihre Inspiration war nämlich die türkische Militärkapelle (Mehterhâne) mit ihren starken Bläsern und ihren zahlreichen Perkussions-Instrumenten. Im Jargon der Sinfonieorchester heißen die Perkussionisten übrigens heute noch die »türkische Abteilung«.

Das Osmanische Reich war auf Expansion angelegt. Seitdem es 1453 Konstantinopel erobert und Byzanz ein Ende gesetzt hatte, rissen die kriegerischen Feldzüge der Osmanen Richtung Mitteleuropa nicht mehr ab. Allein die Polen führten im 17. Jahrhundert vier Kriege gegen die Eroberer vom Bosporus.

Wien wurde schon 1529 von den Osmanen belagert, der Erste Österreichische Türkenkrieg dauerte fast 30 Jahre. 1683 zog erneut eine große Osmanische Armee von Bulgarien aus über Belgrad und Ungarn Richtung Wien. Der Kaiser und ein Teil der Wiener Bevölkerung wurden evakuiert, die Stadt erlebte eine militärische Aufrüstung. Zwei Monate lang dauerte diese zweite Belagerung Wiens und konnte am Ende erfolgreich abgewehrt werden. Aber es dauerte bis zum Jahr 1699, ehe ein Friedensschluss den Großen Türkenkrieg beenden sollte. Der Frieden von Karlowitz begründete den Aufschwung Wiens im 18. Jahrhundert – und aus der Türkenangst wurde die Türkenmode.

»Mehterhâne«: Das Haus des Musikers

Keine Frage: Die Kampfkraft des osmanischen Heeres beruhte zu einem Teil auf der Wirkung seiner markanten Armeemusik. Schon 1453, gleich nach der Eroberung Konstantinopels, war in der Nähe des neuen Sultanspalastes ein großes Gebäude nur zur Ausbildung der Militärmusiker errichtet worden. Man nannte es später »Mehterhâne«, Haus des Musikers – so hieß dann allgemein die osmanische Militärkapelle.

Ihr Kernstück ist die häufigste Instrumentenkombination der nahöstlichen Volksmusik: Zurna (Kegeloboe) und Davul (große Zylindertrommel). Allerdings ist dieses Modell in der Mehterhâne ins Monströse übersetzt: Sechs, sieben, neun oder gar 16 Zurnaspieler gehören zum Orchester – und ebenso viele Davul-Trommler. Dazu kommen Trompeten und ein reiches Sortiment an Pauken und Becken.

Insgesamt besteht die Mehterhâne aus mindestens 54 Musikern, meistens aber deutlich mehr. Nach einem Bericht aus dem 17. Jahrhundert gab es allein in den inneren Stadtbezirken von Konstantinopel damals mehr als 1000 ausgebildete Mehterhâne-Musiker.

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