Adolphe Sax prägt - Funktion der Militärorchester in der musikalischen Architektur von Opernpartituren

»Funktion der militärorchester in der musikalischen Architektur von opernpartituren des 19. und 20. Jahrhunderts« lautete ein Vortrag, den der Autor hielt. Im ersten teil (clarino 5/2014) blickten wir auf die »Wiege der Opernkunst«, nach Italien. Schauen wir nun, wie in Frankreich die Bühnen­orchester platziert und welche ­instrumentalen Besetzungen dort vorherrschend sind. 

Auch wenn die Oper »Fra Diavolo« in den italienischen Abruzzen spielt, ist der Komponist Daniel François Esprit Auber (1782  bis 1871) reiner Franzose. Dieses Bühnenwerk wurde 1830 komponiert, wo sich die neuentwickelten Ventile an den Blechblasinstrumenten noch nicht konsequent durchgesetzt hatten. In dieser Oper spielen die Dragoner dramaturgisch eine eigene Rolle; so bot es sich an, eine Dragoner-Musik­ als Bühnenmusik zu installieren. Die Besetzung ist mit elf (neun) Musikern noch sparsam gehalten: 4 Hörner, 4 (2) Trompeten, 3 Posaunen. Als Kavallerie-Musik erscheinen nur Blechblasinstrumente, die mit dem Chor der Dragoner im zweiten Akt hinter der Bühne und im Finale des dritten Aktes auf der Bühne erklingen. 

Eine von den weniger aufgeführten Bühnenwerken von Giacomo Meyerbeer (1791  bis 1864) ist die Oper »Die Hugenotten« (1836). Der historische Hintergrund der Handlung ist die »Bartholomäusnacht« vom 24. August 1572: »Pariser Bluthochzeit« zwischen Margarethe von Valois und Heinrich von Navarra. Ein Ausschnitt aus diesem Bühnenwerk beinhaltet jedoch eine erfreuliche Hochzeit. Im Finale des dritten Aktes ergibt sich ein wunderbares Wechselspiel zwischen einem Bühnenorchester und dem Theaterorchester. Fröhliche Musik erklingt aus einer Gondel, in der eine ganze Hochzeitsgesellschaft auf einem Fluss (Seine) daherkommt. Aus dieser reich geschmückten und beleuchteten Scha­luppe steigt der Hochzeitszug mit Graf von Nevers und seiner Braut Valentine an der Spitze an Land. Das Blas­orchester ist im klassischen Stil der fran­zösischen Militärorchester besetzt: 1 Pikkoloflöte, 2 Oboen, 1 Es- (bzw. F-)Klari­nette, 6 C-Klarinetten (chorisch), 2 Fagotte, 2 (4) Hörner in C, 2 Trompeten in C, 1 Piston in C, 2 Posaunen, 1 Basstuba, Schlagwerk.

  • 16.12.2014
  • Szene
  • Jochen Wehner
  • Ausgabe: 1/2015
  • Seite 50-51

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