70. Geburtstag: Franz Watz im Interview

Franz Watz. Foto: Rundel

»Ideen kann jeder haben. Aber das Handwerk, sie auszuarbeiten, bedarf einer seriösen und fundierten Ausbildung«, sagt Franz Watz. Der 1949 im Banat/Rumänien geborene Musikschaffende weiß, wovon er spricht – hat er dieses Handwerk (und Musik im Allgemeinen) doch ab der 5. Klasse »seriös und peinlichst genau« erlernt.

Auch schon zuvor, bei ihm zu Hause in Neu-Arad, war Musik für ihn allgegenwärtig. Darum kann sich Watz auch nicht daran erinnern, wann er zum ersten Mal wirklich Musikunterricht bekommen hat. »Der hat nicht irgendwann begonnen. Der war immer vorhanden.«

»Ich weiß auch gar nicht«, ergänzt Franz Watz, »wann ich die Griffe für Blechblasinstrumente wirklich erlernt habe. Irgendwann habe ich – schon innerhalb der örtlichen Blaskapelle in Neu-Arad – festgestellt, dass die Griffe von Flügelhorn auf Tenorhorn und Tuba übertragen werden können – das musste man mir nicht beibringen.

Ich habe das durch Interesse, das Zuhören und Zusehen und das Vergleichen von Noten erkannt. So bekam Watz schon lange vor dem schulischen Klarinettenunterricht und dem späteren Studium eine konkrete Vorstellung davon, wie die verschiedenen Blasinstrumente transponieren.

Ungewöhnliche Kombination: Tuba und Klarinette

Nicht die schlechtesten Voraussetzungen also für die folgenden Jahre der Aus- und Weiterbildung. Doch wie kam Franz Watz zur ungewöhnlichen Kombination Klarinette/Tuba? »Klarinette habe ich gelernt, weil man gemeint hat, sie sei nicht so laut wie Trompete«, verrät Watz, »außerdem war der 1. Klarinettist der Philharmonie unser Nachbar.

Mein Studium habe ich später jedoch nicht auf der Klarinette begonnen, weil von den 500 Anwärtern für alle Studienplätze (Musiklehrer an Gymnasien, Mittelschulen, Orchestermusiker und Musikwissenschaft) an drei Musikhochschulen die Hälfte Klarinette gespielt hat. Dafür war ich nicht gut genug.«

Schon während der Musikgymnasiumszeit versuchte sich Watz immer wieder an Blechblasinstrumenten. »Und auf der Tuba hatte ich nie Probleme mit der Geschwindigkeit. Ich hatte einen Anstoß – so schnell wie andere Tubisten mit Doppelzunge. Und dadurch war mein Spiel immer schöner.«

Er bestand die Aufnahmeprüfung in Klausenburg (Cluj-Napoca), Siebenbürgen. Watz studierte Musikpädagogik und -wissenschaft, im Nebenfach Tuba, schloss 1972 mit Staatsexamen ab. In der Folgezeit unterrichtete er am deutschsprachigen Gymnasium, besetzte die Tuba-Stelle an der Philharmonie in Arad, arbeitete als Komponist und Arrangeur für TV und Rundfunk, spielte mit einer kleinen Band private Unterhaltungsauftritte und baute sich ein gut funktionierendes Netzwerk auf. Seine Kontakte kamen ihm und seiner Frau spätestens Mitte der 70er Jahre zugute, als die Ausreisepläne der jungen Familie Watz konkreter wurden.

  • 18.06.2019
  • Szene
  • Christian Mayr
  • Ausgabe: 4/2019
  • Seite 43-47

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