Pirmin Grehl hat den Flöten-Olymp erreicht

Foto: Bart Streefkerk

Der Weg in der Hochschule für Musik in Karlsruhe zu Pirmin Grehl ist denkbar einfach zu finden. Im Seitenflügel von Schloss Gottesaue folgt man einfach dem betörenden Klang seiner »Zauberflöte«. In einem hellen, lichten Raum empfängt der Professor normalerweise seine Studierenden, diesmal hat er eine knappe Stunde für ein Gespräch reserviert.

Der Flötist ist ein sympathisch-zugewandter Typ, geraderaus und keineswegs professoral. Dabei gehört er zu den wenigen, die den Flöten-Olymp erreicht haben. Preisträger etlicher Wettbewerbe, Solo-Flötist in einem Spitzenorchester, Professor in Karlsruhe. Zum Instrument habe er allerdings eher beiläufig gefunden, erzählt Pirmin Grehl dann gut gelaunt.

»Also ich hatte nicht diese leuchtenden Augen, weil man vom Klang sofort so verzaubert ist und weil man das unbedingt sofort lernen möchte! Ich habe zuerst Blockflöte gelernt an der Musikschule, wie man das halt meistens so macht als Kind, und das hat mir sehr viel Freude bereitet. Und an dieser Musikschule hat mich bei irgendeinem Schülervorspiel ein Lehrer angesprochen, ob ich nicht mal die Querflöte probieren möchte. Das hat zwar Spaß gemacht, aber die wirkliche Liebe zum Instrument, die kam eigentlich später.«

Bunter kultureller Input in der Jugend

Pirmin Grehl wurde 1977 in Rodalben in der Südwestpfalz geboren und ist in der alten Domstadt Speyer aufgewachsen. Die ist gut an die Metropolregion Rhein-Neckar mit ihren zweieinhalb Millionen Einwohnern angebunden. Entsprechend groß war dann auch der kulturelle Input für den Talentierten. Pirmin Grehl erhielt sehr guten Instrumentalunterricht und startete als Jugendlicher mit der Querflöte durch. Zudem fand der Neugierige Anschluss an eine famose Band namens »Bunt«.

Der Liedermacher Ulrich Zehfuß aus Speyer hatte eine wilde Mischung musikalischer Überzeugungstäter zusammengestellt, die ihre ganz besondere Art von Folk-Rock mit pfälzischen Texten garnierte. Diese »Barden aus der neuen Pfalz« hatten bis zu ihrer Auflösung im Jahr 2006 einen extrem guten Lauf. Sie spielten viele Konzerte und nahmen mehrere CDs auf.

Pirmin Grehl kam als »Ersatzmann« an Bord, fügte sich aber sofort ein und genoss das freie Spiel der Kräfte abseits der streng getakteten Klassikszene. »Der Kontakt«, erzählt Pirmin Grehl, »ist auch nach all den Jahren nicht abgerissen. Da sind einige Freundschaften erwachsen, die uns auch immer wieder mal ein musikalisches Projekt zünden lassen.«

Wettbewerbe und Siegerpodeste

Nach seinem Abitur strebte Pirmin Grehl dann zu Renate Greiss-Armin an die Hochschule für Musik in Karlsruhe. Da war die Querflöte schon längst sein Medium geworden, seine zweite Stimme, mit der er sich schon sehr gut ausdrücken konnte. Seine Vorgängerin im Amt wurde über Jahre eine wichtige Mentorin und führte den jungen Flötisten zielstrebig auf das Siegerpodest diverser nationaler und internationaler Wettbewerbe.

So gewann Grehl im Jahr 2002 den ersten Preis beim Internationalen Carl-Nielsen-Flötenwettbewerb Odense, 2004 wurde ihm der zweite Preis sowie der Brüder-Busch-Preis des Internationalen Musikwettbewerbs der ARD verliehen. Auch mit seinem Bläserquintett Chantily enterte er das Siegerpodest des Wettbewerbs. Hier war es ein druckfrisches Auftragswerk, das die Jury restlos überzeugte.

Die Flöte in der zeitgenössischen Musik

Für die zeitgenössische Musik hat sich der Flötist seit seinem Studium rückhaltlos eingesetzt. Ohne mit der Wimper zu zucken hebt Grehl die Flöte vom Tisch auf und gibt eine kleine Privatvorstellung moderner Spieltechniken. Furiose Klappengeräusche, verhauchte Klänge über dem Flötenmundstück, Multiphonics samt dazu gesungenen Tönen und rasenden Staccato-Attacken.

»In der Romantik erlebte die Flöte ja so etwas wie einen Einbruch. Aber die Komponistinnen und Komponisten der Moderne haben sie quasi wiederentdeckt und schenken uns ein neues Werk nach dem anderen. Das hält unser Instrument ja auch so jung und stellt natürlich auch hohe Anforderungen an die Studierenden.« Wer sich dem verweigert, das wird durch die Blume unmissverständlich klar, ist in der Klasse Grehl am falschen Ort.

  • 17.01.2020
  • Szene
  • Georg Waßmuth
  • Ausgabe: 12/2019
  • Seite 38-40

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