Zum Tod von David Maslanka

  • 04.09.2017
  • Szene & Leute
  • Joachim Buch
  • Ausgabe: 9/2017

Einen knappen Monat vor seinem 74. Geburtstag ist der amerikanische Komponist David Maslanka in seinem Wohnort Missoula/Montana einer schweren Krankheit erlegen. Nur wenige Wochen nach dem Tod seiner Frau Alison hat er den Kampf gegen den Darmkrebs verloren.

Sie hinterlassen die Kinder Kathryn, Stephen und Matthew. Letztgenannter vertreibt als Inhaber des Verlags Maslanka Press die Werke seines Vaters.

Mehr Komponist als Instrumentalist

Als Nachfahre polnischer Einwanderer wuchs Maslanka an der amerikanischen Ostküste auf. Nach High School und ersten musikalischen Studien (unter anderem am Oberlin College Conservatory in Ohio und auch ein Jahr am Salzburger Mozarteum) wurde ihm bald klar, dass er mehr Komponist als Instrumentalist ist.

"Komponisten werden geboren", sagte er in einem Gespräch mit dem Autor dieser Zeilen. "Man entscheidet sich nicht für diesen Beruf, sondern man entdeckt, dass man einer ist."

Bis Ende der 1990er Jahre hatte er eine Kompositionsprofessur – mit unbefristeter Anstellung! – in New York inne. "Meine Frau und ich fühlten, dass es Zeit war, noch einmal woanders hinzugehen. Außerdem sagte sie zu mir, dass ich an Erschöpfung sterben würde, wenn ich weiterhin Professor und Komponist sein wollte", so Maslanka.

Beide zog es in eine kleine Stadt in den Bergen, nahe der Wildnis. Missoula, mit knapp 60 000 Einwohnern immer noch die zweitgrößte Stadt im sehr dünn besiedelten Staat Montana, wurde zur neuen Heimat.

Inspiration aus der Natur

Maslanka lebte seither ausschließlich von Auftragswerken. "Die Erde hat hier eine große Kraft und eine Stimme, die zu einem wichtigen Element in meiner Musik wurde", sagte der Komponist, der sich die Inspiration zu seinen oft episch breiten Werken – die 9. Sinfonie dauert etwa 75 Minuten – zumeist bei langen Spaziergängen durch die Natur holte.

Maslankas Werke in Europa

Kurz vor der Jahrtausendwende setzte auch eine verstärkte Rezeption von Maslankas Musik in Europa ein, unter anderem durch die Dirigenten Jan Cober und Felix Hauswirth. Cober führte im Rahmen des WMC 1997 "A Child’s Garden of Dreams" mit der Königlichen Harmonie Thorn auf, bis heute Maslankas wohl erfolgreichste Komposition.

Hauswirth präsentierte mit dem Sinfonischen Landesjugendblasorchester Baden-Württemberg 2001 die 4. Sinfonie und lud bei der von ihm mitorganisierten WASBE-Konferenz in Luzern unter anderem ein amerikanisches Universitätsblasorchester ein, das mit der europäischen Erstaufführung von Maslankas Saxofonkonzert für Aufsehen sorgte.

Tiefer, spiritueller Ernst

Maslankas Werke sind von einem tiefen, spirituellen Ernst geprägt. Da bildet ein kleines ironisches, aber viel gespieltes Stück wie "Rollo takes a Walk" eher die Ausnahme. Die Frage, ob man wieder einmal mit solch eher unterhaltenden Stücken rechnen könne, verneinte er, aber er wies im gleichen Atemzug auf zwei populäre kurze Stücke hin: die Fanfare "Mother Earth" und die leicht ironische "Procession of the Academics", geschrieben zur 150-Jahr-Feier der Illinois State University, deren Wind Symphony unter ihrem langjährigen Dirigenten Stephen K. Steele zahlreiche Werke Maslankas aus der Taufe gehoben hat.

David Maslanka war einer der stärksten Sinfoniker unserer Zeit. Nur wenige lebende Komponisten haben es geschafft, sich so regelmäßig und auch erfolgreich dieser musikalischen Form zu bedienen. Dass er die meisten seiner Sinfonien für Blasorchester instrumentiert hat, ist eine besondere Ehre für alle, denen die Mitwirkung in einem sinfonischen Blasorchester viel bedeutet.

Maslankas Musik spricht zu den Zuhörern in einer direkten und kraftvollen Art, mit Mitteln, die von grandios einfach bis technisch komplex reichen. Die Botschaft ist oft spirituell und engagiert. Ich habe seine Werke an den unterschiedlichsten Orten aufgeführt. Stets waren sie diejenigen, die auf stärkste Art mit dem Publikum kommunizierten. Herz und Seele berühren sie genauso stark wie den Intellekt.

Timothy Mahr, Northfield/MN (USA)

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