Zu Besuch bei der Weimann Trompeten Manufaktur

Foto: Trompetenbau WEIMANN

Es gibt Instrumentenhersteller, die große Stückzahlen von Trompeten in beeindruckend gleichbleibend guter Qualität fertigen. Und es gibt kleine, meist familiengeführte Manufakturen, die einen Kontrapunkt dazu setzen, deren Anspruch weniger in Quantität, sondern in Qualität besteht.

Auf meiner persönlichen Suche nach einer neuen sogenannten deutschen B-Trompete führte mich mein Weg ins schöne Weimarer Land, genauer gesagt nach Kapellendorf zu Alexander Weimann. Seine Trompeten sind längst kein Geheimtipp mehr und umso mehr war ich neugierig auf die Instrumente und nicht zuletzt auf die Firma, ihre Arbeitsweisen und ihren Macher.

Trompeten und Flügelhörner verschiedenster Ausführung

Der Sitz des kleinen fünfköpfigen Unternehmens ist ein geschmackvoll restaurierter alter Bauernhof mit wunderbarer Atmosphäre. Nach kurzer Begrüßung betreten wir den Ausstellungsraum. Vor mir liegen etwa ein Dutzend B-Trompeten, ebenso viele C-Trompeten, zwei Es-Trompeten und etwa eine Handvoll Flügelhörner sogenannter deutscher Bauart (Drehventilinstrumente) in verschiedensten Ausführungen.

Nach einer kurzen allgemeinen Einführung beginnt der Test unter Alexander Weimanns Anleitung und mit den Worten: »Ich kenne die Instrumente am besten und lotse Sie. Ich muss ein Gefühl dafür entwickeln, wie Sie spielen, um das beste Instrument für Sie herauszuarbeiten.«

Ich beschränke mich auf die B-Trompeten und schnell wird klar, dass wir auf einer Linie sind: Bei der Auswahl eines neuen Instruments sind die Aspekte Ansprache, Spielgefühl, Intonation, Klang und Haptik unbedingt alle zu erfüllen.

Philosophieren über den Sinn von Klappen am Stimmbogen

Zwischendurch tauschen wir einige Anekdoten aus und räumen beispielsweise mit dem Mythos auf, dass vergoldete Instrumente klanglich immer eher dumpf oder muffig seien, oder philosophieren über den Sinn von Klappen am Stimmbogen.

Dabei zeichnet sich langsam ein Bild vom Macher hinter den Weimann-Trompeten ab. Um zu verstehen, warum jemand etwas tut, wie er es tut, braucht es auch einen Blick in die Geschichte dahinter: 1967 geboren, Ausbildung zum Metallblasinstrumentenmacher in den 80er Jahren bei der Firma Syhre in Leipzig und dort unter anderem beteiligt an der Wiederentdeckung und Weiterentwicklung des Corno da Caccia mit Ludwig Güttler.

Nach der Wende und dem Diplom zum Instrumentenrestaurator fällt der Entschluss, etwas Eigenes aufzubauen: »Die riskanteste und zugleich die beste Entscheidung meines Lebens!« Zu einer schwierigen Zeit habe er sich selbstständig gemacht. Der Anfang war mühsam, aber er habe sich durchgebissen. Die regionalen Vereine und Orchester haben ihn über Wasser gehalten.

Irgendwann kam jemand von der Metropolitan Opera

Dass seine Trompeten inzwischen von zahlreichen Orchestern auf der ganzen Welt so geschätzt sind, hat er auch dem Glück zu verdanken: Irgendwann wurde jemand von der Metropolitan Opera in New York auf ihn aufmerksam und rief ihn an. Also flog er über den Großen Teich. »Das war schwierig für mich. Ich war fürchterlich aufgeregt und wollte das eigentlich gar nicht machen. Aber ich hatte Verantwortung für mein kleines Unternehmen. Und dann habe ich es gemacht! Zum Glück!«

Und dennoch steht nicht der finanzielle Erfolg oder Ruhm an erster Stelle: »Wir können hier alles ausprobieren. Wenn wir etwas für Sie finden, ist das super, aber wissen Sie, ich muss Ihnen nicht um jeden Preis etwas verkaufen! Mir geht es darum, dass Sie Ihre persönliche Weimann-Trompete finden, eine die zu Ihnen passt. Es geht um Leidenschaft, um Freude. Ich möchte dem Musiker etwas geben, das ihn glücklich macht! Denn wenn Sie schon einiges an Geld in die Hand nehmen...«

Mir wird klar: Alexander Weimann lebt das, was er sagt. »Wenn man das Glück hat, seine Leidenschaft zum Beruf zu machen, rückt das Geldverdienen ein wenig in den Hintergrund. Natürlich braucht es Geld, aber es geht um viel mehr.«

»Arbeiten von Hand sind Zeugnisse der Seele!« Dieses Credo trifft auf Alexander Weimann voll zu, das treibt ihn an. Traditionelles Handwerk in Verbindung mit neuesten Entwicklungen, um dem Musiker ein Instrument in Spitzenqualität zur Verfügung zu stellen, sind von größter Bedeutung.

Jeder Arbeitsschritt erfährt die nötige Aufmerksamkeit

Dies bedeutet auch, dass immer nur ein Instrument nach dem anderen gebaut wird – niemals mehrere Instrumente gleichzeitig. So wird jedem Arbeitsschritt die nötige Aufmerksamkeit gegeben. Alles – von den Ventilstöcken abgesehen – wird mit größter Sorgfalt von Hand gemacht. Vor allem dieser Umstand grenzt ihn von der Massenware ab. »Man muss präzise arbeiten wie ein guter Handwerker, aber eben auch denken wie ein Musiker, um zu verstehen, was der Kunde braucht und was er sich vorstellt.«

Hauptsächlich deshalb mag er es gar nicht so gerne, wenn seine Trompeten einfach mal in die Welt hinausgeschickt werden. Es braucht jemanden, der die Instrumente kennt und Anleitung gibt. Sein Sohn Alexander wächst da gerade hinein und fliegt um die ganze Welt, um Weimann-Trompeten zu präsentieren.

»Er kann das inzwischen genauso gut wie ich!« Die riesige Erfahrung und das Gelernte durch die Arbeit mit Trompetern aus der ganzen Welt haben dafür gesorgt, dass es ein beträchtliches Repertoire an Möglichkeiten gibt, um dem Musiker ein Instrument »in die Hand zu geben, mit dem er seine Klangvorstellung in idealer Weise verwirklichen kann«. Quasi ein instrumentaler Maßanzug.

Dazulernen, sich weiterentwickeln – das ist ihm sehr wichtig. Von jeder Zusammenarbeit kann man profitieren. Und auch ich habe etwas gelernt an diesem Morgen: über Weimann-Trompeten, über den Instrumentenbau – und sogar über mich selbst! Und wenn Sie sich jetzt fragen, ob ich denn »meine« Weimann-Trompete gefunden habe... Wer weiß?

Interview: Alexander Weimann im Gespräch

Herr Weimann, Sie kommen eigentlich vom Waldhorn. Woher kommt die Leidenschaft für die Drehventiltrompete, die deutsche Trompete?

Ganz pragmatisch: Die meisten meiner Kunden sind Trompeter und so kam irgendwann einer und sagte: »Mensch, bau mir doch mal eine Trompete!« Das ist der einzige Grund. Aber das ist jetzt auch meine große Liebe geworden.

Gab es zu Beginn Ihrer Unternehmung Trompeter, die Sie unterstützt haben, die Sie zurate gezogen haben, bzw. aktiv mit Ihnen zusammen die Trompeten entwickelt haben?

Ja, die gibt es immer! Damals ist es so gewesen, und das hat sich auch gehalten: Ich lege viel Wert auf die Trompeter hier vor Ort, insbesondere die Trompeter der Philharmonie hier in Jena. Das sind jetzt zwar keine Professoren oder Musiker, die in der ganzen Welt bekannt sind, aber das spielt keine Rolle. Die sind mit mir gemeinsam – und für die habe ich das auch gemacht – die ersten Schritte gegangen.

Ich kenne die sehr genau. Ich weiß zum Beispiel, was dem Solotrompeter Steffen Naumann gefällt, das gefällt vielen anderen auch. Letztens noch habe ich etwas Neues gemacht, da habe ich ihn angerufen: »Komm doch mal her, ich brauche dringend deinen Rat!« Und das war am Samstagabend um neun. Inzwischen gehen wir auch auf spezielle Wünsche und Anfragen von Trompetern, beispielsweise aus Chicago, ein. Das hilft uns natürlich auch, uns weiterzuentwickeln. Das Regionale hat aber Bestand und ist mir wichtig.

Wie kommt es, dass es sechs verschiedene Grundmodelle bei den B- und C-Trompeten gibt und fünf bei den Flügelhörnern?

Es hat mit einem Modell begonnen. Aber es kommen ja immer wieder Sachen hinzu. Dem einen gefällt es super und dann kommt ein anderer und möchte wieder was anderes. Also entsteht ein zweites Modell, man erarbeitet das. Und schließlich ist es nur eine Frage der Zeit, dass ein Dritter kommt und sagt: »Modell eins und zwei sind super, aber ich hätte gerne Modell 1,5.« So entstehen neue Modelle.

Und bei dem neuesten Aero-Modell hat es ungefähr sieben Jahre gedauert. Musiker kommen zu mir und sagen: »Ich hätte gerne etwas ganz Offenes, aber ich möchte ein tolles Zentrum haben, ohne dass ich eingeengt werde. Ich möchte aber gleichzeitig auch einen dunklen, warmen klassischen Sound haben und trotzdem Brillanz und einen obertonreichen Klang!« Das sind manchmal eigentlich Widersprüche in sich. Ich muss dann erst einmal verstehen, was die Musiker meinen. Das dann umzusetzen, dauert lange. So entstehen neue Modelle – auch, weil es eine neue Zielvorgabe gibt, die mit Musikern erarbeitet wird.

Weimann-Trompeten werden auf der ganzen Welt geschätzt und gespielt. Wo liegt Ihr Erfolgsgeheimnis?

Ich arbeite daran, wirklich jedem Musiker einen Maßanzug zu »schneidern«. Und zwar nicht nur für die hochkarätigen Musiker auf der ganzen Welt, sondern für jeden!

Der Musiker aus dem Blasorchester oder dem Posaunenchor wird genauso bedient, der wird genauso ernst genommen. Ich möchte etwas anfertigen, das dem Bläser entgegenkommt, was seiner Vorstellung, seinem Klang und seinem Spielgefühl entspricht. Und da entwickle ich mich natürlich auch weiter, je mehr ich den Leuten zuhöre.

Werden Sie in Zukunft Ihre Produktpalette noch erweitern? Beispielsweise um eine Piccolo oder ein Corno da Caccia?

Eine Piccolo ist in Planung. Es warten so viele schon darauf. Eigentlich will ich in den nächsten Wochen den ersten Prototypen fertig haben, das heißt aber noch nicht, dass er wirklich alltagstauglich ist.

Von da an muss man dann ausgehen und schauen, wie es geworden ist. Man muss es testen lassen, eine Testphase durchlaufen und sehen, an welchen Stellschrauben ich dann noch drehen kann. Ansonsten möchte ich die Palette nicht unbedingt vergrößern. Ich möchte nicht in die Breite gehen, sondern lieber in die Tiefe. Es gibt inzwischen schon Ideen für eine komplett neue B-Trompete. Auch die Es-Trompete wird überarbeitet, dank der vielen Rückmeldungen. So soll das Bestehende immer wieder verbessert werden.

Vielen Dank für das Gespräch!

  • 21.06.2019
  • Test
  • Daniel Ackermann
  • Ausgabe: 4/2019
  • Seite 61-63

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