Worischek Metallblasinstrumente: Von weichen Bögen und patentierten Ventilen

Im oberbayerischen Sachsenkam (bei Bad Tölz) werden Blechblasinstrumente noch vollständig von Hand gefertigt: vom Schallstück über die Ventile bis hin zum fertigen Instrument. Mit seiner eigenen Werkstatt hat sich Robert Worischek vor 25 Jahren einen Traum erfüllt. Sein Angebot reicht mittlerweile von der Trompete bis zum Bariton.

Eigentlich wollte Robert Worischek Schreiner werden. Da er in seinem Wunsch-Beruf allerdings keinen Ausbildungsplatz fand, trat er bei der Firma "Meinl und Lauber" (heute "Ewald Meinl Musikinstrumentenbau") eine Lehre zum Schallstückmacher an – eine sehr lernintensive Arbeit: "Man braucht etwa zehn Jahre, bis man sämtliche Schallstücke anfertigen kann. Kleinere Firmen machen das heute gar nicht mehr selber", erklärt Worischek.

Vom Schallstückmacher zum Instrumentenbauer

Nach seiner Ausbildung blieb er noch etwa zehn Jahre in der Firma. Vor allem an seinen damaligen Ausbilder Josef Degelmann erinnert er sich gerne zurück. Von ihm habe er auch das schönste Kompliment am Ende seiner Ausbildung bekommen: "Robert, ich kann dir nichts mehr beibringen, ich kann nur noch von dir lernen."

Worischek hegte aber schon immer den Wunsch, sich selbstständig zu machen: "Mein Traum war eigentlich immer eine eigene Werkstatt, wo ich meine Ideen verwirklichen kann." 1991 war es dann soweit: Worischek mietete sich gemeinsam mit einem Ventilbauer in Geretsried eine Halle und arbeitete als selbstständiger Schallstückmacher. Fünf Jahre später trennten sich die Wege der beiden, und weil Worischek die Hallenmiete allein zu teuer war, baute er in Sachsenkam schließlich neu.

Auch hier konzentrierte er sich zunächst auf den Bau von Schallstücken, unter anderem auch für Firmen wie Schagerl. Bis zu sechs Mitarbeiter hatte er damals. Und auch komplette Instrumente baute er damals schon nebenbei – "aber das war mehr Hobby als Verdienst". Weil irgendwann ein großer Kunde wegfiel, musste Worischek schließlich zwei seiner Mitarbeiter entlassen. "Das hat mir so weh getan, dass ich mir gesagt habe: Ich will nicht mehr nur Zulieferer sein! Wir machen jetzt fertige Instrumente und gehen an den Endverbraucher. Ich möchte von niemandem mehr abhängig sein."

Das Besondere an Worischek-Instrumenten

Das Worischek-Ventil lässt sich ohne Werkzeug auseinandernehmen. (Foto: Härtl)In zwei Punkten unterscheiden sich Worischek-Instrumente von anderen: beim Ventil und bei den Bögen. Ein Musiker fragte Worischek einmal, warum es eigentlich kein Drehventil gibt, das man zum Reinigen selbst auseinandernehmen kann. Diese Frage ließ Worischek nicht mehr los: "Drei Wochen später nachts um drei hat es dann klick gemacht", erzählt er lachend. Und etwa eineinhalb Jahre später war das Worischek-Ventil schließlich serienreif – ein Ventil, das der Musiker selbst ohne Werkzeug zerlegen kann. 2003 hat Worischek das Ventil als Patent angemeldet.

Die Instrumente aus dem Hause Worischek heben sich außerdem durch ihre Bögen von anderen Instrumenten ab. Worischek erklärt: "Trompeten oder Flügelhörner haben normalerweise einen recht scharfen Bogen. Wir machen sie aber ganz weich und fließend – wie ein Flusslauf." Der Luftstrom kann so besser fließen, wodurch sich wiederum die Ansprache verbessere. Außerdem werde der Klang so weicher, was vor allem beim tiefen Blech gefragt ist.

Da alle Instrumente von Hand angefertigt werden, handelt es sich im Grunde immer um Unikate. Es gibt zwar Standardinstrumente, diese werden aber in der Regel an die individuellen Bedürfnisse des Kunden angepasst. Produziert wird hauptsächlich auf Anfrage. "Wir versuchen aber, von jedem Instrument immer eins auf Lager zu haben, sodass interessierte Kunden diese jederzeit ausprobieren können."

Bis der Kunde sein eigenes Instrument dann aber schließlich in den Händen hält, dauert es natürlich noch einige Zeit: Für ein Flügelhorn beträgt die Wartezeit etwa sechs bis acht Wochen, für ein Bellfront-Bariton etwa ein Jahr. Insgesamt verkauft Worischek jährlich etwa 120 Instrumente. 80 Prozent davon gehen nach Österreich, aber auch der deutsche Markt wächst zunehmend. Gut ein Viertel der verkauften Instrumente sind Baritone. "Mit 30 bis 40 Baritonen pro Jahr sind wir Marktführer", so Worischek.

Mit Optimismus und Erfindergeist in die Zukunft

Robert Worischek (2. von links) und seine vier Mitarbeiter. (Foto: Härtl)Worischek ist auch nach 25 Jahren noch Feuer und Flamme für seinen Beruf. Die Ideen scheinen ihm so schnell nicht auszugehen: In Kürze will er seine neue Trompetenserie vorstellen, die er gemeinsam mit Joachim Keller und Hans-Peter Maaßen von der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz entwickelt hat. Für nächstes Jahr plant er außerdem eine eigene Mundstückserie.

Auch heute noch ist Worischeks Firma ein Ausbildungsbetrieb, in dem man alle drei Bereiche – also Ventilbau, Schallstückbau und Instrumentenbau – lernen kann. Insgesamt neun Lehrlinge hat er mittlerweile ausgebildet. Vier davon haben sich selbstständig gemacht. Dennoch will Worischek nichts von seinen Erfahrungen aus Angst vor Konkurrenz für sich behalten. Neue Ideen werden immer mit der ganzen Belegschaft besprochen. Das halte er ganz wie der Dalai Lama, verrät er schmunzelnd: "Teile dein Wissen mit anderen. Dies ist eine gute Möglichkeit, Unsterblichkeit zu erlangen."

www.worischek.de

  • 09.12.2016
  • Szene & Leute
  • Cornelia Härtl

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