Tine Thing Helseth hat das letzte Wort

  • 24.11.2011
  • Das letzte Wort

Die clarino.print-Serie »Sie haben das letzte Wort« ist zwar in Interview-Form gehalten, sie soll aber einmal andere Fragen beinhalten, als man sie aus »normalen« Interviews kennt. Durch ungewöhnliche und nicht alltägliche Fragen will die Redaktion Neues vom Künstler erfahren. Die Fragen beginnen immer gleich. Wir sind gespannt auf nicht immer gleiche Antworten. In dieser Ausgabe von »Sie haben das letzte Wort« fragen wir die Trompeterin Tine Thing Helseth.

Wann war das letzte Mal, dass Sie sich gewünscht hätten, einen »ordentlichen Beruf« gewählt zu haben?

Noch nie habe ich daran gedacht. Das Trompetespielen ist für mich völlig »normal«. Das ist das, was ich schon mein ganzes Leben mache – und nichts fühlt sich für mich natürlicher an...

Wann war das letzte Mal, dass Sie sich Gedanken über den Mentalitäts-Unterschied zwischen Deutschen und Norwegern gemacht haben?

Ich glaube, wir sind gar nicht so arg verschieden... Ich liebe es, in Deutschland zu sein, und ich denke, das hat auch viel mit der Mentalität der Leute zu tun.

Wann war das letzte Mal, dass Sie mit einem Dirigenten diskutiert haben?

Positive Diskussionen sind immer gut, und es ist wichtig, ­Impulse zu bekommen und mit unterschiedlichen Dirigenten und Orchestern zu kommunizieren. Ein Stück wird mit anderen Musikern immer anders klingen – und das ist genau das, was ich so liebe! Wirklich gestritten habe ich ich erst ein einziges Mal mit einem Dirigenten  – aber im Konzert war dann alles wieder gut...

Wann war das letzte Mal, dass Sie in der U-Bahn laut am Telefon gestritten haben?

Vor einem Monat etwa. Mit einem sehr nervigen und aggressiven Verkäufer...

Wann war das letzte Mal, dass Sie geweint haben?

Letzte Nacht. Ich bin ein sehr emotionaler Typ und weine leicht. Ich habe ein sehr trauriges Buch gelesen gestern abend.

Wann war das letzte Mal, dass Sie etwas Verbotenes getan haben?

Ich bin heute morgen bei Rot über die Ampel gelaufen. Ich hätte sonst meinen Zug nicht bekommen.

Wann war das letzte Mal, dass Sie eine Nacht durchgefeiert haben?

Das habe ich noch nie getan. Ich vermute, das macht mich recht langweilig...

Wann war das letzte Mal, dass Sie mit jemandem diskutiert haben wegen der Behauptung, Trompete sei ein »männliches« Instrument?

Ich werde niemals mit jemandem diskutieren, der das behauptet – weil es an vielen Stellen einfach so ist. Aber wenn ­jemand meint, für Mädchen ­seien Blechblasinstrumente schwerer zu spielen als für Jungen, dann lass ich das nicht ­unwidersprochen.

Wann war das letzte Mal, dass Sie an Edvard Grieg gedacht haben?

Ich habe erst kürzlich ein Werk von ihm gespielt. Er ist wirklich einer meiner Lieblingskomponisten.

Wann war das letzte Mal, dass Sie bei einem a-ha-Konzert waren?

War ich noch nie... Aber ich  habe Sänger Morten Harket eini­ge Male getroffen. Ein super Typ.

Wann war das letzte Mal, dass Sie sich selbst gegoogelt haben?

Natürlich werde ich das nicht zugeben, aber die meisten Künstler tun das von Zeit zu Zeit...

Wann war das letzte Mal, dass Sie im Munch-Museum in Oslo waren?

Vor zwei Wochen. Da ist ge­rade eine großartige Ausstellung!

Wann war das letzte Mal, dass Sie Frühstück im Bett hatten?

An meinem Geburtstag letztes Jahr. Meine kleine Schwester hat mir einen wunderbaren Kuchen mit Äpfeln und Sahne gebacken.

Infos: www.tinethinghelseth.com


Die Trompeterin Tine Thing Helseth

ist nicht die kühle Blonde aus dem Norden, für die man sie zunächst halten könnte. Denn wenn sie ihr Instrument an die Lippen setzt und zu spielen beginnt, dann entsteht sofort eine faszinierende Aura aus Emotionen, Poesie und Virtuosität. Mit »Storyteller« legt die 23-Jährige nun ihr erstes EMI-Classics-Album vor: ein ebenso originelles wie eindringliches Debüt der Künstlerin, die als aufstrebende Top-Musikerin ihres Heimatlandes gefeiert wird.

Bereits mit sieben Jahren begann die 1987 in Oslo geborene Tine Thing Helseth das Trompetenspiel, und der ganzen Welt präsentierte sie sich erstmals, als sie das Konzert zur Friedensnobelpreis-Verleihung 2007 eröffnen durfte. Mit »Storyteller« begibt sich die vielseitige Künstlerin auf poetisches Terrain: Sie spielt orchester- und klavierbegleitete Instrumentalversionen romantischer Lieder und Arien ihres Landsmanns Edvard Grieg und ­seiner Zeitgenossen Sibelius, Strauss, Mahler, Korngold, Canteloube, Dvorák und Weill.

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