Timor Oliver Chadik hat das letzte Wort

  • 26.09.2017
  • Das letzte Wort
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 9/2017
  • Seite 80-81

Als Leiter der Big Band der Bundeswehr steht Timor Oliver Chadik mittlerweile hauptsächlich vor dem Orchester. Warum das auch gut so ist und warum die 1 bei einem studierten Dirigenten auch oben sein darf verriet er uns im Interview...

Wann war das letzte Mal, dass Sie sich gewünscht hätten, lieber die Posaune in einem Orchester zu spielen, als davor zu stehen?

Das ist zum Glück schon sehr lange her. Außerdem könnte ich meinen Kollegen an der Posaune und dem Kollegen vorne mit dem Stock nicht zumuten, das Ganze dann auch noch ertragen und ausbaden zu müssen.

Wann war das letzte Mal, dass Sie "so richtig" Urlaub gemacht haben?

Tatsächlich war das im Juli und August so. Ein paar Tage Wandern in den Bergen und dann zwei Wochen auf einer Nordseeinsel. Ich muss aber schon gestehen, dass mir "so richtig Urlaub machen" durchaus schwer fällt. Mal wirklich gar nichts zu machen, muss ich mir auch bewusst vornehmen. Geht aber den meisten Musikern so, denke ich.

Wann war das letzte Mal, dass Sie etwas Verbotenes getan haben?

Wenn ich diese Frage jetzt beantworte, müsste ich mir vielleicht bald einen neuen Job suchen. (lacht) Aber da gibt es schon ein paar nette Dinge in der Vergangenheit. Nichts Schlimmes natürlich.

Wann war das letzte Mal, dass Sie jemanden um ein Autogramm gebeten haben?

Das war im Februar 2016 beim Ball des Sports in Wiesbaden. Da hatten wir mit der Big Band der Bundeswehr gemeinsam den Mitternachtsact mit Adel Tawil. Im Vorfeld hatte mich jemand gebeten, ein Autogramm von Adel mitzubringen.

Wann war das letzte Mal, dass Sie ein Held aus einer antiken Sage sein wollten? Und welcher war das?

Ich habe lange über die Frage nachgedacht. Superman und Batman kommen nicht aus der Antike, oder?

Wann war das letzte Mal, dass Sie einen Rat von Prof. Dr. Hermann Dechant oder Prof. Peter Falk beherzigt haben?

Im Grunde ständig bei den Proben und Konzerten. Ihrer beider Credo war immer, dass man als Dirigent nie nachlassen darf im Erreichen des bestmöglichen Ergebnisses, in der Probe stets vorbereitet ist und dem Orchester immer sein Bestes anbieten und geben soll. Nur das haben die Musiker von uns Dirigenten verdient. Okay, und dass die 1 bei einem studierten Dirigenten auch oben sein darf.

Wann war das letzte Mal, dass Sie Karaoke gesungen haben?

Mal kurz überlegen. Ich denke, das war in einer Bar in Koblenz vor etlichen Jahren. Aber komischerweise kann ich mich nicht mehr genau daran erinnern...

Wann war das letzte Mal, dass Sie gerne eine Zeitreise in die »Roaring Twenties« gemacht hätten, in die Zeit, als die Bigbands in den USA entstanden?

Diese Neugier, wie die großen Meister des Jazz oder die großen Komponisten der Klassik ihre eigene Musik interpretiert haben, ist bei mir immer da. Letzten Endes stellt sich diese Frage ja immer, wenn man auf der Suche nach einer Interpretation ist, die ganz im Sinne des Komponisten sein sollte.

Im Bereich des Jazz haben wir ja das Glück, dass es sehr gute Aufnahmen von allen tollen großen Bands dieser Zeit gibt. Das ist schon ein sehr großer Vorteil im Vergleich zu den Klassikern. Wie gerne würde ich mal Mozart oder Bach selber spielen hören.

Wann war das letzte Mal, dass Sie ein Bœuf bourguignon hatten?

Das war im März diesen Jahres. Auf der Suche nach einem geeigneten Rezept für das eigene Kochbuch der Big Band der Bundeswehr, das bald erscheint, wollte ich ein paar Dinge vorher mal ausprobieren. Daher durfte meine Familie öfter mal als Essenstester herhalten. Vielen Dank dafür und ich mache es auch bestimmt bald wieder gut.

Wann war das letzte Mal, dass Sie den Bundespräsidenten getroffen haben?

Das war beim Ball des Sports in Wiesbaden und beim Sommerfest des Bundespräsidenten in Berlin im vergangenen Jahr.

Wann war das letzte Mal, dass Sie in Bangkok waren?

Das ist leider schon sehr lange her. Ich war im Alter von 13 Jahren einmal in Thailand, habe mir aber fest vorgenommen, das Land noch einmal zu bereisen und dann das Ganze sicherlich viel bewusster aufzunehmen.

Wann war das letzte Mal, dass Sie eine Oper besucht haben und gedacht haben: "Das kann ich aber besser!"?

Ich gehe nicht mehr so oft in Konzerte. Leider, muss man sagen. Aber wenn, dann sind es schon sehr gute Aufführungen und Häuser. Ich kann mich zum Beispiel an den "Rosenkavalier" an der Staatsoper unter den Linden und an der Oper Leipzig erinnern, wo ich danach eher dachte: "Das war mal wieder ein echter Genuss."

Wann war das letzte Mal, dass Sie gegen oder für etwas demonstriert haben?

Demonstriert in der allgemein verwendeten Bedeutung im Sinne von "auf die Straße gehen" habe ich noch nicht. Ich finde es aber ebenso wichtig, in den kleinen Dingen des Alltags seine Meinung zu vertreten und in einen kommunikativen und offenen Austausch mit anderen zu gelangen.

Wann war das letzte Mal, dass Sie die Musik für die Fotografie drangeben wollten?

Kein einziges Mal. Die Musik ist wie ein Lebenselixier, ein unglaublicher Energiegeber und ein großes Geschenk, mit dem man anderen Menschen eine Freude bereiten kann. Durch die Fotografie als tolle Ergänzung zur Musik habe ich jedoch gelernt, Dinge auch auf eine andere Art und aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten.

Wenn man in der Fotografie nur durch ein paar wenige Schritte seinen Standort ändert, verändert sich oft ein gesamtes Foto und dessen Aussage. Das finde ich unglaublich spannend und lehrt mich jedes Mal, Dinge nicht als gegeben hinzunehmen, sondern bewusst immer wieder neue Lesarten und Blickwinkel zu suchen.

Über Timor Oliver Chadik

Timor Oliver Chadik wurde 1976 geboren. Er studierte bei Prof. Dr. Hermann Dechant und Prof. Peter Falk an der Musikhochschule Würzburg. Nach seinem Studium war er zunächst an der Oper Dortmund engagiert, 2004 wechselte er als 1. Kapellmeister ans Staatstheater Darmstadt. 2006 trat er in die Bundeswehr ein und wurde stellvertretender Chef beim Luftwaffenmusikkorps 3 Münster.

2010 war er im Rahmen eines ISAF-Auslandseinsatzes Leiter eines Mentoren-Teams zur Ausbildung afghanischer Musiker in Kabul. Von 2012 bis 2015 leitete er das Luftwaffenmusikkorps in Münster.

Im Januar 2015 hat Chadik die Big Band der Bundeswehr übernommen. Timor Oliver Chadik ist Preisträger beim Internationalen Dirigentenwettbewerb des WMC in Kerkrade und Stipendiat der Richard-Wagner-Stiftung.

Ihn verbindet eine enge Zusammenarbeit mit der Deutschen Bläserphilharmonie, der Bläserphilharmonie Süd-West und der Bläserphilharmonie Ostwestfalen-Lippe. Er ist regelmäßiger Gastdirigent bei der Sächsischen Bläserphilharmonie, musikalischer Leiter des Orchestervereins Hilgen und ständiger Dirigent der Jungen Bläserphilharmonie NRW.

www.timor-chadik.de

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