Thomas Siffling hat das letzte Wort

Die CLARINO-Serie "Sie haben das letzte Wort" ist zwar in Interview-Form gehalten, sie soll aber einmal andere Fragen beinhalten, als man sie aus "normalen" Interviews kennt. Durch ungewöhnliche und nicht alltägliche Fragen will die Redaktion Neues vom Künstler erfahren. Die Fragen beginnen immer gleich. Wir sind gespannt auf nicht immer gleiche Antworten…

Wann war das letzte Mal, dass Sie sich gewünscht haben, einen "ordentlichen Beruf" erlernt zu haben?

Noch nie. Denn erstens habe ich ja einen "ordentlichen" Beruf und zweitens den für mich schönsten Beruf überhaupt. Die Möglichkeit, mit meiner Musik Menschen zu begeistern, beglücken und emotional zu berühren, ist ein großes Geschenk, für das ich sehr dankbar bin. Und mein Alltag als Musiker, Produzent, Kurator und Familienvater ist durchaus mit der Taktung eines Topmanagers zu vergleichen. Ein gutes Zeitmanagement ist da durchaus von Vorteil (lacht) und absolut nötig. Insofern habe ich den schönsten "ordentlichen" Beruf, den ich mir vorstellen kann.

Wann war das letzte Mal, dass Sie aufgrund Ihrer zahlreichen Aktivitäten den Überblick verloren haben?

Ich würde nicht sagen, den Überblick verloren – aber ab und zu verliert man bei zu vielen Projekten und Dingen den Fokus auf das Wesentliche. So habe ich lernen müssen, mir aus dem alltäglichen Business Freiräume zu schaffen, in denen ich wieder kreativ sein kann und will. Ich übe jeden Tag, nachdem ich meinen Sohn in die Schule gebracht habe, Trompete. Das muss ich morgens schon erledigt haben, bevor ich auch geistig in einen anderen Modus im Büro umschalte.

Wann war das letzte Mal, dass Sie sich gewünscht hätten, in einem Spielfilm mitzuspielen? Welcher war das?

Da ich großer Quentin-Tarantino-Fan bin, würde ich da schon mal gerne in einem seiner Filme mitspielen. Als bekennender 70er-Jahre- und Auto-Fan wäre da natürlich "Death Proof" eine schöne Möglichkeit.

Wann war das letzte Mal, dass Sie gefragt worden sind, was SAP herstellt?

Auch das noch nie. Die meisten Menschen wissen mittlerweile, dass die SAP eine Software-Firma ist. Aber wenn ich ehrlich bin, weiß ich auch nicht so genau, was die vielen SAPler so machen. (lacht) Aber ich bin ja auch nicht richtig involviert und "nur" für die Bigband zuständig.

Wann war das letzte Mal, dass Sie in einem Blasorchester mitgespielt haben?

Das war während meines Studiums. Aufgrund meiner Ausbildung im Musikverein höre ich immer noch gerne den Sound eines guten Blasorchesters. Einer meiner Wünsche ist es, meine Musik mit Blasorchester orchestriert zu bekommen. Das wäre sicherlich eine tolle Erfahrung.

Wann war das letzte Mal, dass Sie so richtig sauer waren?

Oh, das passiert leider doch häufiger. Ich bin ein sehr emotionaler Mensch und reagiere doch oft sehr impulsiv, beruhige mich aber auch immer schnell wieder.

Wann war das letzte Mal, dass Sie in Ihrer Geburtsstadt Karlsruhe waren?

Vor einer Woche, als ich im Rahmen der großartigen Karlsruher Schlosslichtspiele eine All Star Bigband präsentieren durfte. Durch meine Tätigkeit als Kurator der JAZZ NIGHTS im Badischen Staatstheater bin ich auch wieder öfters in meiner Geburtsstadt, was mich sehr glücklich macht.

Wann war das letzte Mal, dass Sie ein Restaurant verlassen haben, weil die Musik so schlecht war?

Generell genieße ich es, im Restaurant nur leise Musik als Begleitung des Abends wahrzunehmen. Wenn die Musik zu laut ist, gehe ich entweder gar nicht erst rein oder frage, ob man die Musik auch etwas leiser machen kann. Ich möchte ja nicht den ganzen Abend schreien müssen.

Wann war das letzte Mal, dass Sie wünschten, in einer anderen Zeit/Epoche geboren worden zu sein?

Ich bin sehr glücklich, in der Zeit zu leben, in der ich lebe. Wir haben das große Glück, im Frieden und in einer noch weltoffenen Gesellschaft zu leben. Ich hoffe, das bleibt noch lange so. Manchmal habe ich das Gefühl, die Leute wissen gar nicht, wie gut es uns hier geht und wie dankbar wir dafür sein sollten.

Wann war das letzte Mal, dass Sie sich an einen Tipp von Claus Stötter erinnert haben?

Das passiert immer mal wieder, wenn man im Probenraum neue und alte Sachen ausprobiert, neu einstudiert und sich Sachen wieder erarbeitet. Ich habe viel von ihm gelernt und bin immer noch ein großer Bewunderer seines Spiels.

Wann war das letzte Mal, dass Sie Ihre Auszeichnungen poliert haben?

Auch noch nie. Ich weiß gar nicht, wo meine musikalischen Auszeichnungen sind. Und die Pokale, die ich als Jugendlicher beim Tennis gewonnen habe, verstauben so langsam bei meiner Mama in meinem ehemaligen Kinderzimmer.

Wann war das letzte Mal, dass Sie ein Konzeptalbum geplant haben?

Ich bin gerade mitten dabei, mein neues Album zu produzieren. Wir haben es im Frühsommer mit meiner neuen Band im Studio aufgenommen und sind gerade mit der Mischung beschäftigt. Nach zwölf Jahren im Trio ist es für mich eine neue tolle Herausforderung, im Quintett zu spielen. Mit Gitarre bzw. Sounddesign und Piano/Fender/Keys ist jetzt plötzlich viel Fläche da, auf die ich mich "nur" noch draufsetzen muss. Konzeptionell wird es elektronischer Jazz, der sowohl eine Jazz-Kredibilität als auch den klaren Anspruch einer Massen-Kompatibilität hat. Es ist sicherlich mehr eine Festival- als eine Club-Band, macht mir riesig Spaß und ich freue mich auf den Album-Release 2017.

Über Thomas Siffling

Der Trompeter Thomas Siffling ist bekannt für den progressiven Einsatz elektronischer Erweiterungen im Jazz. Seit Jahren gehört er zu den Vorreitern und Wegbereitern der "jungen" deutschen Jazzszene und machte sich einen Namen bei unzähligen Gastauftritten auf der ganzen Welt (Russland, Indien, Sri Lanka, Kanada und ganz Europa). Er sieht sich selbst als Grenzgänger, der Genres verbindet und Rahmen sprengt, Jazz und Popmusik aufeinandertreffen lässt, diese durch elektronische Elemente erweitert, aber nie seine musikalischen Wurzeln außer Acht lässt. Seit 2004 ist er als Kurator für diverse Projekte im Bereich Musik, Kunst und Kultur tätig, immer mit der Maxime, Raum für Innovation, Kreativität und Begegnung zu schaffen.

www.thomassiffling.com

  • 04.10.2016
  • Das letzte Wort
  • Klaus Härtel

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