Thomas Doss hat das letzte Wort

Die clarino.print-Serie »Sie haben das letzte Wort« ist zwar in Interview-Form gehalten, sie soll aber einmal andere Fragen beinhalten, als man sie aus »normalen« Interviews kennt. Durch ungewöhnliche und nicht alltägliche Fragen will die Redaktion Neues vom Künstler erfahren. Die Fragen beginnen immer gleich. Wir sind gespannt auf nicht immer gleiche Antworten. In dieser Ausgabe von »Sie haben das letzte Wort« fragen wir den Komponisten und Dirigenten Thomas Doss.

Wann war das letzte Mal, dass Sie mit der Interpretation eines Ihrer Werke unzufrieden waren?

Im vergangenen Frühling bei einem Wettbewerb, bei dem ich zuhörte.

Wann war das letzte Mal, dass Sie in einem Blasorchester mitgespielt haben?

Wenn ich mich richtig erin­nere, vor ein paar (vier?) Jahren in Schladming. Beim Orchester-Klavierpart meines »Concerto tricolore«. Ich war wahnsinnig nervös, da ich zuvor keine Zeit zum Üben hatte. Mit der Po­saune ist?s schon gar nicht mehr wahr, so lange ist das her... Das liegt wohl daran, dass ich nicht mal mehr weiß, wo ich das In­strument »versteckt« habe, um meine Umwelt davor zu schützen.

Wann war das letzte Mal, dass Sie geweint haben?

Tränen in den Augen hab ich sehr oft. Es gehört zum Alltag dazu, deswegen könnte ich nicht mal den genauen Zeitpunkt sagen.

Wann war das letzte Mal, dass Sie über einen Musiker-Witz gelacht haben?

Das war in Montreux. Der Solo­tubist des Oslo Philharmonic Orchestra und ein Posaunist der Covent Garden Opera gaben bei einer Flasche Wein herrliche Dirigentenwitze zum Besten.

Wann war das letzte Mal, dass Sie sich über einen Schüler/Studenten geärgert haben?

Das passiert leider regelmäßig bei denen, welche ihr Studium nicht ernst genug nehmen. Das letzte Mal wohl vor ein paar Wochen.

Wann war das letzte Mal, dass Sie eine Schreibblockade hatten?

Ich kenne den Begriff tatsächlich nur vom Hörensagen. Somit steht mir das wohl noch bevor.

Wann war das letzte Mal, dass Ihnen die Unterschiede von Deutschen und Österreichern deutlich wurden?

Jeden Tag, ich bin aufgrund der Herkunft meiner Eltern sowohl deutsch als auch österreichisch. Oft sehr bequem, aber das mit Konsequenz.

Wann war das letzte Mal, dass Sie über Johann Sebastian Bach nachgedacht haben?

Fast jeden Tag. Bach ist meine persönliche Musikhygiene.

Wann war das letzte Mal, dass Sie etwas Verbotenes getan haben?

Zu schnell fahren? Im Parkverbot parken? Quintenparallelen schreiben? Zu spät gegessen? Gestern!

Wann war das letzte Mal, dass Sie als Dirigent mit Musikern diskutiert haben?

Ich tue das in der Probe nicht mehr. Das letzte Mal wohl mit Mitte Zwanzig in Quedlinburg, als ich aufgrund der Verspätung meines Solotrompeters meinem 2. Trompeter 20 DM angeboten habe, damit er in der Probe die Carmen-Einleitung spielt.

Wann war das letzte Mal, dass Sie eines Ihrer Werke lieber unter einem Pseudonym veröffent­licht hätten?

Vor etwa sechs Jahren bei einem Wettbewerb, wo ich eines meiner ersten Stücke hörte.

Wann war das letzte Mal, dass Sie gewünscht haben, einen »ordentlichen Beruf« gewählt zu haben?

Ich habe darüber noch nie nachgedacht.

Wann war das letzte Mal, dass Sie wünschten, in einer anderen Zeit/Epoche geboren worden zu sein?

Als Kind: Im Wilden Westen!

Wann war das letzte Mal, dass Sie sich über die österreichische Fußballnationalmannschaft gefreut haben?

Gibt es die in Österreich überhaupt noch?

Wann war das letzte Mal, dass Sie gedacht haben, sie müssten nun aber endlich in der Liste »Berühmte Söhne und Töchter der Stadt Linz« auftauchen?

Noch nie. Ich weiß auch nicht, ob das so erstrebenswert wäre...

Infos: www.thomas-doss.com

Thomas Doss

Studien in den Fächern Posaune, Komposition, Dirigieren, Klavier, zunächst am Brucknerkonservatorium Linz, dann in Salzburg, Wien, Los Angeles und Maastricht. Debüt mit dem Wiener Kammerorchester 1988 im Wiener Konzerthaus, danach verschiedene Assistenzen an Opernhäusern/Festivals und Zusammenarbeit mit Berufsensembles als Komponist oder Dirigent. Zusammenarbeit mit Künstlern verschiedenster Genres sind typisch­ für seinen bunten musikalischen Weg.
Seine erweiterte und begeisterte Tätigkeit im Bereich sinfonische Bläsermusik bringt ihn als Komponist und Dirigent um die ganze Welt. Die pädagogische Tätigkeit wird immer mehr zu ­einem wichtigen Standbein seines Wirkens.
Am oberösterreichischen Landesmusikschulwerk ist er seit 2006 Koordi­nator für die Ensemble­leitung. Am Konserva­torium, Privatuniversität und dem Conservatorium Montiverdi in Bozen unterrichtet er ebenfalls als Professor für Ensemble­leitung.

 

  • 25.08.2011
  • Das letzte Wort

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