Stefan Dettl hat das letzte Wort

Die CLARINO-Serie "Sie haben das letzte Wort" ist zwar in Interview-Form gehalten, sie soll aber einmal andere Fragen beinhalten, als man sie aus "normalen" Interviews kennt. Durch ungewöhnliche und nicht alltägliche Fragen will die Redaktion Neues vom Künstler erfahren. Die Fragen beginnen immer gleich. Wir sind gespannt auf nicht immer gleiche Antworten…

Wann war das letzte Mal, dass Sie so richtig Urlaub gemacht haben?

Ich war im November eine Woche in der Oberpfalz. Das war ein richtiger Rentnerurlaub. Aufstehen, Frühstücken, Spazieren gehen, Schlafen, wieder Spazieren gehen. Es war die pure Erholung vom Tourstress.

Wann war das letzte Mal, dass Sie im Chiemsee schwimmen waren?

Das dürfte schon anderthalb Jahre her sein. Ich wohne an der Alz, in die ich immer reinspringe. Das ist sehr erfrischend. Der Chiemsee ist so flach, da muss man ja fast einen Kilometer gehen, bis man überhaupt schwimmen kann.

Wann war das letzte Mal, dass Sie etwas Verbotenes getan haben?

Heute. Ich bin durch eine verbotene Zone in München gefahren. Ich habe einen alten Diesel mit einer roten Plakette. Und für München braucht man eine grüne. Ich habe heute also unheimlich viele Schadstoffe in die Stadt getragen. Aus Versehen.

Wann war das letzte Mal, dass Sie an Ihre erste Begegnung mit Wolfgang Guggenberger gedacht haben?

Das ist nicht lang her. Wolfgang Guggenberger hat mich schon sehr geprägt. Vom Trompete spielen her sowieso, aber auch darin, wie man Musik auffasst, in der Vorbereitung und in den Proben. Ich denke oft an die Studienzeit. Wir treffen uns auch schon mal – und sprechen über alte Zeiten.

Wann war das letzte Mal, dass Sie sich wünschten, in einer anderen Epoche geboren worden zu sein?

Auch als ich heute durch München gefahren bin und den Verkehrswahnsinn miterlebt habe. Da würde ich mir echt mal wünschen, dass man mehr Zeit für Reisen hat. Zeit haben wir im Alltagsstress nicht mehr. Ich fahre zum Beispiel immer Landstraßen, wenn es geht. Das ist ruhiger und entspannter. Man bleibt an einer Bäckerei stehen und lernt die Leute kennen. Man sollte sich mehr Zeit nehmen. Warum kann die Strecke München–Köln nicht eine Tagesreise sein? Das wäre viel weniger Stress.

Wann war das letzte Mal, dass Sie sich über das Ergebnis des Eurovision Song Contest 2013 geärgert haben?

Ich habe mich gar nicht geärgert. Kurz danach war es für uns einfach cool, dass wir Zweiter geworden sind. Erst nach den vielen Gesprächen mit den Presseleuten hat man sich dann gedacht, dass man auch hätte gewinnen können. Aber insgesamt war es eine sehr schöne Erfahrung. Im Nachhinein war es vielleicht sogar besser, dass wir »nur« Zweiter geworden sind. Diese ästhetische Hochglanz-Song-Contest-Welt musst du schon mögen. Wir aber brauchen einen dreckigen Club, ein Bierzelt oder ein Festival.

Wann war das letzte Mal, dass Sie vor einem Soulclub in New York standen – und sich nicht reintrauten?

Im November war ich zuletzt drüben. Wir sind dann trotzdem in den Club gegangen, aber ich gebe zu, dass das schon ein mulmiges Gefühl ist. Wenn du da in Harlem stehst und alle schauen dich komisch an, weil du der einzige Weiße bist. Man traut sich gar nicht, die Leute anzusprechen. Aber die waren natürlich alle höflich und super-nett. Aber man kann sich dann schon vorstellen, wie sich manche Menschen bei uns fühlen, die vom Optischen eben nicht so ausschauen wie die anderen in der Ortschaft.

Wann war das letzte Mal, dass Sie ein Bier haben zurückgehen lassen?

Letzte Woche, denn ich trinke momentan nichts. Die Bedienung meiner Stammkneipe stellt mir immer automatisch ein Weißbier hin. Ich hab’s dann aber verschenkt – es war also nicht ganz umsonst gezapft.

Wann war das letzte Mal, dass Sie im Buch von Andreas Martin Hofmeir geschmökert haben?

Leider noch gar nicht. Aber ich steh ja drin – und bin sehr gespannt. 

Wann war das letzte Mal, dass Sie Karaoke gesungen haben?

Das war letzte Woche Samstag bei der Radio-BUH-Party. Für mich war das ein bisschen komisch, weil ich nüchtern war. Die anderen hatten sehr viel Spaß.

Wann war das letzte Mal, dass Sie bei einem Fußballspiel im Stadion waren?

Das war beim letzten Spiel des FC Bayern der letzten Saison. Wir haben bei der Feier spielen dürfen und natürlich das Spiel vorher angeschaut. Es war unheimlich langweilig, weil die ja schon Meister waren...

Wann war das letzte Mal, dass Sie dachten: Hätte ich mal einen richtigen Job gewählt?

Noch nie. Am Anfang braucht man als Freiberufler einfach ein bisschen Zeit, bis man von der Tätigkeit überzeugt ist. Ich war nach zwei Jahren an dem Punkt, an dem ich mir sagte: Egal, wieviel ich verdiene – ich kann nicht mehr zurück. Es ist so etwas Wertvolles und Schönes, Musik machen zu dürfen – ich denk darüber nicht mehr nach. Ich bin sehr dankbar und zufrieden.

Über Stefan Dettl

Mit seiner Band LaBrassBanda teilte er sich im vergangenen Jahr beim legendären Sziget-Festival in Ungarn die Bühne mit den Kings of Leon und Robbie Williams und hinterließ bei Konzerten in Glasgow völlig euphorisierte Schotten. Jetzt bringt Dettl eine Soulplatte namens "Soultrain" heraus. "Ich wollte Musik machen, die überall auf der Welt funktioniert. Dass ich aus Bayern komme, soll dabei keine Rolle spielen. In New York oder New Orleans in einem kleinen Soulclub zu spielen – und nicht rauszufliegen, das wäre das Ziel", sagt Stefan Dettl. Doch sind das nicht Pläne, die ein bisschen zu hoch fliegen? Nein! Definitiv nicht! Denn Stefan Dettl mag zwar aus der bayerischen Provinz kommen, aber wenn er eines ganz sicher nicht ist, dann provinziell.

www.stefan-dettl.de

  • 04.04.2016
  • Das letzte Wort
  • Klaus Härtel

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