Selbstversuch: E-Learning mit Blasinstrumenten

Das Digitale Lernen eröffnet uns Bläsern ganz neue Möglichkeiten beim Üben. Einen kleinen Überblick über die verschiedenen Angebote haben wir in der aktuellen Ausgabe der CLARINO gegeben. Zwei der dort vorgestellten Programme haben wir uns im Selbstversuch noch einmal genauer angesehen.

Von Drachen, Erdbeeren und Fledermäusen

"Oratio´s Flute Master" ist ein farbenfrohes Videospiel aus dem Hause Insignio Labs, womit Kinder das Spielen einer echten Blockflöte lernen sollen. Der Lernprozess ist allerdings geschickt in eine nette Geschichte verpackt: Der kleine Pirat Oratio möchte seinem Drachen-Freund Cornelius dabei helfen, die Erdbeeren im Zauberflöten-Schloss vor den Fledermäusen zu schützen. Fledermäuse lieben nämlich Erdbeeren. Der Drache Cornelius sitzt im Wachturm des Schlosses und versucht die Fledermäuse zu vertreiben, in dem er Feuer aus den Fenstern spuckt. Der Wachturm entspricht vom Aufbau einer normalen Blockflöte. Jedes Fenster ist ein Griffloch.

Und hier kommen wir als User ins Spiel. Wenn wir den richtigen Ton spielen, kann Cornelius das hören und spuckt aus den entsprechenden Fenstern Feuer. Ein Beispiel: Eine Fledermaus fliegt zum dritten Fenster des Wachturms. Das heißt, der Spieler muss die oberen drei Grifflöcher der Blockflöte zuhalten und dann ins Instrument blasen, wenn die Fledermaus am Fenster ankommt. Fliegt die Fledermaus zum obersten Fenster, muss nur das oberste Griffloch mit dem Finger geschlossen werden. Wenn der Spieler alles richtig gemacht hat, wird die Fledermaus verscheucht.

Spielerisch Blockflöte lernen am PC

Das Spiel umfasst neun Level, in jedem Level lernt der Spieler einen neuen Ton dazu. Ein Level besteht immer aus drei Musikstücken und erst, wenn der Spieler alle drei Musikstücke erfolgreich durchgespielt hat, wird das nächste Level freigeschaltet. Aber auch danach kann der Spieler in die bereits gespielten Levels zurückgehen – entweder zur Wiederholung des Gelernten oder auch um den Punkte-Schnitt zu verbessern.

Am Anfang jedes Levels erklärt Oratios weiser Freund Albert dem Spieler, welche Grifflöcher mit welchen Fingern geschlossen werden müssen. Erst nachdem der Ton geübt wurde, wird auch das Spiel freigeschalten. Es empfiehlt sich allerdings, vor dem Einstieg ins Spiel die entsprechenden Tutorials durchzugehen. Hier werden die Stücke auf einem Notenblatt dargestellt – die Kinder können so also auch das Notenlesen lernen – und der Spieler hat die Möglichkeit, mittels Play-Along die Melodie kennenzulernen und das Stück zu üben.

Die gleichen Musikstücke werden dann auch im Spiel verwendet. Die Notenwerte entsprechen dabei der Sequenz der am Turm vorbeifliegenden Fledermäuse. Lange Noten werden dargestellt als Fledermäuse, die einen Schweif hinter sich herziehen. In den Optionen kann man einstellen, ob Melodie- und/oder Begleitspur zu hören sein sollen. Die Melodie ist allerdings – selbst wenn man Kopfhörer verwendet – nur sehr leise.

Spaß macht das Üben mit dem "Flute Master" trotzdem. Theoretisch können Kinder sich damit selbstständig das Blockflöte-Spielen beibringen – zumindest wenn sie schon lesen können. In der Praxis ist es aber sicherlich hilfreich, wenn ein Instrumental-Lehrer oder zumindest die Eltern das Einüben eines neuen Tons begleiten. Dann ist auch der Frust nicht ganz so groß, falls etwas beim Üben nicht auf Anhieb klappt.

Kostenlos zugänglich sind übrigens nur die ersten drei Level. Nachdem diese erfolgreich durchgespielt wurden, hat der Spieler die Möglichkeit, die kostenpflichtige Vollversion mit insgesamt 27 Stücken für 2,99 Euro zu erwerben.

Songs2See: Spielend einfach musizieren

Die Software "Songs2See" verfolgt ein ganz ähnliches Prinzip wie auch der "Flute Master", allerdings weniger kindlich aufbereitet. Das Programm bietet Unterstützung beim Erlernen und Üben eines Instruments. Es besteht aus zwei separat erhältlichen Anwendungen: dem Spiel und dem Editor.

Mit dem Editor hat der User die Möglichkeit, eigene Übungen und Notenblätter zu erstellen. Das Spiel unterstützt den User beim Üben mit dem Instrument. Wir haben uns an dieser Stelle vor allem das Spiel in Kombination mit einer Klarinette genauer angesehen. Insgesamt sind zehn verschiedene Instrumente im Programm vorgesehen: Klarinette, Trompete, Saxofon, Flöte, Gitarre, Bass, Violine, Viola, Ukulele und Klavier. Außerdem kann der Spieler auch seinen Gesang trainieren. 50 (überwiegend klassische) Stücke stehen hierfür in drei verschiedenen Schwierigkeitsgraden im Liederbuch bereits zur Verfügung. Eigene Musikübungen und weitere Stücke lassen sich über den Editor hinzufügen.

Ein neues Stück einüben

Auch Instrumental-Schüler, die noch am Anfang ihrer Ausbildung stehen, können sich sorgenfrei vor allem an die leichten Stücke wagen. Zuerst muss der Spieler sein Instrument auswählen und das Stück, das er üben will. Außerdem kann zwischen zwei verschiedenen Arten der Notenansicht gewählt werden: der Spielansicht und der Notenblattansicht.

Die Spielansicht eignet sich besonders für Anfänger: Hier wird die Notenlänge mithilfe eines Balkens verdeutlicht. Außerdem können die Notennamen in den Notenköpfen angezeigt werden. Ein Fortschrittsbalken zeigt an, welche Note wann und wie lange gespielt werden muss. Des Weiteren wird angezeigt, ob der gespielte Ton die tatsächlich geforderte Tonhöhe hat, oder ob er zu hoch oder zu tief ist.

Die Notenblattansicht entspricht einem zweizeiligen Notenblatt. Für geübte Spieler dürfte diese Ansicht deutlich angenehmer sein, weil auf den ersten Blick mehr Noten sichtbar sind und das Notenbild dementsprechend nicht so schnell springt. Diese Ansicht birgt aber auch ein Problem: Töne, die über die fünfte Linie hinausgehen, werden durch das automatische Weiterwandern des Notenblatts manchmal vom Titel des Stücks verdeckt und sind somit beim Spielen nicht mehr sichtbar. Zwar kann der Spieler manuell wieder ein Stück zurück scrollen und die Noten so wieder sichtbar machen, gleichzeitig spielen kann er dann aber vermutlich nur noch bedingt.

Fingersatz und Lernmodus

Unter den Noten wird außerdem der entsprechende Fingersatz auf dem jeweiligen Instrument dargestellt. Der zu spielende Ton ist mit grünen Markierungen auf dem Instrument markiert. Außerdem wird der folgende Ton mit blauen Markierungen bereits im Vorfeld angedeutet. Bei der Trompete wird durch ein zusätzliches Symbol angezeigt, wie stark am Mundstück überblasen werden muss.

Insgesamt kann das Programm sehr viel darstellen. Das ist zwar einerseits ein Vorteil, andererseits überfordern die vielen Darstellungen das Auge auch. Gleichzeitig die Notenansicht und die Fingersätze zu betrachten ist eigentlich unmöglich. Das Programm bietet allerdings einen Lernmodus an. Darin kann jeder Ton des Stücks einzeln und gezielt geübt werden – ein gleichzeitig dargestellter Fingersatz ist hier – vor allem für Anfänger, die noch nicht jeden Ton kennen – durchaus hilfreich und sinnvoll.

Auswertung und Ergebnisse

Der Spieler erhält unmittelbar zu jedem gespielten Ton eine Rückmeldung: Richtig gespielte Töne werden grün markiert und mit "Super" quittiert. Fehlende oder falsche Töne werden rot gefärbt. Wem das während des Übens allerdings zu schnell geht, der kann sich am Ende des Stückes eine Auswertung davon ansehen. Das Programm macht dabei sogar Vorschläge, welche Abschnitte noch einmal gezielt geübt werden sollten. Außerdem kann die erspielte Punktzahl im Ranking mit anderen Spielern verglichen werden.

Kostenlose Demo-Versionen des Editors und des Spiels sind auf der Internetseite des Herstellers zu finden. Das Komplettpaket mit Editor und Game kostet 49,90 Euro. Das Spiel allein gibt es für 19,90 Euro und den Editor für 39,90 Euro. Im Lieferumfang ist übrigens auch ein Handbuch enthalten, in dem sämtliche Darstellungsformen und Einstellungsoptionen erläutert werden.

  • 23.12.2014
  • Tipps & Praxis
  • Cornelia Härtl

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