Sebastian Manz hat das letzte Wort

Die CLARINO-Serie »Sie haben das letzte Wort« ist zwar in Interview-Form gehalten, sie soll aber einmal ­andere Fragen beinhalten, als man sie aus »normalen« Interviews kennt. Durch ungewöhnliche und nicht alltägliche Fragen will die Redaktion Neues vom Künstler erfahren. Die Fragen beginnen immer gleich. Wir sind gespannt auf nicht immer gleiche Antworten.

Wann war das letzte Mal, dass Sie Tango getanzt haben?

Vor einem Jahr in München mit meiner ­damaligen Freundin. Mein Klavierpartner Martin Klett besucht regelmäßig Milongas, ich hingegen musste oft feststellen, dass ich nicht fürs Tangotanzen geboren bin. 

Wann war das letzte Mal, dass Sie in der/einer Schule waren?

Am 13. Februar in Kiel, im Rahmen von »Rhapsody in School«, einem Projekt, in dem klassische Musiker in Schulen gehen, um Schülern diese Musik näherzubringen und sie zu motivieren, vielleicht selber ein Instrument zu erlernen. Ich engagiere mich in der von Lars Vogt gegründeten Institu­tion schon seit einigen Jahren. 

Wann war das letzte Mal, dass Sie geweint haben?

Aus Freude, als ich erfuhr, dass ich eine Rückzahlung vom Finanzamt bekomme.

Wann war das letzte Mal, dass Sie »so richtig« Urlaub gemacht haben?

August 2012 auf Langeoog. Ich liebe die Nordsee und bin schon oft dort gewesen. Die dortige Luft tut mir als Bläser ohnehin sehr gut. Zudem ist die Insel autofrei, das heißt dort herrscht eine Ruhe und Entspanntheit, die ich so im Alltag nie habe. So lasse ich meine Seele baumeln. Das ver­stehe ich unter Urlaub!

Wann war das letzte Mal, dass Sie etwas Verbotenes getan haben?

Ist noch nicht so lange her. Vor etwa einer Woche bin ich mit dem Fahrrad durch die Fußgängerzone gefahren. Kein Hahn kräht danach, aber laut Gesetz ist es verboten.

Wann war das letzte Mal, dass Sie mit einem Dirigenten diskutiert haben?

Ist auch noch nicht so lange her. Meine ­Vorstellungen versuche ich immer mit dem Dirigenten zu besprechen. Nicht selten sind wir unterschiedlicher Meinung, was ich sogar sehr begrüße. Denn nur dadurch können wir unseren Horizont erweitern. 

Wann war das letzte Mal, dass Sie Ihre Auszeichnungen poliert haben?

Poliert? Zuerst muss ich sie entstauben. Danach kann ich übers Polieren nachdenken. Soweit ist es aber bisher noch nicht gekommen. 

Wann war das letzte Mal, dass Sie wünschten, in einer anderen Zeit ge­boren zu sein?

Oft wünsche ich mir, 30 Jahre früher ge­boren worden zu sein. Damals gab es noch keine Handys. Ach, wie ruhig muss es da gewesen sein...

Wann war das letzte Mal, dass Sie einen Kollegen beneidet haben?

Vor 12 Stunden. Da habe ich mit Wolfgang Meyer seine alten Oehler-Klarinetten ausprobiert. Tolle Instrumente. Gut für ihn, schlecht für mich...

Wann war das letzte Mal, dass Sie sich für die Ihnen in die Wiege gelegte Musikalität bedankt haben?

Hin und wieder philosophiere ich mit Musikerkollegen abends mit einer guten Flasche Whiskey. Da kommen viele Gedanken hoch. Was mir aber nie aus dem Kopf geht, ist, dass wir nicht vergessen sollten, wie gut es uns eigentlich geht. Wir können mit den Dingen, die uns Spaß machen, Geld verdienen und anderen (meistens) eine Freude machen. Besonders gerührt bin ich, wenn sich Zuhörer bei mir nach dem Konzert persönlich oder per Mail bedanken.

Wann war das letzte Mal, dass Sie in einem Blasorchester mitgespielt haben?

Zählt Bigband dazu? Denn in einem Blas­orchester habe ich nie gespielt. Meine Bigband-Erfahrungen in der Schule haben mich in meiner Beziehung zum Jazz sehr geprägt. Ich habe angefangen, viel von Glenn Miller und Benny Goodman zu hören. 

Wann war das letzte Mal, dass es Ihnen so richtig die Laune verhagelt hat?

Das war im Dezember. Da kam ich von einer 20 Tage langen Japan-Tournee zurück. Das erste, was mich aufregte, war die 30-Minuten-Verspätung der DB. Das zweite war der Handy-Empfang. In Japan hatte ich mich schon an die Pünktlichkeit und Verlässlichkeit der Verkehrsmittel und an das tadellose Handy-Netz gewöhnt.

Wann war das letzte Mal, dass Sie an Benny Goodman gedacht haben?

Neulich, als ich etwas von Paquito D’Rivera gespielt habe. Seine Stücke und Improvisationen erinnern mich stark an Benny.

Wann war das letzte Mal, dass Ihnen ­jemand nahegelegt hat, Sie hätten besser »was Vernünftiges« gelernt?

Muss schon sehr lange her sein, oder ich hab's verdrängt. Früher dachten viele, es würde beim Hobby bleiben. Die Frage nach was »Vernünftigem« kam von meiner Englisch-Lehrerin aus der 11. Klasse, als sie ­erfuhr, dass ich mit 17 kein Abi machen, sondern direkt nach Lübeck zur Aufnahmeprüfung gehen wollte.

Sebastian Manz und Martin Klett beschäftigen sich auf ihrer aktuellen CD »In Rhythm« mit amerikanischem Repertoire. So umfasst sie Stücke von Gershwin, Templeton, Copland, Reich, Bernstein, Villa-Lobos, Piazzolla und Milhaud, eingespielt im Kölner Deutschlandfunk-Studio.

Wer Sebastian Manz live im Konzert erlebt, begegnet einem Musiker, »der so viel Freude und Laune vermitteln will, wie Musik das erlaubt« (Ensem­ble). Er begeistert mit seiner jugendlichen Unbekümmertheit, seinem augenzwinkernden Humor, seiner natürlichen Musikalität und nicht zuletzt mit seinen meisterlichen, technischen Fähig­keiten – ob singend, klagend oder flüsternd auf der Klarinette – und erobert die Herzen der Musikwelt. Den großen Durchbruch bescherte ihm der sensationelle Erfolg beim Internationalen Musikwettbewerb der ARD in München im September 2008.

Infos: www.sebastianmanz.com

  • 24.04.2013
  • Das letzte Wort

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