Rhythmus-Workshop von Wolfgang Schüler (6)

Bevor es in die Sommerpause geht, möchte ich noch einmal das Bisherige rekapitulieren. Wir haben festgestellt, dass Rhythmus eigentlich ganz einfach ist: Für binäre Rhythmen (alle 2er, 4er, 8er usw. Notengruppen und Takte) nehme man das binäre Quantisierungsgitter und platziere dort aus einer Auswahl von 16 Grundbausteinen die jeweils passenden.

Für ternäre Rhythmen (alle 3er, 6er, 9er usw. Notengruppen und Takte) nehme man das ternäre Quantisierungsgitter und platziere dort aus einer Auswahl von sieben Grundbausteinen die jeweils passenden...

23 Rhythmus-Legosteine

Diese insgesamt 23 »Rhythmus-Legosteine« – bei denen die Akzentnote(n) die gespielte Note(n) und die Unakzentuierten das Gitter darstellen – seien hier noch einmal aufgeführt.

Aus diesen 23 Grundbausteinen können wir ALLE binären und triolischen Rhythmusfiguren bauen. (So wie das gewaltige gesamte westliche Œuvre der Musik aus nur zwölf Tönen gebaut wurde und wird. So wie die Literaturwelt aus nur 26 Buchstaben geschaffen wurde und wird. Ich finde das immer wieder aufs Neue beeindruckend...).

Des Weiteren haben wir gelernt, wie wir mit Händen und Füßen – ohne Instrument – diese Grundbausteine erarbeiten und dann aus ihnen selbstständig Rhythmusfiguren bauen können bzw. uns bis dato unverständliche, komplexe Figuren aufschlüsseln und beherrschen gelernt haben. Wir haben zwei Handsätze: immer abwechselnd Rechts – Links oder die betonten Schläge mit Rechts und die unbetonten mit Links (»Paradiddlehandsatz«).

Den Rhythmus mit dem ganzen Körper erfahren

Und wir haben angefangen, den ganzen Körper mit einzubeziehen, um den Rhythmus zu einer ganzkörperlichen Erfahrung zu machen – ähnlich wie beim Tanzen. Und last, but not least haben wir dem Rhythmus durch lautes Mitzählen eine Stimme gegeben – unsere Stimme!

Nutzen Sie doch die Sommerpause zum Rekapitulieren des bisherigen Stoffs. Oder wie wäre eine gepflegte Trommelsession am Strand – auf Djemben, Totenschädeln oder auch nur mit den Händen? Oder Sie retten den Reisetag und starten im endlosen Stau eine relaxte Rhythmussession im Auto, die sich vom San Bernadino Pass bis Chur ausbreitet?

Ich hoffe sehr, dass ich in Ihnen eine neue Begeisterung und ein neues Erleben des Rhythmus einpflanzen konnte – und wir ­haben noch viel vor uns!

Über Wolfgang Schüler

Jahrgang 1964, hat Schlagwerk und Klavier am Leopold-Mozart-Konservatorium in Augsburg studiert. Seine besondere Liebe und Neugier gilt dem Rhythmus und der Harmonik. Er ist in allen Epochen und Richtungen zu Hause – in Klassik, Jazz, Funk, Latin, Pop und was sonst so auf den Schubladen draufsteht. Ebenso in Recordingstudios, als Softwaretester, (Filmmusik-)Komponist, als Schlagzeuger in Heavy-Metal-Bands und Jazzcombos, als Klaviersolist und Klavierbegleiter für Sänger, Quartette, Quintette und manches mehr... und besonders gerne als Lehrer bei Workshops für Rhythmik mit fortgeschrittenen Musikern. In internationalen Fachkreisen bekannt wurde er durch die Veröffentlichung dreier Schlagzeugbücher. Ein Teil seines Hirns ist die meiste Zeit mit rhythmischen und harmonischen Überlegungen beschäftigt, was er am besten mit Sport unterbrechen kann. Unter www.terradrummica.de finden sich weitere Informationen über sein Treiben und Schreiben

  • 29.06.2015
  • Tipps & Praxis
  • Wolfgang Schüler

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