Rhythmus-Workshop von Wolfgang Schüler (10)

  • 02.12.2015
  • Tipps & Praxis
  • Wolfgang Schüler

Ein weiteres, zehntes und leider auch letztes »Herzlich Willkommen zum CLARINO-Rhythmus-Workshop«! Ich habe hier immer hart gekämpft, den gegebenen Rahmen nicht zu sprengen. Es gäbe noch so viel zu sagen und zu vermitteln, aber dann müsste es heißen: »CLARINO – Fachmagazin für Rhythmik«… Ich hoffe, dass ich diese Zwickmühle einigermaßen aufgelöst habe. Jeder einzelne Workshop hat mir Spaß gemacht – ich hoffe, Ihnen auch.

Diesmal habe ich ein Thema im Gepäck, das mindestens so gefürchtet ist wie das Thema »Ungerade Takte« im vergangenen Workshop. Und welches vielleicht beim einen oder anderen Leser ein skeptisches Stirnrunzeln auslöst, warum sich ein Bläser mit so etwas herumschlagen soll – das dürfen die Percussionisten, Schlagzeuger und Tastenheinis. Aber: Ich würde ein Thema niemals in diesem Workshop behandeln, wenn es nicht einen triftigen Grund dafür gäbe... Bleiben Sie dran – und Sie werden bald merken, dass ein Grundverständnis des Themas und ein paar effiziente Übungen dazu enorm viel bringen, in Bezug auf rhythmische Sicherheit und musikalischen Überblick – kurz: für Ihr Wachstum als Musiker.

POLYRHYTHMIK – Das Theoretische

Ein feines Gewürz für die Kompositionen aller Art

Man kann sich mit Polyrhythmik als eigenständige, hochinteressante Kunstform beschäftigen – oder als feines Gewürz für Kompositionen in allen Stilen. Ersteres fällt hier natürlich weg. Aber Letzteres – das feine Gewürz – das wollten und sollten wir kennen- und anwenden lernen. Natürlich werden wir im praxisrelevanten Bereich bleiben und dieser ist durchaus überschaubar, denn nur die zwei »einfachsten« Polyrhythmikfiguren sind wirklich verbreitet in der Musikliteratur. Alles andere überfordert sowohl Zuhörer als auch viele Musiker.

Die beiden erwähnten Fälle sind zum einen das recht bekannte 3 über 2 (notiert als: 3 : 2) bzw. 2 über 3 (2 : 3) und 4 über 3 (4 : 3) bzw. 3 über 4 (3 : 4). Anstatt »2 über 3« kann man genauso »2 gegen 3« sagen. Übrigens: Die Figur »2 Achtel über 1 Viertel – notiert: 2 : 1« ist ebenfalls eine polyrhythmische Figur.

Alles was aber darüber hinausgeht, ist sehr schnell ganz schwierig zu spielen und klingt selbst für die meisten Musikerohren wie der Aufprall eines Schlagzeugs auf der Straße nach 100 Metern freiem Fall – sprich »chaotisch«. Ich möchte Ihnen in kurzer Form erklären, warum dies so ist: Weil die Zahlenverhältnisse rasant zunehmend komplizierter werden.

Über Wolfgang Schüler

Jahrgang 1964, hat Schlagwerk und Klavier am Leopold-Mozart-Konservatorium in Augsburg studiert. Seine besondere Liebe und Neugier gilt dem Rhythmus und der Harmonik. Er ist in allen Epochen und Richtungen zu Hause – in Klassik, Jazz, Funk, Latin, Pop und was sonst so auf den Schubladen draufsteht. Ebenso in Recordingstudios, als Softwaretester, (Filmmusik-)Komponist, als Schlagzeuger in Heavy-Metal-Bands und Jazzcombos, als Klaviersolist und Klavierbegleiter für Sänger, Quartette, Quintette und manches mehr... und besonders gerne als Lehrer bei Workshops für Rhythmik mit fortgeschrittenen Musikern. In internationalen Fachkreisen bekannt wurde er durch die Veröffentlichung dreier Schlagzeugbücher. Ein Teil seines Hirns ist die meiste Zeit mit rhythmischen und harmonischen Überlegungen beschäftigt, was er am besten mit Sport unterbrechen kann. Unter www.terradrummica.de finden sich weitere Informationen über sein Treiben und Schreiben.

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