Randy Brecker hat das letzte Wort

  • 19.11.2013
  • Das letzte Wort

Die clarino-Serie »Sie haben das letzte Wort« ist zwar in Interview-Form gehalten, sie soll aber einmal ­andere Fragen beinhalten, als man sie aus »normalen« Interviews kennt. Durch ungewöhnliche und nicht alltägliche Fragen will die Redaktion Neues vom Künstler erfahren. Die Fragen beginnen immer gleich. Wir sind gespannt auf nicht immer gleiche Antworten.

Wann war das letzte Mal, dass Sie sich gewünscht haben, einen »ordentlichen Beruf« gewählt zu haben?

Noch nie. Schon mit 14 Jahren war ich Betreuer in einem Band-Camp. Ich bin wirklich sehr glücklich, dass ich mein ganzes Leben Musik machen kann und darf. 

Wann war das letzte Mal, dass Sie Ihre Grammys poliert haben?

Ich habe meine Grammys in meinem Musikraum stehen und kürzlich musste ich sie tatsächlich ordentlich säubern. Denn in meinem Apartment hatten wir einen ­Schaden an der Decke, genau da, wo die Grammys standen. Ich musste da einiges reparieren. Jetzt sind die Grammys aber in Sicherheit!

Wann war das letzte Mal, dass Sie Ka­raoke gesungen haben?

Ich mach das jeden Tag wenn ich übe. Allerdings hört das keiner – das ist der große Unterschied zum Kneipen-Karaoke. Ka­raoke, also Gesangsübungen, sind eine ­prima Atemübung.

Wann war das letzte Mal, dass Sie geweint haben?

Ich gebe zu, ich weine oft, bei Filmen zum Beispiel ständig. Kürzlich habe ich eine ­Dokumentation über Südafrika gesehen, die mich wirklich berührt hat. Da hatte ich Tränen in den Augen. Auch Musik kann mich sehr bewegen.

Wann war das letzte Mal, dass Sie in Phi­ladelphia waren?

Am vergangenen Wochenende hatte ich mein 50. Jahrestreffen an der Highschool. Ich habe dort viele alte Freunde und sogar meine erste Freundin wiedergetroffen. Die hatte ich 50 Jahre nicht mehr gesehen. Und sie sieht immer noch gut aus! 

Wann war das letzte Mal, dass Sie eine Feijoada, das brasilianische National­gericht, gegessen haben?

Während meiner brasilianischen Phase hatten wir Feijoada jeden Sonntag. In Brasilien sowieso und manchmal auch zu Hause. Das Schwierige ist: Man braucht wirklich einen Brasilianer, der sie auch zubereiten kann. Ich bin mittlerweile mit einer tollen italie­nischen Tenorsaxofonistin verheiratet. Die macht zwar keine Feijoada, kann aber hervorragend kochen!

Wann war das letzte Mal, dass Sie etwas Verbotenes getan haben?

Gras habe ich vor zehn Jahren zuletzt geraucht. Meine Frau hat mir davon abge­raten und so sehr ich das mag, ich weiß, dass es für mein Trompetespielen und das Atmen nicht gut ist. Heute halte mich an die Gesetze: Ich schnalle mich an, telefoniere nicht während des Autofahrens und halte mich an Tempolimits. 

Wann war das letzte Mal, dass sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln gefahren sind?

In New York benutze ich sie ständig. Ich lebe zwei Stunden außerhalb der Stadt und hinein fahre ich nicht mit dem Auto. Ich nehme immer den Bus. Zum Flughafen auch. Der öffentliche Personennahverkehr ist super, denn er ist preiswert. 

Wann war das letzte Mal, dass Sie sich geärgert haben, Blood Sweat and Tears vor »Woodstock«  verlassen zu haben?

Ich war ein bisschen traurig und eifersüchtig, zugegeben. Aber für die Band habe ich mich sehr gefreut, denn wir waren ja immer noch Freunde. Aber ein bisschen geärgert hab ich mich schon. Denn in dem Jahr – 1968 – haben Blood Sweat and Tears sehr viel Geld verdient und ich nur 147 Dollar die Woche – obwohl ich so viel Musik gemacht habe. Ich konnte gerade so mein Hotel bezahlen. In der Zwischenzeit haben Blood Sweat and Tears 11 Millionen Platten verkauft und 5000 Dollar die Woche verdient. Aber das war damals – die Jungs von Blood Sweat and Tears und ich sind immer noch gute Freunde. Wir versuchen, uns mindestens einmal im Jahr in einem Club zu treffen – Al Kooper ist dabei, Steve Katz – und wir spielen dann die erste Platte »Child is Father to the Man« von 1968 durch. Die Leute sind immer begeistert! Übrigens: Wissen Sie, wer auch in der Band ist? Stephen King, der Horror- und Mystery-Autor. 

Wann war das letzte Mal, dass Sie einen Kollegen beneidet haben?

Vermutlich letzte Nacht. Ich habe mir auf YouTube ein paar hervorragende Trom­peter angehört, unter anderem Allen Vizzutti, der den »Karneval von Venedig« von Jean-Baptiste Arban gespielt hat. Man kann’s nicht anders sagen: He just played the shit out of it! Da war ich neidisch! ­Wobei Neid nicht wirklich das richtige Wort ist. Ich bin inspiriert, wenn ich andere Trompeter höre. Dann will ich immer üben. 

Wann war das letzte Mal, dass Sie Barack Obama getroffen haben?

Ich hab ihn tatsächlich schon mal getroffen. Vor zwei Jahren haben wir im Weißen Haus zusammen mit Herbie Hancock gespielt. Chris Botti war auch dort, Dianne Reeves und Dee Dee Brigdewater. Obama hat sich dann hinterher bedankt und uns ­allen die Hand geschüttelt. Ich habe auch schon die Bushs und Jimmy Carter getroffen. Bill Clinton jubelte schon über »My Funny Valentine«, das sei sein Lieblingssong.

Während der 70er und 80er Jahre entwickelten der Trompeter Randy Brecker und sein jüngerer Bruder, der Saxofonist Michael Brecker, einen neuen Musikstil: Sie mischten anspruchsvolle Jazzharmonien und gehaltvolle Soli mit energiegeladenen Funk-Grooves und Rock-Beats – der berühmte Brecker-Brothers-Sound. Im Laufe der Jahre entstanden großartige Ein­spielungen wie »Brecker Brothers«, »Straphangin’«, »Heavy Metal Be-Bop« und »The Return Of The Brecker Brothers«. Mit dem Album »The Brecker Brothers Band Reunion« erinnert ­Randy Brecker an den stilbildenden Sound seiner Band und widmet dieses Album insbesondere seinem 2007 verstorbenen Bruder. Im Line-up finden sich ausschließlich ehemalige Mitglieder der Brecker Brothers Band, unter anderem David Sanborn, Mike Stern, Dean Brown, Will Lee, Dave Weckl und Rodney Holmes. Eine wahre All-Star-Besetzung!

randybrecker.com

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