Pflichtstücke für das Deutsche Musikfest - Grad 5

  • 12.12.2012
  • Werkvorstellungen
  • Joachim Buch

Die Bundesvereinigung Deutscher Musikverbände (BDMV) richtet alle sechs Jahre das Deutsche Musikfest aus. Nach Trier (1989), Münster (1995), Friedrichshafen (2001) und Würzburg (2007) findet das 5. Musikfest von 9. bis 12. Mai 2013 in Chemnitz statt. Für die Wertungsspiele wurden in den Stufen 2 bis 6 je drei Wahlpflichtstücke (eine der drei Kompositionen muss als Pflichtstück vorgetragen werden) bestimmt.

Schwierigkeitsgrad 5

Für die Stufe 5 wurden die folgenden drei Wahlpflichtstücke bestimmt

a) "Der Traum des Oenghus Teil 2" von Rolf Rudin

18 Jahre, nachdem beim 2. Deutschen Bundesmusikfest Rolf Rudins „Der Traum des Oenghus“ zum Pflichtstück in der Oberstufe (entspricht weitgehend der Stufe 4) bestimmt wurde, ist nun der zweite und weitaus umfangreichere Teil des „Traums“ in der Stufe 5 angesetzt. Das Stück erfuhr seine Uraufführung 1996 durch das Landesblasorchester Baden-Württemberg im Rahmen des Abschiedskonzerts von Harry D. Bath.

„Der Traum des Oenghus“ beruht auf einer gleichnamigen irischen Sage. Dort erscheint dem Königsohn Oenghus nachts im Schlaf ein Flöte spielendes Mädchen, in das er sich verliebt. Während der erste Teil von Rudins Komposition vor allem die Traumvision in Klänge umsetzt, beleuchtet der zweite Teil in den Worten des Komponisten mehr die „realeren” Seiten der Sage.

Schon gleich zu Beginn assoziiert dieser zweite Teil in seiner Wildheit die „Irrungen und Wirrungen” von Oenghus auf seiner Suche (Notenbeispiel 1), die ja im ersten Teil nur traumvisionär und damit ideell verklärt dargestellt wurde. Auch die nur ganz am Ende des ersten Teils angedeutete Wichtigkeit der Flöte erhält nun musikalischen Raum zur Entfaltung: Eine große Kantilene von schillernder Expressivität schwebt über einem harmonischen Teppich, der an die Traumvisionen der nächtlichen Ruhe des ersten Teils anknüpft (Notenbeispiel 2, ab Takt 176).

Eine ostinat-rhythmische Steigerung in marschähnlichem Duktus gipfelt im Aufgreifen des „misteriösen Gesanges” aus dem ersten Teil und führt so ganz deutlich zu einer formalen Geschlossenheit des Gesamtwerks (Notenbeispiel 3, ab Takt 271).

Die apotheotische Stimmung der abschließenden Coda taucht das erlösende B-Dur in die traumvisionären Geräuschklänge des Beginns und entlässt den Hörer in friedlicher, „sagenumwobener” Atmosphäre.

b) "Hafabra Overture" von Derek Bourgeois (hafabramusic)

Derek Bourgeois (Jahrgang 1941) stammt aus Kingston-on-Thames. Er studierte in Cambridge und am Royal College of Music, u.a. bei so bekannten Lehrern wie Herbert Howells und Sir Adrian Boult. Als Komponist ist er sehr aktiv (u.a. 68 Sinfonien, 15 Solokonzerte, sieben größere Werke für Chor und Orchester. In der Bläserszene wurde er bekannt durch seine „Serenade“, ein leichtfüßig klingendes Werk, dem man seine unregelmäßigen Taktarten (11/8, 7/8, 13/8) auf den ersten Moment gar nicht anhört.

Ähnliche Eindrücke hinterlässt gleich zu Beginn die „Hafabra Overture“[1], die aus Anlass des zehnjährigen Bestehens des gleichnamigen belgischen Blasmusikverlages entstanden und dem Verlagsleiter Louis Martinus gewidmet ist: Schon das erste Thema hat fast Ohrwurm-Charakter, ist aber von zahlreichen Taktwechseln dominiert, so dass auch rhythmisch versierte Musiker beim ersten Vom-Blatt-Spiel ihre Probleme haben könnten (Notenbeispiel 4, ab Takt 1).

 

Haben im ersten Thema vorwiegend Holzblasinstrumente, so wie man sie auch aus der klassischen Harmoniemusik kennt, das Sagen, so ist das zweite Thema von einer Blech-Fanfare dominiert (Notenbeispiel 5, ab Takt 81).

Im langsamen Teil (ab Takt 109) stellen zunächst der Klarinettenchor und dann Posaunen und Tuba ein neues Thema vor (Notenbeispiel 6).

Weit gespannte melodische Linien, rhythmisch recht einfach (zumeist Viertel-Bewegungen), aber harmonisch sehr abwechslungsreich, durchziehen diesen Tranquillo-Teil, bevor ab Takt 187 das Anfangsthema wieder aufgenommen wird. Eine Angabe wie z.B. „Tempo 1“ fehlt allerdings an dieser Stelle in der Partitur. Bourgeois belässt es für den Rest des Stückes jedoch nicht bei einer puren Reprise, sondern er fugiert das Anfangsthema und bezieht sich auch an einigen Stellen noch einmal auf Musik aus dem langsamen Mittelteil.

c) "William Byrd Suite" von Gordon Jacob (Boosey & Hawkes)

Von diesem Stück sind im Wertungsspiel die Sätze 1 und 6 sowie zwei weitere nach Wahl vorzutragen.

William Byrd (1543-1623) war der führende englische Komponist seiner Generation und zählt zusammen mit Palestrina und Orlando di Lasso zu den größten Meistern der späten Renaissance. Er schrieb vor allem Musik für Tasteninstrumente, damals zumeist für das Virginal, einem Verwandten des Cembalos. Die größte Sammlung dieser Kompositionen (etwa 70) ist im Fitzwilliam Virginal Book enthalten, das erst 1899 veröffentlicht wurde. Alle sechs Sätze, die Gordon Jacob für die „William Byrd Suite“ ausgewählt hat, stammen aus dieser Sammlung.

Gordon Jacob (1895-1984) studierte u.a. bei Sir Adrian Boult und Ralph Vaughan Williams am Royal College of Music und gehörte nach ersten Unterrichtsjahren von 1924 bis zu seiner Pensionierung 1966 selbst dem Lehrkörper dieses renommierten Instituts an. Zu seinen berühmtesten Schülern zählten Malcom Arnold und Joseph Horovitz.

Jacob bezeichnete die „William Byrd Suite“ als „frei transkribiert“. Melodie, Harmonik und Form der Originalstücke blieben in der Regel unverändert. Neben den Klangfarben des Blasorchesters ergänzte Jacob vor allem sehr differenzierte dynamische Angaben.

Würde man jeden der sechs Sätze einfach als großes Crescendo mit immer komplexer werdender Gestaltung bezeichnen, so käme dies zu kurz. Auch wenn Byrd diese Mittel regelmäßig einsetzt: Seine Kunst besteht darin, wie er sie in unterschiedlich starkem Maße benutzt, um Monotonie zu vermeiden.

Im "The Earl of Oxford's March"  wird das achttaktige Ausgangsthema durch Hinzunahme von Instrumenten klanglich gesteigert und mit polyphonen Nebenstimmen ergänzt. Ein Höhepunkt ist ab Ziffer 9 erreicht. 

Die „Pavana“ wurde ursprünglich Byrd zugeschrieben, stammt aber höchstwahrscheinlich von seinem Zeitgenossen Anthony Holborne (1545-1602). Es empfiehlt sich, das sehr langsame Stück (36 Viertel pro Minute) in Achteln zu dirigieren. Das Thema des Satzes beginnt in g-Moll. Jacob beginnt jede Wiederholung in einer anderen Tonart, kommt am Ende aber auf g-Moll zurück (wie in der damaligen Zeit noch üblich mit Dur- anstatt Mollterz).

Die Sätze 3 bis 5 ("Jhon come kisse me now," "The Mayden's Song", "Wolsey's Wilde") sind eine Folge von Variationen über eine achttaktige bzw. zwei sechzehntaktige Melodien. Jacob's Instrumentierung von "Wolsey's Wilde" nutz die dynamischen und artikulatorischen Möglichkeiten der Blasinstrumente in besonderem Maße aus. 

Der Schlusssatz "The Bells" geht von einem zweitönigen Bassmotiv aus und kulminiert in einem Solo der Röhrenglocken, das sich über einen äußerst polyphonen Orchestersatz erhebt.

"William Byrd Suite" - Druckfehler in der PARTITUR (Quelle: www.windrep.org)

1. Earle of Oxford’s March

  • Takt 26 (2. Takt nach Ziffer 2); Euphonium, sechste Sechzehntelnote muss ein klingendes H sein (Auflösungszeichen ergänzen)

2. Pavana

  • Takt 21 (5. Takt nach Ziffer 2); Altklarinette und Altsaxophon, Triller auf Fis anstatt auf Dis
  • Takt 23; Kornett 1, an der dritten Note (c’’) fehlt der Sechzehntel-Balken

3. Jhon come kisse me now

  • Takt 6; Es-Klarinette, auf Schlagzeit 4 ein E anstatt ein C (in der Einzelstimme richtig notiert)
  • Takt 8; Bariton, Artikulation muss die gleiche sein wie in Fagott, Klarinetten und Tuba
  • Takt 36; Tonartvorzeichen fehlen  ab Klarinette 2 abwärts
  • Takt 39; Klarinette 1 und Kornett 2; fünfte Achtelnote ist ein Es; die restlichen Achtel ohne Vorzeichen

4. The Mayden’s Song

  • Takt 65; Kornett 2, Akzent fehlt

5. Wolsey’s Wilde

  • Takt 8; Snare Drum; erste drei Noten sind Achtel anstatt Viertel (in der Einzelstimme richtig notiert)

6. The Bells

  • Takt 50-56; Pauken, Haltebögen zwischen Wirbel (Taktzeit 1) und der darauf folgenden Achtelnote ergänzen
  • Takt 56; Pauken, zweite Achtelpause streichen (in der Einzelstimme richtig)
  • Takt 74; Tuba, „3“ über den Sechzehntelnoten streichen. Dies ist keine Triole.

"William Byrd Suite" - Druckfehler in den STIMMEN

1. Earle of Oxford’s March

  • Oboe; Takt 69, anstatt der zwei Achtelnoten eine punktierte Achtel- und eine Sechzehntelnote (in der Partitur korrekt angezeigt) 
  • Es-Klarinette; Takt 64, zweite Sechzehntelnote ist ein H
  • Altklarinette / Altsaxophon; Takt 55-56, Bindebogen fehlt (in der Partitur korrekt angezeigt)
  • Euphonium; Takt 26, sechste Sechzehntelnote muss ein klingendes H sein; im Takt 98 Akzent auf die erste Note und ein Bindebogen über die ersten beiden Achtelnoten (damit es identisch mit den Posaunenstimmen ist)
  • Tuba; Takt 57, Piano auf die Schlagzeit 1; Takt 105, alle drei Noten auf „C“ ändern

2. Pavana

  • Flöte; Takt 6; erste beide Noten sind Sechzehntel (in der Partitur korrekt angezeigt)
  • Takt 21 (5. Takt nach Ziffer 2); Altklarinette und Altsaxophon, Triller auf Fis anstatt auf Dis

3. Jhon come kisse me now

  • Es-Klarinette; Takt 81, Akzent auf der ersten Note
  • Klarinette 1 und Kornett 2; Takt 39, fünfte Achtelnote ist ein Es; die restlichen Achtel ohne Vorzeichen
  • Klarinette 2; Takt 59, erste Note muss ein C sein (in der Partitur korrekt angezeigt)
  • Altklarinette / Altsaxophon; Takt 9-10, Bindebogen fehlt (in der Partitur korrekt angezeigt)
  • Bariton; Takt 8, Artikulation muss die gleiche sein wie in Tuba, Fagott und Klarinetten

4. The Mayden’s Song

  • Flöte und Piccolo; Takt 43; zwei Achtelnoten auf die Schlagzeit 2 (in der Partitur korrekt angezeigt)
  • Solo-Klarinette; Takt 43; an der ersten Achtelnote fehlt ein Punkt (in der Partitur korrekt angezeigt)
  • Klarinette 2; Takt 16, hier sollten zwei Viertelpausen stehen
  • Kornett 1; Takt 19, nach der punktierten Achtelnote den Sechzehntelbalken setzen (in der Partitur korrekt angezeigt); Takt 63, Sechzehntelbalken von der letzten Note im Takt entfernen (in der Partitur korrekt angezeigt)
  • Kornett 2; Takt 65, Akzent ergänzen; Takt 97-98, Fortissimo und Diminuende von Takt 97 in Takt 98 verschieben
  • Posaune 3; Takt 63, statt Diminuendo Crescendo einsetzen (in der Partitur korrekt angezeigt)

5. Wolsey’s Wilde

  • Piccolo; Takt 6, Bindenbogen ergänzen (in der Partitur korrekt angezeigt)
  •  Solo-Klarinette; Takt 2, Bindebogen ergänzen (in der Partitur korrekt angezeigt); Takt 30. letzte Note muss eine Viertel sein (in der Partitur korrekt angezeigt)
  • Alt-Klarinette / Alt-Saxophon; Takt 1, Piano auf die Schlagzeit 4 (in der Partitur korrekt angezeigt); Takt 31; erste beide Noten müssen Achtel sein (in der Partitur korrekt angezeigt)
  • Kornett 2; Takt 20, Bindebogen fehlt

6. The Bells

  • Flöte; Takt 61, Sechzehntelfähnchen ergänzen (in der Partitur korrekt angezeigt)
  • Kornett 1; Takt 59, zwischen den ersten beiden Schlagzeiten Bindebogen ergänzen (in der Partitur korrekt angezeigt); in den Takten 69, 70 und 81 Sechzehntelfähnchen ergänzen (in der Partitur korrekt angezeigt)
  • Trompeten; Takte 75-79; Punkte fehlen bei allen halben und Viertelnoten (in der Partitur korrekt angezeigt)
  • Posaune 1 und 2; Takt 85; Akzente und Artikulationen wie in der Partitur
  • Takt 74; Tuba, „3“ über den Sechzehntelnoten streichen. Dies ist keine Triole.
  • Takt 50-56; Pauken, Haltebögen zwischen Wirbel (Taktzeit 1) und der darauf folgenden Achtelnote ergänzen


[1] Hafabra ist eine im Niederländischen bzw. Flämischen gebrauchte Abkürzung für die drei Grundtypen des Blasorchesters: Harmonie (Holz, Blech), Fanfare (Saxophone, Blech), Brassband (nach britischem Muster).

Die Notenbeispiele veröffentlichen wir mit freundlicher Genehmigung der edition flor sowie HAFABRA Music.

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