Pflichtstücke für das Deutsche Musikfest - Grad 2

  • 29.08.2012
  • Werkvorstellungen
  • Joachim Buch

Die Bundesvereinigung Deutscher Musikverbände (BDMV) richtet alle sechs Jahre das Deutsche Bundesmusikfest aus. Nach Trier (1989), Münster (1995), Friedrichshafen (2001) und Würzburg (2007) findet das 5. Musikfest von 9. bis 12. Mai 2013 in Chemnitz statt. Für die Wertungsspiele wurden in den Stufen 2 bis 6 je drei Wahlpflichtstücke (eine der drei Kompositionen muss als Pflichtstück vorgetragen werden) bestimmt.

Schwierigkeitsgrad 2

Die drei für diese Stufe ausgewählten Kompositionen haben zwei Gemeinsamkeiten:

  • Die Musik besitzt einen tänzerisch-folkloristischen Charakter.
  • Alle Stücke sind mit reduzierter Orchesterbesetzung spielbar.

a) Cataluña (Llano)

Dieses Stück stammt aus der Reihe „Basic Sound Instrumentation“ des Musikverlags Rundel und ist bereits ab einer Mindestbesetzung von 12 Spielern aufführbar: Flöte / Piccolo, 2 B-Klarinetten, Alt-Saxofon, 2 Trompeten, 2 Posaunen, Tenorhorn, Bariton, Tuba, 1 Percussion. Vorhanden sind aber auch Stimmen für Oboe und tiefe Holzblasinstrumente, was dem Dirigenten – je nach Besetzung seines Orchesters – vielfältige Möglichkeiten der Registrierung eröffnet.

„Cataluña“ besteht aus fünf Teilen, die ineinander übergehen (La Fiesta, La Señal, Habanera, La Corrida, La Revista) und zeichnet die Atmosphäre eines abendlichen Konzerts in einer katalanischen Stadt nach. Der Komponist Llano – Pseudonym Kees Vlaks für Stücke mit spanischem Kolorit – verwendet immer wieder Beinahe-Zitate und bleibt damit seinem (aus Sicht des Publikums zu denkenden) Grundsatz treu: „Feest der herkenning“ (Freude des Wiedererkennens).

„La Fiesta“ beginnt in einem schnellen 3er-Takt. Man mag sich das Treiben der Leute hin zum Festplatz vorstellen. Der aus zwei achttaktigen Phrasen bestehende Abschnitt (Kopfthema siehe Notenbeispiel 1) bietet die erste Möglichkeit zu kontrastreicher Registrierung.

Eine kurze Fanfare („La Señal“) leitet über zu einer „Habanera“ deren rhythmisches Begleitmuster allzu große Ähnlichkeiten mit der Begleitung der berühmtesten Habanera überhaupt hat – und wohl auch haben soll: die Auftrittsarie der Carmen in der gleichnamigen Oper von Georges Bizet (Notenbeispiel 2, ab Takt 27).

Über eine variierte Wiederholung der Einleitung (Allegro festivo) und der Fanfare geht es zum Abschnitt „La Corrida“. Die Stierkampfatmosphäre wird durch einen Paso doble dargestellt, dessen Einleitung an einen der berühmtesten Paso dobles überhaupt erinnert, an den „Spanischen Zigeunertanz“ von Pasqual Marquina (Notenbeispiel 3, ab Takt 96). Der Paso doble muss hier sehr „straight“ gespielt werden, ohne die bei den spanischen Konzert-Pasodobles üblichen agogischen Verzierungen. Er mündet in den Schlussteil „La Revista“, was in der Partitur mit „Die Parade“ übersetzt wird. Als Spielanweisung ist „Glorioso“ angegeben, aber man macht vermutlich nichts verkehrt, wenn man diesen Teil wie das Grandioso am Schluss eines Konzertmarsches spielen lässt.

b) A Western Suite (Andreas Ludwig Schulte)

Dieses dreisätzige Werk des 1969 im Emsland geborenen Komponisten Andreas Ludwig Schulte ist im Verlag Gobelinmusic in der Reihe „Easy Concert Band“ erschienen. Die Notenausgaben von Gobelinmusic werden über De Haske vertrieben.

Im Gegensatz zu „Cataluña“ ist in der Partitur ausschließlich die Mindestbesetzung angegeben. Sie umfasst zwölf Bläser- und drei Schlagzeugstimmen: Flöte, Oboe, 2 Klarinetten, Alt-Saxofon, Tenor-Saxofon, 2 Trompeten, Horn, Posaune, Bariton, Tuba, Pauke (mit Wechsel zu Glockenspiel), 2 Percussion.

Hat man bisher Musik mit „Wildwest“-Atmosphäre gesucht, die nach Möglichkeit von einem deutschen Komponisten stammen sollte, dann blieben einem bisher nur die „Winnetou“-Filmmusiken von Martin Böttcher. Diese sind – je nach Anspruch der Arrangements – aber nicht immer von Blasorchestern der unteren Leistungsstufen spielbar. Mit Andreas Ludwig Schultes „A Western Suite“ gibt es jedoch nun eine Alternative. Schon der erste Satz „The great trek to the West“ fängt mit einem charakteristischen und gut ins Ohr gehenden pentatonischen Thema an (Notenbeispiel 4).

Ein eher Legato zu spielendes Seitenthema in Klarinette und Horn (Notenbeispiel 5) übernimmt ab Takt 9 nach und nach die Führung. Synkopen im tiefen Blech leiten jedoch zu einer variierten Version des Eingangsthemas über, das ab Buchstabe F von Trompete und Horn  nicht mehr aus der Hand gegeben wird. Vier Takte vor Schluss setzt der Komponist die Quart- und Quintsprünge des Thema noch einmal imitatorisch ein (Notenbeispiel 6).

Der zweite Satz „At the Campfire“ist sehr ruhig gehalten und präsentiert nach der Einleitung eine romantische Melodie in tiefer Klarinettenlage (Notenbeispiel 7). Die aufsteigende Sexte zieht sich durch zahlreiche weitere Einsätze, bis hin zum Glockenspiel, das vom in diesem Satz pausierenden Pauker gespielt werden kann.

Der Finalsatz „Rodeo-Ride“ beginnt mit einer zaghaften Einleitung, bevor es ab Takt 7 richtig „zur Sache“ geht (Notenbeispiel 8, gespielt von Flöte, Oboe, Klarinetten und Trompeten). Ein kurzes Zwischenspiel (ab Buchstabe M) erinnert an einen Kinder-Abzählreim. Ab Buchstabe N wird das Hauptthema wieder aufgenommen, ergänzt durch einige „Stolperer“ im 5/8-Takt, bevor der Satz mit einem choralartigen Thema in den Saxofonen, Horn und tiefem Blech ausklingt (Notenbeispiel 9). Inwieweit man hier das Orchester in Richtung „grandioso“ spielen lässt. Bleibt dem Dirigenten überlassen. Übertreibungen wären hier jedoch fehl am Platze.

c) Four Old Dances (Jan Van der Roost)

Zusammen mit „Puszta“ und „Rikudim“ gehört „Four Old Dances“ zu den ersten Werken, die Jan Van der Roost kurz nach Gründung des De Haske-Verlages in der internationalen Blasmusikszene bekannt gemacht haben.

Im Gegensatz zu mach anderen Bläserwerken mit Bezug zur vorbarocken Musik handelt es sich bei dieser Suite ausnahmslos um neu komponierte Stücke, in den Worten des Komponisten in „einer Art Neorenaissance-Stil“. Das musikalische Grundgerüst in allen vier Teilen (Bourrée, Menuetto, Pavane, Gigue) ist ein vierstimmiger Satz, ergänzt um eine Schlagzeugstimme, die bis auf wenige Ausnahmen von einem einzelnen Spieler ausgeführt werden kann.

Den größten Fehler, den ein Dirigent hier machen kann, wäre, stets das ganze Orchester spielen zu lassen. Aufgrund der unterschiedlichen Charaktere der einzelnen Sätze sollte hier eine möglichst große klangliche Vielfalt angestrebt werden (vom solistischen Quartett bis zum phrasenweise Tutti), natürlich abhängig von der Besetzung des Orchesters.

Wer sich als Dirigent zum ersten Mal mit Alter Musik beschäftigt, sollte über den Charakter der jeweiligen Tänze Bescheid wissen. In der leicht und federnd zu spielenden „Bourrée“ sollte das vorgeschlagene Tempo 100 nicht nennenswert überschritten werden. Spätestens im zweiten Satz „Menuetto“ sollte man aufgrund des für diesen Tanz eher unüblichen 5/4-Taktes merken, dass es sich um neu komponierte Musik handelt. Der Schwerpunkt 3+2 bleibt den ganzen Satz über unverändert.

Was bei der „Bourrée“ über das Tempo gesagt wurde, gilt unter umgekehrten Vorzeichen auch für die „Pavane. Das Tempo 88 sollte hier – wenn überhaupt – nur unwesentlich unterschritten werden. Im Finalsatz „Gigue“ sollten allzu große Temperamentsausbrüche vermieden werden, da die Sechzehntel in der begleitenden Snare Drum bei einem zu schnellen Tempo kaum mehr voneinander abgesetzt werden können.

Notenbeispiele 10 bis 13 zeigen die Kopfmotive der jeweiligen Sätze.

Die Notenbeispiele veröffentlichen wir mit freundlicher Genehmigung der Verlage De Haske Hal Leonard und Musikverlag Rundel.

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