Peter Kleine Schaars hat das letzte Wort

Mit zehn Jahren begann Peter Kleine Schaars das Posaunespielen. Warum er sein Instrument im August erstmals nach 16 Jahren wieder in die Hand nahm, verriet uns der Dirigent und Komponist im Interview. Außerdem lüften wir das Geheimnis, warum es in Finnland ein Bier mit seinem Gesicht auf dem Etikett zu kaufen gibt...   

Wann war das letzte Mal, dass Sie »so richtig« Urlaub gemacht haben?

In diesem Sommer habe ich mit meiner ­Militärkapelle an einem Tattoo in Hamina in Finnland teilgenommen. Nach diesem Tattoo bin ich mit meiner Frau und der jüngsten Tochter zu einem dreiwöchigen Roadtrip durch Finnland aufgebrochen. Wir hatten unseren Camper und ein Kanu ­dabei und wir waren viel in und auf dem Wasser.

Wann war das letzte Mal, dass Sie König Willem Alexander getroffen haben?

Das letzte Mal habe ich ihn im Dezember 2015 gesprochen. Damals war ich Chefdirigent der Marinierskapel der Koninklijke Marine und es gab ein großes Defilé für das 350-jährige Bestehen des Marinekorps. Im Anschluss war ein Empfang und da war ich als Dirigent des Orchesters auch einge­laden – und da habe ich mich mit dem ­König unterhalten.

Wann war das letzte Mal, dass Sie etwas Verbotenes getan haben?

Regelmäßig: Ich fahre abends spät nach der Probe oft ein bisschen zu schnell nach Hause. Auto fahren ist kein Spaß in Holland. (lacht) 

Wann war das letzte Mal, dass Sie gedacht haben: Hätte ich mal lieber »etwas Ordentliches« gelernt?

Ich habe »etwas Ordentliches« gelernt: Musik! Es ist nur schade, dass die Arbeit, die die Musiker machen, nicht immer so »ordentlich bezahlt« wird. Ich bin ein glücklicher Musiker, der es schon 30 Jahre schafft, nur mit Musik seine Familie zu ernähren. Und nebenbei denke ich aber immer: lieber nicht so reich, aber glücklich! Ich liebe es, andere glücklich zu machen mit der Musik, die ich spiele, komponiere oder dirigiere. 

Wann war das letzte Mal, dass Sie sich über eine Niederlage der deutschen Fußballnationalmannschaft gefreut haben?

Nie. Ganz ehrlich… Fußball interessiert mich überhaupt nicht und ich finde es ­schade, dass Geld der Gemeinschaft dafür ausgegeben wird. Ich bin auch Dirigent ­eines holländischen Polizeiorchesters, das 40 Tage im Jahr zu Proben und Konzerten zusammenkommt. Ein Aufeinandertreffen von Ajax und Feyenoord kostet die Polizisten mehr Stunden als das ganze Orchester in einem Jahr!

Wann war das letzte Mal, dass Sie sich wünschten, in einer anderen Zeit/Epoche geboren worden zu sein? 

Das denke ich oft. Ich finde die 30er und 40er Jahre, als sich der Jazz entwickelte, unglaublich interessant. 

Wann war das letzte Mal, dass Sie eine Schreibblockade hatten?

Mein Problem ist eher nicht die Blockade, sondern vielmehr die Zeit. Von 2013 bis 2017 war ich Dirigent der Marinierskapel der Koninklijke Marine. Ich habe vier Jahre lang fast 70 Stunden pro Woche für das Orchester gearbeitet und keine Note ge­schrieben. Mit meinem neuen Orchester, dem Trompetterkorps der Koninklijke ­Marechaussee, ist es wieder ein bisschen »normaler« und habe ab und zu Zeit, etwas zu schreiben. 

Wann war das letzte Mal, dass Sie einen Rat von Jan Cober befolgt haben?

Ich habe Jan schon lange nicht mehr ge­sehen, aber er hat mir während meines Dirigenten­studiums eine sehr gute Basis gelegt, die auch heute noch täglich in jeder Probe zu sehen ist. 

Wann war das letzte Mal, dass Sie Po­saune gespielt haben?

Ich habe 2002 als Profi-Posaunist der Ma­rinekapelle aufgehört. Danach ist meine Posaune im Schrank gelandet und ich habe niemals wieder gespielt – bis zum vergangenen August in Finnland. Nach 16 Jahren hat der 1. Posaunist meines Orchesters mich aufgefordert, ein Solo mit unserer Bigband zu spielen. 

Wann war das letzte Mal, dass Sie sich Ihr »eigenes« Bier in einem finnischen Supermarkt gekauft haben? 

Ja, das war supertoll! Beim Tattoo in Hamina wird Bier gebraut und auf den Etiketten stehen die Dirigenten der teilnehmenden Orchester. Das ist ein schönes Souvenir und ich muss ehrlich sagen: Ich schmecke gut!

Wann war das letzte Mal, dass Sie über einen Musiker-Witz gelacht haben?

Wir Musiker lachen gerne – auch über uns selbst. In fast jeder Probe gibt es einen lustigen Musikerwitz.

Wann war das letzte Mal, dass Sie segeln waren? 

Ich bin gerne auf dem Wasser und mache mir dort gerne »den Kopf frei«. Wir haben selbst ein kleines Segelboot und sind in diesem Sommer oft gesegelt. 

Peter Kleine Schaars

Geboren am 10. August 1962 in Deventer, beginnt er mit zehn Jahren das Po­saunespielen beim örtlichen Musikverein. Sein vielfältiges musikalisches Interesse resultiert schließlich im Studium klassischer sowie Jazz-Posaune, Komposition und Dirigat. 

Von 1989 an ist er Posaunist, Arrangeur und Dirigier-Assistent der Marinierskapel der Konin­klijke Marine. 2002 macht er sich als Komponist und Dirigent selbstständig und reist über zehn Jahre um die Welt, übernimmt bei vielen sinfonischen Blas­orchestern Gastauftritte. In der Zeit hat er über 250 CDs produziert. 

2013 wird er dann Dirigent und künst­lerischer Leiter der Marinierskapel der Koninklijke Marine. Seit 2017 ist er nun Dirigent und künstlerischer Leiter des Trompetterkorps der Koninklijke Marechaussee.

  • 19.12.2018
  • Das letzte Wort
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 11/2018
  • Seite 72-73

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