Pepe Lienhard hat das letzte Wort

  • 28.11.2017
  • Das letzte Wort
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 11/2017

Pepe Lienhard ist eine echte Bühnenlegende - nächstes Jahr feiert er mit seiner Big Band sein 50-jähriges Bühnenjubiläum als Profi. Im Interview sprachen wir mit ihm über Udo Jürgens, den Eurovision Song Contest, das Fagott und klären augenzwinkernd die Frage, was eine kleine Sekunde ist...

Wann war das letzte Mal, dass Sie so richtig Urlaub gemacht haben?

Im Mai war ich zwei Wochen in Singapur und Thailand. Mal richtig weg vom Showbusiness! Im Sommer aber bin ich immer in der Schweiz. Wir haben ein schönes Haus auf dem Land und wir genießen hier das schöne Wetter. Da muss man nicht weg. Ohne Musik geht es aber nie!

Wann war das letzte Mal, dass Sie "Swiss Lady" aus dem Jahre 1977 gespielt haben?

Das war beim letzten Gig mit meiner anderen Band – ich habe ja zwei Formationen –, mit der wir Galas und Bälle spielen. Da spielen wir "Swiss Lady" immer. Das ist ein Muss. Damals – 1977 – mussten wir das jeden Tag zwei bis drei Mal spielen und da hatte ich ein bisschen die Schnauze voll davon. Aber ich verdanke dem Lied sehr viel und ich habe davon profitiert.

Durch den Eurovision Song Contest bin ich bekannt geworden. Apropos Eurovision Song Contest: Schon damals haben alle geflucht – und es trotzdem geguckt. Heute ist es nicht anders... Wenngleich damals in erster Linie die Songs beurteilt wurden. Heute hat die Szene sich verändert. Sie ist wesentlich visueller geworden. Heute kann man vielleicht bestimmte Songs gar nicht singen – aber man weiß, welches Kleid Rihanna bei diesem Song anhat...

Wann war das letzte Mal, dass Sie gedacht haben: Hätte ich mal lieber "was Ordentliches" gelernt?

Ich habe es nie bereut, Musiker zu sein. Am Anfang haben wir schon ein paar harte Zeiten gehabt, als es nicht so optimal lief und wir uns den Weg erkämpfen mussten. Aber in der Band waren wir immer Freunde und hatten trotzdem gute Zeiten. Ich habe zwar vier Semester Jura studiert – aber das war eher meinem Vater zuliebe...

Wann war das letzte Mal, dass Sie sich gewünscht hätten, in einer anderen Zeit geboren worden zu sein?

Natürlich war es für die Bigbands in den 40er Jahren besser, aber ich habe dank meines hohen Alters noch eine sehr gute Live-Zeit miterlebt. In den 60er und 70er Jahren war Live-Musik noch richtig angesagt. Wir haben im Fernsehen über 100 Sendungen gemacht – und zwar live! Für eine junge Band heute ist es sehr viel schwieriger, sich als Live-Band einen Namen zu machen.

Sie haben mit zahlreichen Künstlern "gemeinsame Sache" gemacht. Wann war das letzte Mal, dass Sie gedacht haben: "Der fehlt mir noch!"?

Mir hat noch nie einer gefehlt. Es ist ja keine Kollektion à la "Wie viele Frauen hatte ich?" Ich hatte das Glück und die Ehre, mit vielen tollen Musikern zu arbeiten: Frank Sinatra, Sammy Davis und viele andere. Wir waren da, wenn die Gelegenheit kam, und wir waren gut genug, um den Job zu machen.

Es war auch viel Glück dabei und ich bin sehr dankbar. Ich könnte jetzt sagen: Ich habe noch nie mit Liza Minelli gespielt. Natürlich würde ich das gern tun. Ich würde gern mit Barbra Streisand, die ich wirklich verehre, zusammenarbeiten. Letzten Sommer haben wir wieder mit Quincy Jones gespielt. Ich meine: Was will man mehr als Musiker?

Wann war das letzte Mal, dass Sie ein neues Instrument gelernt haben?

Das ist schon ein paar Jahre her, aber das habe ich schwer bereut. Udo hatte damals einen Song geschrieben: "Der Mann mit dem Fagott". Das Solo auf der Platte spielt der Fagottist der Berliner Philharmoniker. Wunderbar natürlich. Als dann die Tourneebesprechung war, wollte man natürlich für acht Takte keinen Fagottisten mitnehmen. Und da habe ich dann zugestimmt, mir ein Fagott zu kaufen. Aber die Geschichte war dann noch nicht fertig. Ich musste das ja erst noch lernen.

Ich habe mir eine Grifftabelle gekauft und dachte, weil ich ja ein bisschen Oboe spiele, wird das schon passen. Es ging gar nicht! Einen Monat vor der Tour habe ich mir eine Fagottlehrerin gegoogelt und sie angerufen. Fagott lernen mal eben sei nicht so einfach, sagte sie. Das habe ich gerade gemerkt, war meine Antwort. Sie sagte: "In einem Monat? Das können Sie vergessen!"

Ich hab es dann trotzdem auf eigene Verantwortung versucht und habe auf Tour jeden Abend Blut geschwitzt. Für den Daumen gibt es zehn verschiedene Klappen! Und wehe, du erwischst die falsche! Für die Band aber war das immer sehr lustig...

Wann war das letzte Mal, dass Sie eine Wiedervereinigung der "College Stompers" in Erwägung gezogen haben?

Ernsthaft natürlich nicht. 1958 haben wir die "College Stompers" gegründet. Das ist also bald 60 Jahre her. Ich weiß noch, dass die Polizei gleich bei der ersten Probe gekommen ist, weil wir bei offenem Fenster geübt haben.

Im nächsten Frühling werde ich die alten Jungs mal wieder zusammentrommeln. Es kann sogar gut sein, dass wir eine kleine Session machen. Ich habe mit den alten Kollegen aus meiner Heimat noch immer Kontakt. Wenn ich im Aargau spiele, lade ich immer alle ein.

Wann war das letzte Mal, dass Sie über einen Musikerwitz gelacht haben?

Das ist noch nicht so lange her. Das war vor zwei Wochen. Es war ein kurzer Witz: Was ist eine kleine Sekunde? Das ist, wenn zwei Bratschen unisono spielen. Den hab ich dann auch gleich auf der Bühne gebracht.

Wann war das letzte Mal, dass Sie an Udo Jürgens gedacht haben?

Natürlich heute beim Konzert, aber ich denke wohl jeden Tag an Udo. Wir hatten so viel gemeinsam. Gespielt habe ich mit ihm 37 Jahre, aber die letzten zwei, drei Jahre hat er ja in Gottlieben gelebt, eine gute Viertelstunde von mir entfernt. Wir haben da sehr viel privat unternommen und uns viel unterhalten.

Über Pepe Lienhard

Wir treffen Pepe Lienhard in der "Halbzeitpause! seines Bigband-Konzerts in Luzern. Völlig unkompliziert und völlig nahbar. Bemerkenswert bei einem Künstler von, ja das muss man so sagen, Weltruhm.

37 Jahre lang stand er mit Udo Jürgens auf der Bühne. ­Musik macht er Zeit seines Lebens. Nach den Anfängen mit den "College Stompers" und ­einem sechsten Platz beim Eurovision Song Contest 1977 leitet Lienhard heute zwei Bands. Bis 2011 war er zudem Leader der Swiss Army Big Band.

www.pepelienhard.ch

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