Oberst Michael Schramm hat das letzte Wort

Die CLARINO-Serie "Sie haben das letzte Wort" ist zwar in Interview-Form gehalten, sie soll aber einmal andere Fragen beinhalten, als man sie aus "normalen" Interviews kennt. Durch ungewöhnliche und nicht alltägliche Fragen will die Redaktion Neues vom Künstler erfahren. Die Fragen beginnen immer gleich. Wir sind gespannt auf nicht immer gleiche Antworten…

Wann war das letzte Mal, dass Sie ein Blasinstrument gespielt haben?

Weihnachten vor drei Jahren: Blockflöte unterm Christbaum. Da waren wir bei meinen Schwiegereltern und die haben kein Klavier. Normalerweise spiele ich nämlich immer Klavier zu Weihnachten.

Wann war das letzte Mal, dass Sie "so richtig" Urlaub gemacht haben?

Im Oktober war ich eine Woche in Südtirol. Das war ein sehr schöner Wanderurlaub mit der Familie.

Wann war das letzte Mal, dass Sie in Ihrer Geburtsstadt Stuttgart waren?

Indirekt vor etwa drei Monaten, weil ich durchgefahren bin... Aber meine Mutter wohnt in der Nähe von Stuttgart. Das heißt, in der Nähe ist man öfters. Ab und zu geht man dann nach Stuttgart zum Einkaufen. Ich kenne Stuttgart auch noch mit Ruinen, als ich ein kleiner Junge war. Ich kann mich noch genau daran erinnern. In den 1950er Jahren war Stuttgart noch lange nicht heil.

Wann war das letzte Mal, dass Sie sich gewünscht haben, einen "ordentlichen Beruf" erlernt zu haben?

Noch nie, denn ich habe einen ordentlichen Beruf. Ich könnte ja sagen, in meinem nächsten Leben möchte ich etwas anderes machen, etwas anderes kennenlernen. Aber ich würde diesen Beruf jederzeit wieder ergreifen. Ich hatte sogar mal überlegt, Arzt zu werden. Als Musiker kann man sich immer mit den schönen Dingen beschäftigen, während man sich als Arzt den traurigen widmen muss. Ich habe in Stuttgart dann drei Semester Kirchenmusik studiert und mich an meine Musikkorpszeit in Stuttgart erinnert, wo ich Geiger, Hornist und Pianist war. Dirigieren und Klavier habe ich dann an der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf studiert und bin bereits während des Studiums wieder in die Bundeswehr eingetreten. Unterm Strich war es in den meisten Fällen schön.

Wann war das letzte Mal, dass Sie ein Held aus einer antiken Sage sein wollten?

Noch nie.

Wann war das letzte Mal, dass Sie über Otto Jahns Musikästhetik und Musikkritik nachgedacht haben?

Vorgestern. Weil es mir immer um die Einordnung der Konzertanz in unsere Gesellschaft geht. Und da ist Jahn ganz entscheidend.

Wann war das letzte Mal, dass Sie jemandem erklären mussten, was "sinfonische Blasmusik" ist?

Heute. Und zwar innerhalb der Bundeswehr. Es ging um das Thema »Teilzeit in der Militärmusik«, und schon waren wir in den Orchestern. 50 Musiker und ein Dirigent: Woran arbeitet man da? Und es darf keiner fehlen. Und schon waren wir beim sinfonischen Blasorchester. 

Wann war das letzte Mal, dass Sie etwas Verbotenes getan haben?

Als ich Nüsse unterm Tisch gegessen habe. Und heute morgen bin ich zu schnell gefahren.

Wann war das letzte Mal, dass Sie die Klischees der Rheinländer bestätigt fanden?

Das wird wohl im letzten Karneval gewesen sein.

Wann war das letzte Mal, dass Sie auf dem Cannstatter Wasen waren?

Oh. Mit meinem Vater. Das dürfte so 1970 gewesen sein, vor über 40 Jahren. Ich war noch nie auf dem Oktoberfest und ich habe auch nicht unbedingt vor, das zu tun in diesem Leben. Es sei denn, meine Kinder wollen dort unbedingt mal hin. Bei uns auf dem Dorf ist eine Kirmes mit einem Karussell und einer Schießbude. Cannstatter Wasen, Oktoberfest – nein, das ist nicht meine Welt. Die Welt meines Vaters war das aber auch nicht. Ich habe dann mit 13 so gedrängelt und mein Vater hat die ganze Zeit ein unzufriedenes Gesicht gemacht. Ich find’s klasse, dass er es gemacht hat.

Wann war das letzte Mal, dass Sie über einen Musiker-Witz gelacht haben?

Ich habe den erzählt und über meinen eigenen Witz gelacht: Der Dirigent unterbricht. »Die dritte Geige von rechts ist ein ganz klein wenig zu tief.« Wieder Abbruch. »Das muss an dieser Stelle Fis sein!« Plötzlich haut mittendrin der Pauker drauf. »Wer war das?«

Wann war das letzte Mal, dass Sie wünschten, in einer anderen Zeit/Epoche geboren worden zu sein?

Noch nie. Das einzig gute an der guten alten Zeit ist, dass ich sie nicht miterleben muss. Das ist meine tiefste Überzeugung. Ich bin gottfroh, heute zu leben. 

Oberst Michael Schramm

Am 17. Februar war es dann tatsächlich so weit. Oberst Dr. Michael Schramm feierte in der Luftwaffenkaserne Köln-Wahn seine "Zurruhesetzung". Der 1953 in Stuttgart Geborene absolvierte seine Wehrpflichtzeit beim Heeresmusikkorps 9 und studierte anschließend Kirchenmusik an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart sowie Dirigieren und Klavier an der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf. Bereits während des Studiums trat er wieder in die Bundeswehr ein. Er war 2. Musikoffizier beim Heeresmusikkorps 4 Regensburg, beim Stabsmusikkorps der Bundeswehr in Siegburg und übernahm 1985 die Leitung des Heeresmusikkorps 6 Hamburg. 1991 wurde er als Chef des Ausbildungsmusikkorps der Bundeswehr mit der praktischen Verantwortung für die Schulung des gesamten Musikernachwuchses der Bundeswehr betraut. Ein Studium der Musikwissenschaft, Sprachwissenschaft und Medienwissenschaften schloss er mit der Promotion über "Otto Jahns Musikästhetik und Musikkritik" ab. 1995 wurde er Chef des Stabsmusikkorps der Bundeswehr in Siegburg, das seit 2000 seine heutige Bezeichnung "Musikkorps der Bundeswehr" trägt. Seit Oktober 2001 war Oberst Dr. Schramm Leiter des Militärmusikdienstes der Bundeswehr und seit Juli 2009 Leiter des neu aufgestellten "Zentrums für Militärmusik der Bundeswehr".  

Ein Resümee über seine Zeit als Leiter des Militärmusikdienstes der Bundeswehr zieht Oberst Schramm übrigens auch im Interview mit CLARINO-Chefredakteur Klaus Härtel, das Sie hier downloaden können.

  • 03.03.2016
  • Das letzte Wort
  • Klaus Härtel

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