Übungsdämpfer »Mute Tube«: Die mobile Schallschutzkabine für Trompete im Test

Foto: Sebastian Hommer

Wenn Holzbläser ihre monatliche CLARINO durchblättern und auf Seiten wie dieser hier landen und sich Fotos wie diese hier ansehen, schmunzeln sie vielleicht manchmal in sich hinein und denken sich, was die Kollegen Blechbläser doch für lustige Gesellen sind. Und zugegebenermaßen erscheint der Übungsdämpfer »Mute Tube« auf den ersten Blick tatsächlich ein bisschen skurril. Bis man ihn ausprobiert hat.

Ein Übungsdämpfer ist für Blechbläser eigentlich ein unverzichtbares Utensil. Zu Hause und auf Reisen sorgt er dafür, dass der Musiker ungestört üben kann – und dass vor allem sonst niemand gestört wird, wenn der Musiker übt.

Klar: Ausschließlich mit Dämpfer üben geht nicht. Dagegen sprechen eine ganze Reihe von Gründen: Dämpfer greifen in die Luftsäule des Instruments ein und verändern das Spiel. Intonation, Ansprache, Artikulation, der Luftfluss – alles funktioniert nicht in derselben Weise wie ohne Dämpfer. Und je nach Ausführung des Dämpfers verändert der Trainingshelfer auch die Statik des Instruments, und beispielsweise die Trompete wird recht becherlastig.

Unter der Bezeichnung »Mute Tube« wurde der Redaktion ein Übungsdämpfer zur Verfügung gestellt, der einen anderen Ansatz verfolgt als herkömmliche Übungsdämpfer. Der »Mute Tube« (wahrscheinlich müsste es eher DIE »Mute Tube« heißen, wir bleiben aber bei »DER Übungsdämpfer ›Mute Tube‹«) ist wie eine mobile Schallschutzkabine konzipiert und verspricht nahezu perfekten Schallschutz bei gleichbleibendem Spielgefühl. Martin Ehlich hat den »Mute Tube« für CLARINO getestet und gelangt zu einem gemischten Fazit.

Prinzip und Aufbau

»Das ist schon eine beeindruckende Kiste, in der der ›Mute Tube‹ geliefert wird«, lacht der Tester. Der Aufbau selbst ist dann einfach und schnell passiert. In der Grundausrüstung genügt der »Mute Tube« selbst: Im Prinzip handelt es sich um eine unten geschlossene Röhre, die mit schallabsorbierenden Elementen ausgekleidet ist.

Oben ist die Röhre geöffnet – in diese Öffnung kommt beim Üben dann der Schalltrichter der Trompete. Mit Standfüßen lässt sich der »Mute Tube« leicht schräg beispielsweise auf einem Tisch aufstellen, und die Übesession kann beginnen.

Tatsächlich erfüllt der »Mute Tube« im Test seinen hohen selbst gesteckten Anspruch: Das Spielgefühl in der Röhre ist nahezu perfekt, lediglich wenn man mit dem Instrument sehr weit in die Röhre hineingeht, steigt der Blaswiderstand geringfügig an. Dazu später mehr.

Zubehör und Verwendung

Wer nicht immer nur in der Küche oder auf dem Esstischstuhl sitzend üben möchte, hat die Möglichkeit, den »Mute Tube« mit ein paar separat erhältlichen Zubehörteilen »aufzurüsten«: Zu empfehlen ist hier das Stativ, auf das der »Mute Tube« mittels eines Adapters aufgesteckt werden kann.

Mit dieser Vorrichtung können Höhe und Neigungswinkel der mobilen Schallschutzkabine auf die individuellen Bedürfnisse eingestellt werden. Dadurch ist sichergestellt, dass wirklich jeder Trompeter diese Kabine benutzen kann.

Ebenfalls erhältlich ist ein Notenpult, das mit einer Schraubverbindung direkt auf dem »Mute Tube« angebracht werden kann.

»Mute Tube« als Recording-Kabine

Der Clou am »Mute Tube« ist im Inneren zu finden: Dort kann eine Mikrofonhaltevorrichtung angebracht werden, sodass der »Mute Tube« auch als Recording-Kabine verwendet werden kann.

Über Erfolg und Misserfolg einer Aufnahme in dieser Ka­bine entscheidet dann vermutlich nicht zuletzt die Auswahl des richtigen Mikrofons. Dieses Feature hat Tester Martin Ehlich nicht ausprobiert.

Probleme mit der Drehventil-Instrumenten

Ein auftauchendes Problem für Flügelhornisten oder Spieler von Drehventiltrompeten ist die Öffnung des »Mute Tube«. Die Verwendung des »Mute Tube« mit einer Périnetventiltrompete ist überhaupt kein Problem.

Eine Drehventiltrompete kann aufgrund ihrer Bauart nur wenige Zentimeter tief in die Öffnung eingeführt werden, dann steht der Stimmzug an. Tiefer hinein kommt man nur, wenn man das Instrument schräg hält. Mit einem Flügelhorn wird der Einsatz noch schwieriger.

Auf Nachfrage beim Hersteller wird allerdings deutlich, dass dies nicht alle Nutzer des »Mute Tube« als Problem erachten: »Dies wird von den uns bekannten Anwendern keineswegs als Einschränkung empfunden.« Aber klar: Je tiefer man das Instrument in die Öffnung einführt, desto mehr Schall wird absorbiert.

Wenig Bewegungsspielraum

Als Problem kann die Bewegungsfreiheit auftauchen: Viel Bewegungsspielraum lässt der »Mute Tube« seinem Benutzer wahrlich nicht. Ganz im Gegenteil. Man sollte tatsächlich versuchen, sich beim Spielen so wenig wie möglich zu bewegen, um nicht mit dem Rand des Schallbechers irgendwo anzustoßen und sich im schlimmsten Fall die Trompete selbst von den Lippen »wegzurempeln«.

»Die Kritik an der eingeschränkten Bewegungsfreiheit ist selbstverständlich berechtigt«, fügt der Hersteller an. »Allerdings beurteilen dies mehrere Musikpädagogen als durchaus positiv, weil es hilfreich sein kann, sich unnötige Bewegungen abzugewöhnen.«Soll der »Mute Tube« mit dem optionalen Notenpultaufsatz verwendet werden, kann der Trompeter sein Instrument nicht sehr weit in die mobile Schallschutzkabine einführen. Tut er es doch (um größtmöglichen Schallschutz zu erzeugen), hat er die Noten so nah vor dem Gesicht, dass es schwierig werden dürfte, ein ganzes Notenblatt zu überblicken – weitsichtige Musiker dürften hier ohnehin vor großen Schwierigkeiten stehen.

Überzeugende Vorzüge

»Je nachdem, wie weit man mit der Trompete in den ›Mute Tube‹ hineingeht, steigt aber auch der Grad der Schallabsorption«, gibt Tester Martin Ehlich zu Protokoll. Wenn es also einmal wirklich leise werden soll außerhalb des »Mute Tube«, kann man das leicht erreichen, wenn man die Trompete tiefer hineinsteckt in die mobile Schallschutzkabine.

»Die Vorzüge des ›Mute Tube‹ sind wirklich überzeugend: Anders als mit herkömmlichen Übungsdämpfern bleibt das Spielgefühl ganz frei, das Intonationsverhalten des Instruments ändert sich nicht, die Artikulation bleibt wie gewohnt, und vor allem bleiben Spielgefühl, Intonation, Blaswiderstand und Artikulation über alle Lagen erhalten.

Bei manch anderem Übungsdämpfer kann es schon mal passieren, dass in der hohen oder tiefen Lage das Spielgefühl komplett anders ist als ohne. Dann hat man zwar die Muskulatur trainiert, aber hundertprozentig erfolgreich ist das Üben nicht. Das ist aber schließlich ja auch der Grund, warum man nicht ausschließlich mit Dämpfer üben sollte«, gibt der erfahrene Trompeter und Instrumentalpädagoge zu bedenken.

»Das einzige, was sich im Vergleich zum Üben ohne Dämpfer auch beim ›Mute Tube‹ ändert, ist naturgemäß der Klang. Ohne Raum, in dem sich der Klang entfalten kann, kann ich den Klang auch nicht beurteilen und daran arbeiten. Für die Klangarbeit ist also das Üben ohne Dämpfer im Raum immer noch alternativlos.«

Preis und Fazit

Bei allen positiven und nicht ganz so positiven Aspekten bleibt der Preis sicher ein Grund für oder gegen den Kauf eines »Mute Tube«-Systems: Die Grundausführung schlägt im »Mute Tube«-Onlineshop mit 299 Euro zu Buche. Der Aufsteck-Neige­adapter, mit dem der »Mute Tube« auf das Dreibeinstativ (24,90 Euro) gesteckt werden kann, ist für 27,20 Euro zu haben. Das optionale Notenpult wird für 19,90 Euro angeboten. Für das Komplettpaket werden 371 Euro aufgerufen.

»Ob einem Trompeter der ›Mute Tube‹ zu diesem Preis das Geld wert ist, muss sicher jeder für sich entscheiden«, weiß Martin Ehlich. »Sicher ist das ein wirklich tolles Teil, das das Üben mit Dämpfer sehr viel angenehmer macht als ein herkömmlicher Übungsdämpfer.«

www.mute-tube.com

Der Tester Martin Ehlich,

Jahrgang 1987, erhielt 1996 ersten Trompetenunterricht. Im Jahr 2001 wurde er als Privatschüler von Prof. Horst Eichler aufgenommen und in den folgenden Jahren nahm er Unterricht bei Marcus Graf an der Musikschule Schongau.

Danach begann er sein Trompetenstudium bei Prof. Uwe Kleindienst an der Musikhochschule Augsburg, das er 2011 mit dem Masterstudium abschloss. 2013 erhielt er einen Lehrauftrag am Leopold-Mozart-Zentrum der Universität Augsburg und spielt seit 2015 beim Polizeiorchester Bayern, außerdem ist er unter anderem bei der Gruppe »Alpenblech« aktiv.

  • 26.08.2019
  • Test
  • Martin Hommer
  • Ausgabe: 9/2019
  • Seite 18-19

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