Musikmesse: Beim nächsten Mal wird alles anders...

Dass es »so« nicht weitergehen könne, war ja schon im Vorfeld der Musikmesse in Frankfurt zu hören gewesen. Schließlich hatten einige namhafte Hersteller die Reise an den Main gar nicht erst angetreten. Der amerikanische Gitarren-Hersteller Fender oder die komplette Buffet Group im Blasmusikbereich waren prominente Namen auf der Liste der nicht anwesenden Firmen. »Ich hoffe, dass die Messe das merkt«, erzählte ein Aussteller im Gespräch. »Es muss sich dringend etwas ändern!« Und die Facebook-Einträge sprechen eine ähnliche Sprache: »Ich besuche die Messe seit vielen Jahren. In den letzten Jahren musste ich leider feststellen, dass es mit dem Angebot kontinuierlich bergab ging. Dass diesmal sogar Fender und wei­tere spannende Hersteller komplett gefehlt haben, gab mir doch sehr zu denken. Wenn es so weitergeht, war dies sicher mein letzter Besuch der Musikmesse!«

»Nach vier Tagen voller musikalischer und effektvoller Highlights enden am Samstagabend die internationalen Branchenmessen Musikmesse und Prolight + Sound erfolgreich auf dem Frankfurter Messegelände«, heißt es im offiziellen Schlussbericht – was ein bisschen nach »weiter so...« klingt. »Mehr als 108 000 Besucher aus 146 Ländern bekamen ein Feuerwerk aus Produktneuheiten, Stars und Events von 2257 Ausstellern präsentiert«, sagt Detlef Braun, Geschäftsführer der Messe Frankfurt. »Musikmesse und Prolight + Sound haben ihre Rolle als Impulsgeber für aktives Musizieren, Event-Inszenierung und für effektive Geschäftsanbahnungen bestätigt.«

Die Frage bleibt, wie diese Zahlen allerdings für die Blasinstrumentenbranche zu bewerten sind. Denn schließlich werden die Zahlen beider Messen zusammen in einen Topf geworfen. Dass »die Veranstaltungswirtschaft boomt«, wie es im Schlussbericht heißt, bezieht sich dabei vor allem auf die Messe Prolight + Sound, denn diese »präsentierte auch in diesem Jahr alles, was ein Event zu einer spektakulären Veranstaltung macht«. Fakt ist, dass in der Halle 3.0 – die sich die Bläser mit Schlagzeugern und Percussionisten teilen durften – weniger Aussteller auf insgesamt kleinerer Fläche verteilt waren. Dadurch wirkte der Bereich gut ausgefüllt, Besucher konnten auf kürzere Wege bauen. Fehlende Hersteller bedeuteten aber auch: mehr und vor allem konstruktive Gespräche bei den »kleinen« Herstellern, wie ein japanischer Firmeninhaber bestätigt. Negativ erschien durchweg allerdings die Lautstärke. Das Wort »Krawallhalla« machte hier die Runde.

Einem großen Resümee mit kritischem Ansatz hat die Musikmesse allerdings schon nach dem ersten Messetag den Wind aus den Segeln genommen: Denn beim nächsten Mal wird alles anders... Die Pressemitteilung verspricht: »Messe Frankfurt sichert Zukunftsfähigkeit der Musikmesse und Prolight + Sound mit neuem Messekonzept ab 2016«. Darin heißt es: »Das Marktumfeld rund um Musik ist schwieriger geworden. Dazu zählen das veränderte Freizeitverhalten und daraus resultierende Kaufkraftverluste. Deshalb arbeitet die Messe Frankfurt schon seit geraumer Zeit an einem neuen Konzept, um die Zukunftsfähigkeit der Musikmesse zu sichern.« Konkret: Die Musikmesse wird ab 2016 für alle Aussteller und Besucher zu einem vibrierenden Musikerlebnis.

Das neue Messekonzept fokussiert gleichermaßen auf die Stärkung der Geschäftsanbahnung zwischen Industrie und Fachhandel sowie auf völlig neue Kontaktflächen zwischen Herstellern und Endverbrauchern. Um Musikinteressierte aller Altersklassen anzusprechen, wird die Musikmesse an allen Tagen für Endverbraucher geöffnet sein. Von »Classic meets Jazz« über »Rock meets Pop« bis hin zu »Electro meets Recording« präsentiert sich die gesamte Bandbreite der Musikinstrumente und verbundener Dienstleistungen in drei musikstilspezifischen Erlebniswelten. In jeder der drei Erlebnishallen wird es ein inszeniertes Areal geben mit Live-Bühne für Musik von Top Acts, musikalischer Erlebnisgastronomie, Lounge für Treffen mit Stars und Branchengrößen sowie mit einer Wissensplattform für Erfahrungsaustausch und fachmännische Beratung. An den Ständen der Aussteller haben die Privatbesucher zudem zahlreiche Möglichkeiten, Instrumente anzufassen und zu testen. »Das neue Konzept soll Musik für Endverbraucher mit allen Sinnen erfahrbar machen. Damit tragen wir einen weiteren Teil zur Förderung des aktiven Musizierens bei«, sagt Stephan Kurzawski, Geschäftsleiter der Messe Frankfurt Exhibition GmbH. »Zudem schaffen wir für die Industrie neue Kontaktpunkte, die sie von uns als Messeveranstalter einfordern.«

Der Fachmessefokus bleibt trotz Privatbesucheröffnung bestehen und wird weiter ausgebaut. Mit der Etablierung einer exklusiven Businesshalle, zu der nur der Fachhandel Zutritt hat, erhalten Fachbesucher und Aussteller mehr Raum und Kontaktflächen für ungestörte Geschäftsgespräche. Die Musikmesseveranstalter wollen den Businesscharakter zusätzlich stärken mit Aktivitäten für eine aktive Geschäftsanbahnung und mit attraktiven Weiterbildungsangeboten und Vorteilsprogrammen für Fachbesucher. Um das neue Konzept umzusetzen, wird die Musikmesse ab 2016 in das Westgelände der Messe Frankfurt ziehen und die Hallen 8, 9 und 11 belegen.

Ab 2016 wird sich auch die Tagesfolge beider Messen ändern. Die Prolight + Sound beginnt bereits am Dienstag und endet am Freitag. Die Musikmesse beginnt am Donnerstag und endet privatbesucherfreundlich am Sonntag. Ebenfalls werden die Öffnungszeiten geändert: Die Messen sind täglich von 10 bis 19 Uhr geöffnet. Die nächste Prolight + Sound findet vom 5. bis 8. April 2016 statt. Die nächste Musikmesse findet vom 7. bis 10. April 2016 statt. Wenngleich das neue Konzept noch keine Luftsprünge bei den Ausstellern auslöste, wurde dennoch wohlwollend registriert, dass die Messeverantwortlichen reagieren.

Musikmesse Frankfurt 1990

Wir haben uns gefragt, wie das eigentlich vor 25 Jahren war und haben deshalb in unserem Archiv nachgelesen. Im Nachbericht zur Messe 1990 ist die Rede von einer "der besten Musikmessen der letzen Jahre" mit "90 Prozent Zufriedenheitsgrad bei den Ausstellern". Den vollständigen Bericht können Sie in der PDF-Datei lesen.

Dateien:

  • 13.05.2015
  • 25 Jahre CLARINO
  • Klaus Härtel

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