Michael Heitzler hat das letzte Wort

Schon mit sieben Jahren war Michael Heitzler klar, dass er einmal Saxofonist und Klarinettist werden würde. Was der Auslöser dafür war, ob Posaune vielleicht die vernünftigere Variante gewesen wäre und in welchen Situationen ihm immer wieder klar wird, dass Musik die Welt verändern kann - darüber sprachen wir mit ihm im Interview.

Wann war das letzte Mal, dass Sie mit jemandem diskutiert haben, dass man »so was« mit Klezmer-Musik doch nicht machen dürfe?

Ist mir bis jetzt noch nicht passiert.

Wann war das letzte Mal, dass Sie »so richtig« Urlaub gemacht haben?

So richtig zwei bis drei Wochen am Stück? Das ist sicher schon 20 Jahre her. Da bin ich mit dem Auto von New York nach Seattle gefahren.

Wann war das letzte Mal, dass Sie etwas Verbotenes getan haben?

Etwas Verbotenes…? Ich…?!

Wann war das letzte Mal, dass Sie in Umkirch waren?

Gerade erst vor kurzem. Wir hatten ein Doppelkonzert mit Brassociation, dem Blechbläserquintett des Musikvereins Umkirch, in dem ich musikalisch groß geworden bin, und meiner Band. Mein Vater und mein Bruder spielen in diesem Quintett, und als wir zum Schluss des Konzerts noch ein Stück zusammen gespielt haben, war das ein großartiger Moment und sehr emotional, und dazu hieß das Stück dann auch noch »Those were the Days«! Und um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, taucht plötzlich mein bester Freund aus dem Studium in Freiburg, Nicola Miorada, auf. Die Freude war unbeschreiblich und ausgesprochen »ausdrucksvoll« artikuliert!

Wann war das letzte Mal, dass Sie mit Giora Feidman musiziert haben?

Zusammen gespielt haben wir nie, aber ein paar Mal sind wir im selben Konzert aufgetreten. Ich glaube, das letzte Mal war bei der Preisverleihung für den Film »Jenseits der Stille« im Prinzregententheater in München, und das ist schon »einige« Jahre her (Edmund Stoiber war noch Ministerpräsident von Bayern und hat die Preise übergeben). Am selben Abend sind dann auch noch die Epstein Brothers aufgetreten. Da standen dann drei Generationen von Klezmorim auf der Bühne des Prinzregententheaters…

Wann war das letzte Mal, dass Sie sich wünschten, in einer anderen Zeit/Epoche geboren worden zu sein?

Wann genau das letzte Mal war, weiß ich nicht mehr, aber ich weiß, wann es das erste Mal war, nämlich als ich mit ungefähr sieben Jahren zu einer Bigband-Probe mit meinem Vater mitkommen durfte. Sie haben ein Glenn-Miller-Medley geprobt und um mich war es geschehen. Von da an war es klar, dass ich Saxofonist und Klarinettist werden würde, und zwar für Swing und Bigband-Musik. Und obwohl mein musikalischer Werdegang dann doch etwas anders verlaufen ist, liebe ich diese Musik immer noch.

Wann war das letzte Mal, dass Sie einen Ratschlag von Dave Liebman berücksichtigt haben?

Heute morgen beim Üben.

Wann war das letzte Mal, dass Sie für oder gegen etwas demonstriert haben?

Als meine Frau versucht hat, mir den Teller noch ein bisschen voller zu machen, weil sie findet, dass ich zu dünn bin.

Wann war das letzte Mal, dass Sie bei einem Fußballspiel waren?

Bei einem Grümpelturnier in Basel. Ich war ein einziges Mal im Tor und habe mir grad mal die Hand angebrochen. Das wars…Seither eher passiv…

Wann war das letzte Mal, dass Sie in einem Blasorchester mitgespielt haben?

In einem Blasorchester vor etwa 20 Jahren in Italien mit einer italienischen Banda auf einer Piazza, die großen Hits von Verdi – und alle haben mitgesungen, das war wirklich erhebend. Mit einem Blasorchester gerade vor einem Jahr, und zwar mit der Basler Stadtmusik. Wir haben ein Stück des Kolsimcha-Pianisten Olivier Truan (von ihm für Klarinette und Blasorchester bearbeitet) aus dem Ballett »Tevje«, ein von David Grotschreiber arrangiertes Klezmermedley aus dem Repertoire meiner Band, und das Artie-Shaw-Klarinettenkonzert gespielt.

Wann war das letzte Mal, dass Sie gerne in einem Kinofilm mitgespielt hätten (und welcher war das)?

Als Kind bei »Star Trek« oder wie es früher hieß: »Raumschiff Enterprise«.

Und wann war das letzte Mal, dass Sie den Fernseher ausgemacht haben, weil die Filmmusik zu schlecht war?

Ich habe keinen Fernseher.

Wann war das letzte Mal, dass Sie dachten: Musik kann die Welt doch verändern?

Eigentlich bei jedem Konzert, wenn es denn den Menschen eine echte (!) Freude bereitet, aber ganz besonders bei zwei Gelegenheiten. Nämlich, wenn wir hier im Altenheim spielen und ein paar alte, sehr bekannte Lieder ins Programm nehmen und die Menschen mit leuchtenden Augen und mit einem Lächeln im Gesicht mitsingen.

Das andere Mal, wenn wir in die Basler Grundschulen gehen und als Klezmerband eine Schar von Kindern mit verschiedensten Migrationshintergründen zum Tanzen, Klatschen, Mitsingen (in jiddisch!) und zum Lachen bringen. Dann spielt es nie eine Rolle, wer was oder woher ist…

Wann war das letzte Mal, dass Ihnen jemand nahegelegt hat, Sie hätten besser mal »was Vernünftiges« gelernt?

Einer meiner ersten Lehrer hat mir immer gesagt: »Aus dir wird nie ein Klarinettist.« Allerdings war sein Vorschlag Posaune! Ob das jetzt etwas Vernünftigeres ist…

Michael Heitzler

studierte klassische Klarinette in Freiburg bei Prof. Dieter Klöcker sowie Saxofon und Improvisation bei Karsten Gorzel. Danach war er Stipendiat des DAAD und studierte bei Dave Liebman am Mannes College of Music/New School in New York.

Er spielte unter anderem im SWF Sinfonieorchester Baden-Baden, der Jungen Deutschen Philharmonie, European Symphony Orchestra, Consortium Classicum und in seiner Zeit in New York mit Jazz- und Klezmergrößen wie John Hollenbeck, Drew Gress , Billy Hart, Ron Mclure, Michael Alpert (Brave Old World), Metropolitan Klezmer, Yale Strom, vor allem aber mit den Klezmatics, mit denen er auch zusammen mit Itzchak Perlman im Projekt »Fiddler in my House« auftrat.

Daneben ist er unter anderem in den Filmen »Robbi, Kalle, Paul«, »Alles auf Zucker«, »Jenseits der Stille« und »Gripsholm« zu hören. Für den letztgenannten Film vertonte er das Gedicht »Sie zu Ihm« von Kurt Tucholsky, das die Sängerin und Schauspielerin Jasmin Tabatabai im Film singt. Michael Heitzler ist Gründungsmitglied der Gruppe Kolsimcha.

michaelheitzler.com

  • 19.07.2018
  • Das letzte Wort
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 6/2018
  • Seite 72-73

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