Mein Instrument: Sarah Willis und ihr "Modell 103" von Gebr. Alexander

Wir reden und schreiben so viel über Komponisten und Musiker, über Konzerte, neue CDs und über das Musikmachen an sich. Aber was wäre denn die ganze Blasmusik ohne Instrumente? Richtig – da bliebe nicht viel übrig. Deshalb werden wir uns zu­künftig verstärkt und im Detail auch um des Musikers liebstes Handwerkszeug kümmern. Wir sprechen mit den Instrumentalisten und fragen nach: Warum ist gerade dieses Instrument "dein Instrument"?

Ein weltbekanntes Doppelhorn

Ein Elefant vergisst nie! Und er verlässt sich – im Gegensatz zum Menschen – vor allem auf seine Ohren! Dabei beschränkt sich das gute akustische Erinnerungsvermögen aber nicht nur auf die Geräusche von Artgenossen – sehr gut möglich also, dass er sich auch an den Hornklang von Sarah Willis’ Instrument erinnert.

Die Hornistin der Berliner Philharmoniker spielt das "Modell 103" von Gebr. Alexander. Dieses darf man ohne Übertreibung als weltbekanntes Doppelhorn bezeichnen, unerreicht in Tonqualität und Stimmung.

Für das Waldhorn und die Mainzer Metallblasinstrumentenmanufaktur Gebr. Alexander war 1909 ein besonderes Jahr. Damals erteilte das kaiserliche Patentamt die Genehmigung für das Umschaltventil am Doppelhorn "Modell 103" an Friedrich Sebastian Anton und Georg Philipp jun. sowie deren Onkel Franz Anton Alexander.

Laut Hersteller war es das erste voll ausgebaute Doppelhorn mit voneinander unabhängigen Ventilzügen, einem Hauptstimmbogen, einem separaten F-Stimmbogen, einem separaten B-Stimmbogen und dem charakteristischen Umschaltventil mit sechs Ausgängen. Ein Grundstein für die Weiterentwicklung des Hornbaus wurde gelegt, der im Jahr 2009 sein 100. Jubiläum feierte.

Sarah Willis über ihr Instrument

Sarah Willis ist seit ihrem 14. Lebensjahr Hornistin – das Alexander-"Modell 103" spielt sie, seit sie 16 ist. Ihr aktuelles Instrument spielt sie seit etwa sechs Monaten. Was dieses Modell so speziell macht, vermag die Hornistin mit Worten gar nicht zu beschreiben: "Auf diese Frage müsste ich eigentlich mit Klang antworten."

Von diesem Klang war Sarah Willis von Anfang an angetan. "Mein Lehrer zu der Zeit sagte mir, dass der Ton, den ich auf dem Horn bildete, perfekt zu einem Alexander-Horn passen würde. Das war damals in England sehr ungewöhnlich! Ich verliebte mich total in den Klang dieses Horns und wollte nichts anderes spielen."

Die Hörner von Gebr. Alexander klingen einfach gut und verfügen über eine stabile Intonation, findet Sarah Willis. Dabei verlässt sie sich voll und ganz auf die Mainzer Experten. Bei der Ausstattung "experimentiere ich deshalb nicht", lacht sie.

Derzeit spielt die Hornistin auf einem hand­gehämmerten Modell. "Dies kommt auch unserem Hornspiel bei den Berliner Philharmonikern sehr entgegen. Denn es intoniert stabil, und vor allem die extremen dynamischen Unterschiede im Orchester lassen sich sehr gut bewältigen."

Mundrohr, Schalltrichter, Mundstück

Einzig das Mundrohr ließ sie individuell anpassen. Standardmäßig werden alle Hörner mit Goldmessing-Mundrohr ausgeliefert. Sarah Willis spielt mit einem Messing-Mundrohr.

Der Schalltrichter ist zudem nicht abschraubbar. "Das mag zwar vom Transport her einfacher sein, aber da bin ich altmodisch, ja abergläubisch." Die Hornistin lacht: "So lange mich die Fluggesellschaften so mitreisen lassen, wird der Schalltrichter nicht abgeschraubt. If it works – don’t change it!"

Zum Thema Mundstücke möchte bzw. kann Sarah Willis eigentlich nicht viel sagen. Zumindest möchte sie kein bestimmtes empfehlen. "Jeder Spieler muss für sich selbst sein Mundstück finden. Nicht jedes Mundstück ist für jede Lippe gemacht – denn jede Lippe ist anders."

Standard­mäßig liegt dem Instrument ein versilbertes Alexander-Mundstück 8 bei. "Sicherlich ein gutes Mundstück", findet die Hornistin. "Aber ich spiele seit 20 Jahren ein McWilliam/Tilz 1 mit einem Paxman-4B-Rand."

Der sahnig, samtige Alexander-Klang

Warum man das "Modell 103" von Gebr. Alexander spielen sollte, bleibt für Sarah Willis auch eine Geschmacksfrage. Für sie indes ist die einzige logische Antwort: "Ich liebe den 'sahnigen, samtigen' Alexander-Klang." In Europa sei der Klang ohnehin favorisiert."Und es ist ein Luxus für uns bei den Berliner Philharmonikern, dass wir alle auf dem 'Modell 103' spielen. Das macht es uns als Register in der Klanggestaltung viel einfacher."

Das "Modell 103" möchte Sarah Willis nie wieder missen. Lediglich im Urlaub tut es dann zum Üben auch mal ein kleines Plesshorn. Das passt in jedes Handgepäck.

Das "Modell 103" von Gebr. Alexander

Im Orchester hat sich das Doppelhorn als universelles Instrument etabliert. Die voll ausgebaute Kombination des B-Horns mit dem F-Horn bietet dem Musiker eine große Flexibilität in Intonation und Klang. Darüber hinaus besteht bis zu einem gewissen Grad eine Wechselbeziehung zwischen Masse und Tragfähigkeit.

Bei den voll ausgebauten Doppelhörnern wird durch das Daumenventil entweder das kürzere B-Horn oder das längere F-Horn geschaltet. Das "Modell 103" ist das weltbekannte Alexander-Doppelhorn, unerreicht in Tonqualität und Stimmung.

  • Stimmung: F/B oder B/F
  • Bohrung: 12,1 mm
  • Schalldurchmesser: 310 mm
  • Mensur: Medium
  • Korpusgröße: Normal
  • Material: Messing, Goldmessing oder Neusilber
  • Anzahl Ventile: 4
  • Anzahl Daumenhebel: 1
  • Ventilzüge für B- und F-Teil unabhängig voneinander

www.gebr-alexander.de

Sarah Willis

Horn sei etwas für Jungs, meint der Schullehrer von Sarah Willis und empfiehlt ihr Flöte. Doch damit ist der Ehrgeiz der in den USA geborenen Britin geweckt. Mit 14 beginnt sie Horn zu spielen und startet damit eine einzigartige Karriere.

Von 1991 bis 2001 war sie Mitglied der Staatskapelle Berlin. Darüber hinaus spielte sie als Gast auch in anderen führenden Orchestern, etwa im Chicago Symphony Orchestra, im London Symphony Orchestra und im Royal Philharmonic Orchestra.

2001 geht für Sarah Willis ein Traum in Erfüllung, sie wird Hornistin bei den Berliner Philharmonikern, als erste Blechbläserin überhaupt in dem Traditionsorchester. Sarah Willis engagiert sich in vielen Projekten des Education-Programms, beispielsweise konzipiert und moderiert sie Familienkonzerte. Außerdem interviewt sie Dirigenten und Solisten für die Digital Concert Hall.

Sarah begeistert sich für die unterhaltsame Vermittlung von Musik, mit der sie über digitale Kommunikationskanäle und Social Media ein weltweites Publikum erreicht. Sie ist regelmäßig als Interviewerin und Moderatorin im Fernsehen und in Online-Medien zu sehen, beispielsweise in der Klassik-Sendereihe "Sarah’s Music" der Deutschen Welle.

Höchst unterhaltsam und lehrreich sind die "Horn Hangouts" auf Sarah Willis’ Webseite, etwa die Folgen "How to care for your horn" oder "How to choose new a horn".

sarah-willis.com und sarah-willis.com/videos

  • 17.03.2017
  • Szene & Leute
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 3/2017
  • Seite 60-61

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