Mein Instrument: Christian Sprenger und seine Bach-Posaune

  • 21.09.2017
  • Szene & Leute
  • Klaus Härtel

 

Die Tenorposaune 42B Stradivarius von Vincent Bach

"Es war Liebe auf den ersten Blick", schwärmt Christian Sprenger von seiner Tenorposaune 42B Stradivarius von Vincent Bach. Er habe auch vorher schon lange Bach gespielt, doch "diese war besonders!"

Die Stradivarius sei in ihren Farben und vor allem "in der Rückkopplung, die ich als Posaunist bekomme", perfekt. Nach Sprengers Philosophie ist der "Klang im Kopf entscheidend. Das Instrument muss mich dabei unterstützen, diesen Klang nach außen zu tragen. Und die 42er unterstützt mich dabei wie keine andere Posaune!"

Das einteilige, handgehämmerte Messingschallstück definiert den sinfonischen Klang. Hervorragende Klarheit und Projektion, genau der richtige Widerstand – das sind Eigenschaften, die Sprenger an seiner Posaune schätzt.

"Mir ist es wichtig, dass meine Posaune warm und gleichzeitig offen klingt, gut intoniert und anspricht – und das in allen Registern." Sprenger führt das auch auf die Kombination von Messingbecher und schwerem Messingzug zurück.

Ein Instrument "von der Stange"

"Meine Posaune ist sprichwörtlich ein Instrument von der Stange!" Sprenger meint das jedoch in keiner Weise negativ. Ganz im Gegenteil. Das zeige ja, dass sich jemand etwas bei der Entwicklung gedacht hat. Der Posaunist hat an seinem Instrument "fast nichts machen lassen".

Lediglich das Umschaltventil ist leicht modifiziert. "Mir war das mechanische Geräusch etwas zu laut." Ansonsten ist es das Standardmodell. "Jede weitere Änderung, wie zum Beispiel ein größeres Ventil, würde die Resonanz und somit die Charakteristik des Instruments verändern." Doch die Posaune passt – warum also etwas ändern?

Der Lack

Auch mit dem wasserbasierten Klarlack, den Bach verwendet, kommt Sprenger gut zurecht. "Ich mag diesen Lack. Er lässt das Instrument frei schwingen."

Wissen müsse man dabei nur, dass der Lack irgendwann möglicherweise im wahrsten Sinne des Wortes ab sei. "Das hängt von der Benutzung und auch dem Schweißtyp ab", weiß der Posaunist. Wie der Lack aussehe, sei aber eine rein optische Sache. Der Klarlack verleiht dem Klang insgesamt eine gewisse Wärme.

Seit 16 Jahren bewährt

Dass Christian Sprenger seit 16 Jahren dieses Instrument spielt, hat damit zu tun, dass sich da zwei gefunden haben. Es ist nicht so, dass der Musiker Änderungen scheuen würde oder nicht offen wäre für Neuerungen, nach dem Motto "Das haben wir schon immer so gemacht...!".

Es ist eher andersherum. "Ich probiere ständig Neues aus", erklärt er. Andere und leichtgängige Ventile, andere Bauweisen, Züge – "ich bin viele Wege mitgegangen und habe auch viele Instrumente ausprobiert". Gerade durch die Suche, durch Beschäftigung mit anderen Posaunen "bin ich immer wieder zu meiner Vincent Bach zurückgekehrt".

Die Bach-Posaune TB450B

Vincent Bach Tenorposaune TB450B

 

Bohrung: .547” (13,9 mm) L-Bohrung

Schalldurchmesser: 8,5” (216 mm)

Material: Schallbecher und Außenzug Messing (Finish: Klarlack – Müller Lack), Innenzug Neusilber hartverchromt

Sonstiges: drahtverstärkter Schallstückrand, graviertes Logo, Quartventil (Open Wrap), frei schwingendes Korpusdesign durch 3-Punkt-Fixierung der F-Schlaufe, "Mini"-Balancer mit gefrästem Bach-Schriftzug

Zubehör: Original Vincent Bach 6-1/2AL Mundstück, Zugfett, Bach SPS Gig Bag mit Rucksacksystem

www.gewamusic.com

 

A propos Vincent Bach: Kürzlich hat Christian Sprenger bei einem Besuch der GEWA in Adorf die neue Bach-Posaune TB450B ausprobiert. "Diese wird in Zukunft die Lücke zwischen den Einsteigermodellen 650/501 und den 42er Stradivarius schließen."

Das neue Modell ist in der Bauweise seiner eigenen Posaune sehr ähnlich, hat dieselbe Bohrung und ein sehr ähnliches Spielgefühl. Der Zug ist hier allerdings aus Neusilber und "Lightweight".

"Die 450 ist sehr verlässlich, intoniert sehr gut und hat tolle klangliche Möglichkeiten." Vincent-Bach-Posaunen gewährleisten einen strahlenden und durch die neue zweiteilige Schallstückform einen kraftvollen Klang – kombiniert mit einer leichten Ansprache. "Erst im großen Raum kommt es zu Unterschieden."

Dazu sei die Posaune mit 1624 Euro (UVP) "im Preis attraktiv und 'Made in Germany'". Diese Posaune ist für den europäischen Markt konzipiert und nach amerikanischem Vorbild konstruiert. Die einzelnen Teile werden in Asien produziert, während die Komplettfertigung in Deutschland läuft.

Das bedeutet konkret: Polierung, Lackierung und Endkontrolle finden auf höchstem Niveau statt. Der Lack kommt von Müller. "Wunderbare Komponenten! Ich bin total begeistert und kann dieses Instrument Schülern und angehenden Studenten wärmstens empfehlen. Eine wunderbare Wahl."

Diese Posaune sei zudem durchaus dazu geeignet, Schüler und Studenten ins "Fahrwasser von Vincent Bach" zu steuern.

Das Bach-Mundstück

Mit der Posaune wird standardmäßig ein Bach-Mundstück ausgeliefert. Es handelt sich dabei um ein 6-1/2AL. "Das ist ein wirklich gutes Mundstück, das ich selbst als Schüler auch gerne gespielt habe."

Heute spielt Sprenger ein T2 von Lätzsch und schwärmt von der "sensationellen Kombination" der amerikanischen Posaune mit dem deutschen Mundstück: "Das passt unglaublich gut!"

Instrumente für jedermann

Bach-Posaunen stehen heute nicht mehr nur für Profi-Posaunen, die sich sowohl für die großen Orchester als auch für die Solo-Performances eignen. Christian Sprenger wirbt: "Die dürfen alle spielen!" Er lacht.

Natürlich habe sich das Instrument im Profibereich etabliert, doch er sehe keinen Grund, warum nicht auch Studenten damit bestehen sollten. "Auch im Laienbereich wird diese Posaune allen Bedürfnissen gerecht."

Sprenger selbst spielt sie überall: im Orchester, im Recital, in der Kammermusik. Und in Posaunenchören kommt das Instrument ebenso gut zur Geltung wie im Blasorchester.

Über Christian Sprenger

"Der Moment, in dem Musik entsteht, ist einzigartig und unwiederbringlich. Musik spielt mit der Vergänglichkeit des Augenblicks und ist doch gleichzeitig Ausdruck des Lebens." (Christian Sprenger 2016)

Christian Sprenger ist Professor für Posaune an der Hochschule für Musik "Franz Liszt" Weimar. Seinem Ruf an die Weimarer Hochschule für Musik im Jahre 2010 geht eine langjährige Tätigkeit als Soloposaunist im Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin voraus sowie das Musikstudium an der Musikhochschule Freiburg im Breisgau.



Neben seiner Tätigkeit als Pädagoge an der Weimarer Hochschule für Musik komponiert und arrangiert er für die verschiedensten Besetzungen. Sein Schaffen konzentriert sich dabei auf das Komponieren von Choralbearbeitungen und Choralfantasien für sinfonisches Orchester, Bläserensemble und sinfonisches Blasorchester. Christian Sprengers musikalische Wurzeln liegen in der kirchlichen Bläsermusik, und bis heute ist er der kirchlichen Bläsermusik durch Publikationen und Workshops eng verbunden.

Zahlreiche CD-Produktionen rund um das Thema Choral sind mit dem Blechbläserensemble "genesis brass", der "Staatskapelle Weimar" und der "Sächsischen Bläserphilharmonie" bereits eingespielt worden.

www.christiansprenger.de und www.genesis-musikverlag.de

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