Mal konkret: Tipps zu Thomas Krauses "Die Tränen des Phoenix"

Zum Ende des Jahres beschäftigen wir uns mit dem Werk eines deutschen Komponisten: Thomas Krause erzählt in seinem Werk "Die Tränen des Phoenix" von einem schicksalhaften Vogel, der das durch den Menschen hervorgerufene Sterben der Erde beweint, sich selbst verbrennt und gemäß seiner Natur wiedergeboren wird - und mit ihm eine neue Welt voller Hoffnung.

Die Idee zu "Die Tränen des Phoenix"

Das Werk beruht auf der mythischen Gestalt des "Phoenix". Phoenix, der Wiedergeborene, ist ein mystischer Vogel, der am Ende eines Lebenszyklus verbrennt, mit dem Ziel, aus seiner eigene Asche wieder neu zu erstehen. In vielen religiösen Kulturen ist "Licht" ein Symbol für Leben und somit ist das Bild des Phoenix´ ein durchaus weltweit omnipräsentes.

Die Tondichtung erzählt Schritt für Schritt nachvollziehbar eine Geschichte, deren Inhalt Thomas Krause in etwa wie folgt beschreibt: "Unsere Welt ist reich an Schätzen, Farben, Klängen und voll schlichter Schönheit und Anmut. Doch was macht der Mensch? Systematisch zerstört er nicht nur die Erde, auf der er lebt, er zerstört gar sich selbst. Stagnation und Rückschritt ermöglichen keine Weiterentwicklung. Der Herzschlag unserer Erde nähert sich dem Ende. Was kann uns und unsere Welt noch heilen?

Phoenix, dieser schicksalhafte Vogel, beweint all dies. Er schenkt der Welt und der Menschheit seine letzten Tränen, seine heilenden Tränen, um sich dann, gemäß seiner Bestimmung, in das Flammenmeer zu stürzen, um sich selber zu verbrennen. Aus seiner Asche wird ein neuer Phoenix geboren und damit auch eine neue Welt, eine neue Menschheit, voller Hoffnung auf eine bessere und verantwortungsvollere Zukunft."

Der Komponist: Thomas Krause

Vor annähernd 55 Jahren, da wurde er in Königsbach geboren. Als Schlusslicht des Jahres, wie er auf seiner Internetseite schmunzelnd verrät. Die Klarinette, die Flöte und das Saxofon waren alsbald seine Instrumente und führten ihn nach dem Abitur an die pädagogische Hochschule in Ludwigsburg und an die Musikhochschule in Karlsruhe.

Sein Dirigierhandwerk vertiefte er an der Bundesakademie in Trossingen und das Landesblasorchester Baden-Württemberg war ihm unter anderem als Soloklarinettist eine prägende Station. Auch wenn er heute in Nordrhein-Westfalen lebt, an der Musikschule Bochum seine Zelte aufgeschlagen hat und als freier Musiker, Dirigent und Dozent umtriebig unterwegs ist, ist er seiner Heimat Baden-Württemberg gerne verbunden.

Er komponiert und arrangiert in der Hauptsache für Holzbläser und Blasorchester. Er ist kein hauptberuflicher Komponist und sieht diese Tätigkeit als die logische Folge seiner vielseitigen musikalischen und pädagogischen Erfahrungen. Die Konkretisierung eigener musikalischer Ideen in Form von notierten Klängen bedeutet für ihn eine weitere Dimension, eine zusätzliche Leidenschaft seines künstlerischen Schaffens.

Einschätzung des Autors

Das Werk dauert gut zwölf Minuten, faszinierende zwölf Minuten. An keiner Stelle, sei es technisch, sei es in Sachen Kraft oder in klanglichen Fragen, überstrapaziert es die Musiker oder Zuhörer. Im Gegenteil: Es belohnt mit einladender, allseits spannungsvoller Aufmerksamkeit.

Die Tonbilder (und somit die Abläufe der Geschichte) sind für alle Beteiligten immer nachvollziehbar und gleiten nie in allzu plakative Banalität ab. Die aleatorischen Momente sind klug ausgedacht und bemühen keinen wirren Schnickschnack oder ungern nachzuvollziehen wollende Verrücktheiten.

Das Werk steht bei aller "Andersheit" mit beiden Beinen im realen Blasorchesterleben. "Die Tränen des Phoenix" sind, was den reinen Notentext angeht, sicherlich im Bereich Oberstufe anzusetzen. Was die Interpretationsdichte angeht, da könnte man durchaus noch eine Stufe dazugewinnen. Musikalität und Finesse sollte dem reinen Handwerk ja nicht nachstehen.

In der angehängten PDF-Datei finden Sie praktische Hinweise zum Stück (nicht nur) für Dirigenten.

  • 23.11.2016
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