Mal konkret: Tipps zu Philip Sparkes "Moving Heaven and Earth"

Wer möchte das nicht: Himmel und Erde – oder auch Himmel und Hölle – in Bewegung setzen. Alles tun, um das zu erreichen, was man sich wünscht. Diese Vorstellung hat sicherlich etwas mit Kraft und Energie zu tun, aber gleichermaßen auch mit Ruhe, Intelligenz und Würde. Kann man das in Musik packen? Philip Sparke zeigt einen Versuch und bedient sich musikalisch der Variationsform: "Moving Heaven and Earth – Concertante Variations on an Original Theme (after Gabriel Fauré)".

Der Komponist Philip Sparke

Ihn kennt man schon. Philip Sparke, 1951 in London geboren, Absolvent des dortigen Royal College of Music und mit Auszeichnungen versehen. Er studierte die Fächer Komposition, Trompete und Klavier; Brassband und Blasorchester wurden alsbald die ihn bestimmenden Klangkörper. Die Liste seiner Kompositionen und Bearbeitungen ist lang.

Sie beginnt im Jahre 1973 mit "Gaudium" und wird bis heute fortgesetzt, zum Beispiel mit "The Unknown Journey", eines seiner neueren Werke, das 2017 Pflichtstück der 1. Division beim WMC in Kerkrade ist. Auszeichnungen wie "Sieger EBU Kompositionswettbewerb für Blasorchester" oder "Sudler-Price" zieren ihn.

Er ist unumstritten der bekannteste Komponist zeitgenössischer englischer Blasorchestermusik. Seit dem Jahr 2000 vertreibt er seine Werke weltweit in seinem eigenen, ebenfalls in London beheimateten Verlag "Anglo Music Press". Rund um den Globus ist er zudem viel gefragter Gastdirigent und Workshopdozent.

Die Idee zu "Moving Heaven and Earth"

Schon die Namensgebung, aber auch Erläuterungen in der Partitur verweisen auf die Inspiration, die Philip Sparke zu diesem Werk getragen hat. Eine 14-taktige Passage aus dem "Libera Me" aus Faurés Requiem hat wohl an der Textstelle "Quando coeli movendi sunt et terra" ("Wenn Himmel und Erde sich bewegen sollen") großen Eindruck bei ihm hinterlassen.

Zum einen schien ihm diese Sequenz harmonisch besonders reizvoll, zum anderen war sie auch Inspiration für den Titel. "Moving Heaven and Earth" ist aber ohne Frage ein originales Werk von Philip Sparke. Der Hinweis auf Fauré zeugt sicher von großer Verehrung für den Komponistenkollegen, aber wo Sparke draufsteht, da ist auch Sparke drin. Das Werk trägt eindeutig seine Handschrift.

Ein Schulverband in Las Vegas (Nevada, USA) hatte es in Auftrag gegeben, 2012 unter der Leitung von Colonel John R. Bourgeois uraufgeführt und es in Anerkennung ihrer Anstrengungen zugunsten der musikalischen Ausbildung Bunny Wasserman und ihrer Stiftung "Make Music Matter" gewidmet.

Das Stück besteht, wie es sich für eine Variationsform gehört, aus der Substanz eines Themas bzw. eines Themenblocks, verarbeitet in vier Variationen.

Fazit des Autors

Wenn einem Variationsformen manchmal etwas langatmig, konstruiert und ermüdend vorkommen sollten – mir geht das zumindest schon mal so, von der Klassik bis in die Moderne hinein –, dann finde ich mich hier diesbezüglich nicht berührt. Ein großes romantisches Thema, gefolgt von vier wohl proportionierten und charakterlich sehr abwechslungsreichen Variationen, sind zusammen ein großes Ganzes, das überraschen kann und einlädt, den Spannungsbogen bis zum Schluss zu halten.

Das Werk ist grundsätzlich absolut "normal" für großes Konzertblasorchester ausgelegt. Es geizt nicht mit Noten. Kraft und Ausdauer auf der einen Seite, recht hohe Virtuosität mit Laufwerk und Akkordbrechungen auf der anderen Seite, sind durchaus Herausforderungen, die wohlklingend nur von Musikern geleistet werden können, die mit diesen "Belastungen" spielerisch umgehen können.

Das Prädikat "durchaus üppig und fordernd" liegt ohne Frage auf dem Werk, dem ich gönne, dass es mit klugem Krafteinsatz und mit großer Übersicht, besonders in Sachen Virtuosität, bewältigt werden kann. Sparke halt, der gerne mal mit vielen Tönen für konstruktive Unruhe sorgt.

  • 18.01.2017
  • Tipps & Praxis
  • Renold Quade

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