Mal konkret: Tipps zu Pavel Staněks "St. Thomas Choral"

  • 17.08.2016
  • Tipps & Praxis
  • Renold Quade

Der "St. Thomas Choral" ist ein sehr berührendes Werk. Seine Melodik ist vergleichsweise schlicht, sehr liedhaft, in sich wenig kontrastierend und ohne große Schnörkel. Nicht zuletzt deswegen wirken die gut vier Minuten "wie aus einem Guss". Geschrieben hat Staněk es einfach so "aus Spaß an der Freude". Im Vordergrund stand dabei die Freude an klanglichen Effekten. "Erst viel später habe ich es Siegfried Rundel zur Herausgabe angeboten", erzählt der Komponist. Sicherlich, er hatte beim Schreiben schon eine Idee von Festlichkeit und Würde, aber nicht direkt, unmittelbar und zweckgebunden einen religiösen Ansatz.

Siegfried Rundel, Musiker und Verleger mit Instinkt und Fantasie, Pragmatiker und Visionär, hatte sofort eine Idee, in welchem Segment diese Musik zu platzieren ist. Ein plakativer Titel sollte die durchaus choralhafte Musik in die Herzen der Menschen führen. Und so stellte er die Weichen, wie Pavel Staněk sich erinnert. "Der 'St. Thomas Choral' erhielt seinen Namen nach der Thomaskirche auf der sogenannten Kleinseite in Prag. Ich hatte dort vor langer Zeit als Kontrabass-Student die Weihnachtsmesse von Jan Jakob Ryba gespielt. An diese Stimmung habe ich mich dann gerne erinnert."

Der Komponist Pavel Staněk

1927 in Prag geboren, studierte Staněk dort zunächst Kontrabass, musizierte im Staatlichen Lieder- und Tanzensemble und wurde ebenda auch bald Chorleiter. Ab 1954 war er für sechs Jahre Dirigent des Musikkorps des Innenministeriums, dem heutigen Orchester der Burgwache und Polizei der Tschechischen Republik. Hier stand er erstmals einem Blasorchester vor.

Ab 1961 war er dann zwei Jahre Dirigent am tschechischen Musiktheater "Na Fidloacce" und zudem Chorleiter und Dirigent des Chors und Orchesters des Schwermaschinenwerks "CKD Praha". Ab 1963 bis zu seiner Pensionierung 1990 wurde er dann nach Ostrava berufen, zum damaligen Tschechoslowakischen Rundfunk, als Chefdirigent des Rundfunkorchesters.

Der "St. Thomas Choral"

"Die Komposition ist (eigentlich) nicht besonders schwierig, im Gegenteil: Technisch ist sie sehr leicht. Die größten Probleme liegen in der Stimmung. Sie ist zudem sehr transparent instrumentiert und das stellt höhere Ansprüche an die Spieler. Im großen Klang, wo alles verdoppelt ist, gibt es diese Probleme weniger. Sie wird oft auch in Kirchenkonzerten gespielt, wahrscheinlich wegen des Titels. Ich habe die Komposition öfters in Deutschland gehört als bei uns. Die deutschen Orchester stimmen meistens besser…", so ein Resümee von Pavel Staněk.

In der angehängten PDF-Datei finden Sie praktische Hinweise zum Stück (nicht nur) für Dirigenten. Eine Hörprobe sowie die Partitur zum Mitlesen finden Sie auf der Seite des Musikverlags Rundel.

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